Interview: „Zuhören und richtig fragen“
Interview

„Zuhören und richtig fragen“

Patrick vom Berg
Christian Krämer: Vom Leistungssport in die Hotellerie
Christian Krämer: Vom Leistungssport in die Hotellerie

F&B Manager Christian Krämer aus dem Hyatt Regency Mainz hat beim Finale des Deutschen Hotelnachwuchs-Preis 2021 (DHNP) das Publikum überzeugt und gewonnen. Im Interview mit ahgz-Redakteurin Brit Glocke spricht er über Führung, Ziele und seinen Mentor.


Herr Krämer, wie war der Moment des DHNP-Sieges? 
Surreal! Natürlich in einer guten Weise, denn ich habe nicht fest mit einem Sieg gerechnet. Zumal wir Finalisten in unseren verschiedenen Bereichen alle das Gleiche wollen, das gleiche Mindset haben und ähnliche Strategien diesbezüglich. Die finale Entscheidung der Jury war daher sicher keine einfache. Zugleich ist die Botschaft, die der Preis aussendet, wahnsinnig cool, deshalb sollte so ein Preis auch immer weiter gefördert werden.

Wie haben Sie sich auf das Finale vorbereitet? Unter den Corona-Umständen war es nicht einfach, weil parallel beruflich viele Herausforderungen zu bewältigen waren. Meine Hauptvorbereitung war es, mir noch einmal all jenes ins Gedächtnis zu rufen, was ich bereits gemacht und geschafft habe – und hier die Top 3 herauskristallisieren.

… und welche sind das? Beruflicher Meilenstein Nummer eins ist der Olympiastützpunkt im Saarland mit Hannes Vitense, jetziger Schwimm-Bundestrainer. Das hat mich Motivation und Fokus auf das Wesentliche gelehrt. Zweiter Meilenstein ist London beziehungsweise UK, weil ich dort meine Managementfähigkeiten durch verschiedene Management-Programme schulen konnte. Dritter Meilenstein ist nun das Hyatt Regency Mainz. Hier habe ich den Event-Service übernommen und durfte vor allem die Herausforderungen vieler Outside-Caterings mit der Inhouse-Operativen unter einen Hut zu bringen. Nach dem ersten Lockdown kam dann die Verantwortung des gesamten F&Bs dazu und hat mir neue Möglichkeiten geboten. 


Ist Ihnen die gestellte Final-Aufgabe zum Thema „Hotellerie im Verwandlungsprozess – Herausforderungen und Lösungen“ leichtgefallen? Ja (lacht), weil es eine dankbare Aufgabe war, mit der wir uns in der Hotellerie gerade alle beschäftigen. Und in die wir unfassbar viel Leidenschaft reinbringen, damit sich die Branche schnell wieder erholt.

DHNP 2021: Sieger Christian Krämer im Porträt



Ihr Mentor ist General Manager Malte Budde. Was haben Sie von ihm gelernt? Viel, auch wenn mich Malte erst seit einem Jahr begleitet. Doch das, was ich von ihm gelernt habe, ist für meinen jetzigen Standpunkt ganz wichtig gewesen. Er führt nicht durch das klassische Top-down-Management, sondern er lässt mich machen, da er den Ansatz der Empowerment Leadership verfolgt, durch die man viele Leader kreieren kann. Das ist für mich das Wichtigste, denn es gibt mir das Gefühl von unfassbarer Anerkennung, auf eine Art und Weise, wie ich es bisher noch nicht kannte. Ich hatte schon viele Leader, die mir auf die Schulter geklopft und gesagt haben: „Christian, das war eine super Leistung!“ Das war schön für den Moment, aber auch von kurzer Dauer. Hingegen ständiges Wertschätzen in Form von „Du machst das schon“, „Mach Du das mal“, „Ich vertraue Dir da“, oder auch mal kritisch zu hinterfragen, wenn es angebracht ist, aber im Endeffekt die Dinge einfach mal laufen lassen, selbst wenn es man anders gemacht hätte – das ist das, was Malte vorlebt und was ich als Main Driver mitgenommen habe und auch so weitergeben werde.

