Trinkgeld: Der Rest ist dann für Sie!
Trinkgeld

Der Rest ist dann für Sie!

Stuttgart. Ein zufriedener Gast gibt in der Regel auch ein Trinkgeld. Ist er sogar begeistert, wird er auch mal mehr als die in Deutschland allgemein üblichen 5 bis 8 Prozent liegen lassen. Da

Stuttgart. Ein zufriedener Gast gibt in der Regel auch ein Trinkgeld. Ist er sogar begeistert, wird er auch mal mehr als die in Deutschland allgemein üblichen 5 bis 8 Prozent liegen lassen. Da können erkleckliche Summen zusammenkommen. Nicht umsonst gibt es auch immer wieder Streit darüber, wem diese freiwillige und steuerfreie Leistung denn zusteht.

Klar: In erster Linie den Servicekräften, die durch ihre Aufmerksamkeit und Freundlichkeit einen großen Beitrag zu einem angenehmen Restaurantbesuch leisten. Allerdings: Wenn das Essen nicht schmeckt oder die Küche nicht auf Sonderwünsche reagiert, tut sich auch der Service schwer, die Gäste bei Laune zu halten. Deshalb werden die Köche in vielen Betrieben an den Trinkgeldeinnahmen beteiligt. Ist das eine gute Lösung, und wie genau wird verteilt? Die AHGZ hat sich umgehört.

Was bekommen Kollegen?



„Unsere Trinkgeldregelung sieht vor, dass die jeweilige Servicekraft behält, was sie einnimmt“, berichtet Peter Schmitt, Inhaber des Liedberger Landgasthauses in Korschenbroich. „Wir haben aber vereinbart, dass sie 1 Prozent von ihrem Umsatz als Trinkgeld für Küchen-, Spül- und Bürokräfte abgibt. Das geschieht auf reiner Vertrauensbasis. Bei Bankettveranstaltungen wird das Trinkgeld je zur Hälfte aufgeteilt.“ Mit dieser Regelung seien bisher alle 42 Mitarbeiter zufrieden.

In den Hamburger Betrieben von Niklaus Kaiser von Rosenburg, Geschäftsführender Gesellschafter des Hotels Baseler Hof und mehrerer Gastronomiebetriebe, wird die Sache unterschiedlich gehandhabt. „Bei uns entscheiden die Mitarbeiter unserer jeweiligen Betriebe selber, wie sie das Trinkgeld verteilen“, so Kaiser von Rosenburg. „In einem Betrieb geben die Kellner 3Prozent ihres Trinkgeldes an diejenigen ab, die keine eigene Kasse haben. Dabei gehen wir davon aus, dass die Gäste Trinkgeld ungefähr in Höhe von 5 bis 7 Prozent des Umsatzes geben.“ In einem anderen Gastronomiebetrieb gäben die Mitarbeiter ihr Trinkgeld komplett ab und verteilten es gleichmäßig unter denen, die Dienst hatten. „In unserem Hotel wiederum behält jeder individuell sein Trinkgeld.“

Von der Alster nach Rheinland-Pfalz: Im Waldhotel in Eisenberg geht setzt man auf eine solidarische Lösung. An der Rezeption steht ein Sammeltopf oder Tronc in den die Hotelgäste ihr Trinkgeld werfen. „Es wird in unregelmäßigen Abständen unter den Abteilungen Rezeption, Etage, Hausmeister paritätisch aufgeteilt“, sagt der Chef Claus Kuhnhardt. Der tägliche Tip im Restaurant werde unter den beteiligten Servicekräften und der Küche verteilt. „Die korrekte Verteilung auf meine insgesamt 15 Mitarbeiter übernimmt die Restaurant- oder die Rezeptionsleitung. Ich halte mich da raus.“

Gar nicht verteilt wird im A-la-carte-Bereich des Hotel-Restaurants Darstein in Altrip. Dort behält jede Restaurantfachkraft ihr Trinkgeld selbst. Anders beim Bankett, wie Inhaber Frank Darstein berichtet. „Das Trinkgeld wird im Bankett-Bereich meist am Ende eines Monats unter Berücksichtung eines Punktesystems als Tronc an die zirka 25Mitarbeiter verteilt“, so Darstein. „Je mehr Tronc-Punkte einem Mitarbeiter zugerechnet werden, desto größer sein Anteil.“

In der deutschen Hauptstadt ist alles anders. Auch beim Trinkgeld? Der Gastwirt Peter Schulz hält sich jedenfalls ganz an das geltende Recht: „Wer Trinkgeld bekommt, der darf es auch behalten.“ Für den Betriebsfrieden sei das allerdings nicht die beste Lösung. In seinem Betrieb, der Gaststätte Ebel in Berlin-Altglienicke, würden die Mitarbeiter das Trinkgeld freiwillig mit der Küche teilen. „Ich halte mich heraus, die Einflussnahme des Geschäftsführers ist ohnehin nicht erlaubt.“ In der Regel kassieren bei Peter Schulz die Kellner die Rechnung beim Kunden. „Falls ich abkassiere, gebe ich das Trinkgeld natürlich weiter an die Mitarbeiter.“

Wenn Gäste das Trinkgeld mit der Kreditkarte bargeldlos zahlen, trägt Schulz die Summe ins eigens dafür angelegte Kassenbuch ein. Der Vorgang müsse fürs Finanzamt nachvollziehbar sein. „Wer das nicht tut, schadet sich selbst“, weiß der Gastronom, der darüber hinaus im DEHOGA Berlin als Bezirksbeauftragter für Treptow-Köpenick tätig ist. Denn nur für die Mitarbeiter sei das Trinkgeld seit einem Jahr steuerfrei. Würde es der Gastwirt unter seinen Einnahmen verbuchen, müsse er es auch entsprechend versteuern.

Spendierlaune fördern



Immer wieder hört man von speziellen Strategien, mit denen der Service das Trinkgeld erhöhen kann. Ist da was dran? „Freundlichkeit ist die beste Strategie“, sagt Claus Kuhnhardt vom Waldhotel Eisenberg. „Am besten sind Gruppen, die alle bar bezahlen, da bleibt für den Service am meisten hängen.“ Er selbst versuche bei Gesellschaften nicht zu kassieren, weil der Chef kein Trinkgeld bekomme und die Mitarbeiter leer ausgehen.

Keine Strategie, aber eine Beobachtung steuert schließlich Frank Darstein aus Altrip bei: „Leider wird der Trinkgeldanteil seit Jahren geringer. Ich würde sagen, es sind schon so 50 Prozent weniger als vor zehn Jahren.“ eck/brg/fe/gol/mth/bbr

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