Nachfolge: „Der Spaß treibt uns an“
Nachfolge

„Der Spaß treibt uns an“

Herbert Schwittay
Rüsten den Klosterhof für die Zukunft: Sebastian und Annett Witt setzen auf ein junges Team – und tierische Unterstützung.
Rüsten den Klosterhof für die Zukunft: Sebastian und Annett Witt setzen auf ein junges Team – und tierische Unterstützung.

Heiligengrabe. Vor einem Jahr hat Annett Witt das auf dem Klosterstift Heiligengrabe liegende Hotel Klosterhof gepachtet. Ihr Vater Hartmut Eckert hatte es zuvor 16 Jahre lang geführt. Die

Heiligengrabe. Vor einem Jahr hat Annett Witt das auf dem Klosterstift Heiligengrabe liegende Hotel Klosterhof gepachtet. Ihr Vater Hartmut Eckert hatte es zuvor 16 Jahre lang geführt. Die Übernahme war damit eher ein nahtloses Weitergeben an die Kinder. Denn als Restaurantfachfrau umsorgte Annett Witt schon viele Jahre die Gäste. Und auch ihr Mann Sebastian Witt, gelernter Koch, hatte schon längst die Regie in der Küche übernommen. Zusammen entwickeln beide nun ein Konzept, um das Hotel auf einen wirtschaftlich sicheren Weg zu bringen.

„Wir werden die Unterkünfte mit modernen Arrangements auf das erforderliche zeitgemäße Niveau heben“, erläutert die 31-Jährige ihre Pläne für die 17 Zimmer. Investitionen will sie ohne Bank stemmen, um finanziell unabhängig zu bleiben. „Deshalb werden wir die Zimmer in vier Schritten in den nächsten zwei Jahren modernisieren.“ Dadurch soll die Auslastungsquote, die heute teilweise schon bei 80 Prozent liegt, noch einmal erhöht werden.

Die Gästeklientel ist zum Großteil kirchlich geprägt, unter der Woche kommen aber auch viele Radfahrer. Die Klosterführung selbst nimmt keinen Einfluss auf das Hotelkonzept. „Wir sind lediglich verpflichtet, einen reibungslosen Ablauf bei der Versorgung dieser Klientel zu garantieren“, sagt Annett Witt. „Touristen, die länger bleiben, sind aber eher die Ausnahme.“

Mit dem Chefwechsel wurde auch das Personal umstrukturiert. Mit einer Alterspanne von 25 bis 35 Jahren ist das Team heute jung aufgestellt. „Das ist gewollt“, sagt Annett Witt. „Dadurch entwickelt jeder von uns mehr Elan, eine Beteiligung in allen Bereichen ist garantiert und das Gefühl der Zusammengehörigkeit nimmt jeder mit nach Hause.“ Auch das obligatorische „Du“ gehört dazu.

Dem Restaurant mit 50 Plätzen wurde bereits ein neuer Look verpasst. „Entsprechend dem Niveau unserer Küche zeigt es sich modern, hell und übersichtlich“, so Sebastian Witt. Wurde die Speisekarte früher im halbjährlichen Turnus gewechselt, erhält sie jetzt monatlich ein neues Gesicht, etwa Rindertatarröllchen mit Gurkenmantel und Zwiebeln gefüllt auf Rotkohlsalat mit Speckchips und Senfvinaigrette, Tafelspitz vom Charolais-Rind oder ein in Heu gebratenes Bachsaiblingsfilet. Das Wild kommt aus dem Stiftswald des Klosters, Fleisch und Fisch aus der Region. Besondere Aufmerksamkeit hat der junge Küchenchef unlängst beim Wettbewerb „Better Desserts“ erhalten. Gäste hatten den Klosterhof einfach angemeldet. „Wir wussten davon überhaupt nichts“, so Annett Witt. Die Jury war beim Testessen von der Tonkabohnen-Bratapfelschnitte derart begeistert, dass der Klosterhof nun im Herbst als einer der fünf Finalisten am Endausscheid teilnimmt.

Für Annett und Sebastian Witt steht hinter der täglichen Arbeit nicht das Muss im Vordergrund, sondern der Spaß. „Der treibt uns und das Team an und deshalb sind wir hier alle glücklich.“

Herbert Schwittay

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