Wie sieht Ihr beruflicher Drive darüber hinaus aus? Ich suche mir immer viele Projekte gleichzeitig raus und lege dabei unfassbar viel Tempo vor, weil ich es aus meinem früheren Leben als Leistungsschwimmer nicht anders gewohnt bin. Sprich: Acht Projekte gleichzeitig und „nebenbei“ die Operative zu leiten – genau das ist der Punkt, der mir Spaß macht. Der Punkt, der so herausfordernd ist und gleichzeitig so viele Benefits mitbringt, wenn alles funktioniert.

Also führen Sie den Wettkampf, den sie früher im Wasser gefochten haben, jetzt im Hoteljob weiter … Das kann man so sagen. Nach der Schwimmerkarriere hat mir ein guter Bekannter geholfen, herauszufinden, was ich künftig machen will – und so habe ich zur Hotellerie gefunden. Davor war Schwimmen war mein Plan A – und das mit 150 Prozent. Plan B gab es damals nicht – und so ist es jetzt auch im Hotel. Deshalb werde ich der Branche hoffentlich noch lange erhalten bleiben dürfen, denn auch hier gebe ich jetzt wieder 150 Prozent. Der Weg bis hierher hat viel Spaß gemacht – sonst hätte ich das in der Geschwindigkeit nicht durchziehen können.

Gratulation am Ostseestrand: DHNP-Sieger Christian Krämer mit HDV-Chef Jürgen Gangl (links) und Jury-Vorsitz Rolf Westermann, ahgz

Was macht für Sie gute Führung in Zukunft aus? Ganz klar, weg vom Top-down-Management hin zu einem Leadership-Modell, wo der einzelne Mitarbeiter die Power bekommt, das zu machen, was er möchte beziehungsweise kann. Und hier als Führungskraft den Mitarbeitern auch das entsprechende Vertrauen entgegenzubringen. Das hat nicht nur Benefits für die Entwicklung des Einzelnen, sondern auch für die Eigene. Gern würde ich die Verantwortung der Operativen stückweise weitergeben und mich weiteren, neuen Projekten widmen. Ich glaube, dass das auch in der Zukunft ein erfolgreicher Leadership-Ansatz ist.

Wie sehen Sie die Nachwuchsthematik in der Branche? Wo läuft es nicht gut? Ich würde nicht einfach nur sagen, dass es nicht gut läuft. Ich würde sagen, dass sich der Wandel des Mindsets mehr in Richtung Work-Life-Balance entwickelt. Hier muss sich der Arbeitgeber dem zukünftigen Arbeitnehmer ein wenig anpassen. Das heißt nicht, dass er sich verbiegen muss. Er muss lediglich an der richtigen Stelle zuhören und seinen Leuten die richtigen Fragen stellen.

Wo sehen Sie Mitarbeiterthemen nach Corona? Ganz gleich, ob Azubi, Quereinsteiger oder jemand, der der Branche coronabedingt gerade den Rücken gekehrt hat – allen müssen wir attraktive Arbeitsmöglichkeiten geben. Das hat nicht nur mit der Vergütung zu tun, auch wenn diese natürlich nicht zu vernachlässigen ist. Main Driver sind jedoch andere Punkte, etwa Anerkennung, anständiges Zuhören und konstantes Teambuilding.

Was sind Ihre nächsten Ziele? Geschäftlich möchte ich erst einmal da anknüpfen, wo ich bin, weil wir im Hyatt Regency Mainz gerade so viele Projekte in der Pipeline haben, die ich einfach nur Fliegen sehen will. Auf 5-Jahres-Sicht möchte ich mich karrieretechnisch weiterentwickeln, denn ich möchte gern Hoteldirektor werden – danach bin ich offen für alles. Privates Highlight im nächsten Jahr wird zudem die Hochzeit mit meiner Freundin in Kroatien.

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