Investitionen: Die ganze Familie macht mit
Investitionen

Die ganze Familie macht mit

Heinz Feller
Stets um ihre Gäste bemüht: Heike und Uwe Morgenstern führen gemeinsam das Hotel-Restaurant Morgenstern in Römerberg.
Stets um ihre Gäste bemüht: Heike und Uwe Morgenstern führen gemeinsam das Hotel-Restaurant Morgenstern in Römerberg.

Römerberg. Die Ausgangslage war nicht einfach. „Trotz Wirtschaftskrise und touristischem Stillstand haben wir uns mithilfe einer fundierten Markanalyse und viel persönlicher Überzeugungskraft

Römerberg. Die Ausgangslage war nicht einfach. „Trotz Wirtschaftskrise und touristischem Stillstand haben wir uns mithilfe einer fundierten Markanalyse und viel persönlicher Überzeugungskraft mitten in einer Hochzinsphase entschlossen, am Dorfrand von Römerberg einen Landgasthof mit 20 Zimmer, drei Restaurants für insgesamt 100 Gäste, einem kleinen Tagungsraum und Gartenterrasse neu zu erbauen“, sagt Uwe Morgenstern. Das 3-Sterne-Hotel in freundlichem Himmelblau wurde ohne viel Werbe-Tamtam im Oktober 1990 eröffnet. „Seitdem steht unser Haus für Urlaubsgäste, Geschäftsleute, Mountainbiker, Feinschmecker und Familienfeiern immer offen, ohne dass je ein Tag Ausfall zu verzeichnen war“, umschreibt Heike Morgenstern gleichzeitig ihre Zielgruppen. Bei den Bikern hat man sich etwas verkalkuliert. Da der Radweg Rotterdam-Basel direkt an der Hoteltür vorbeiführt, hatten die Morgensterns sich von ihnen mehr ausgerechnet.

Für den Erfolg ihres Betriebs haben die Morgensterns kräftig geackert und investiert. „Meine Oma hat mit einer kleinen Dorfwirtschaft in Römerberg angefangen, meine Eltern haben am Badeweiher in Mechtersheim dann den Grundstock zu dem gelegt, was heute das Hotel Morgenstern ausmacht“, sagt der Patron.

Der gelernte Metzger und Koch, der 1987 nach seiner Ausbildung im Schwetzinger Löwen seine Prüfung als jüngster Küchenmeister der Kurpfalz in Bad Kreuznach ablegte, ging anschließend auf Reisen. In Wengen und Pontresina in der Schweiz lernte er die internationale Küche kennen und nahm begeistert die mediterrane Küche in seinen Küchenstil auf. Dass „hausgemacht“ keine Worthülse, sondern gelebte Realität ist, ist seiner Philosophie und seinem Sinn für Zeitgeschmack und der Ablehnung von Produkten mit schlechter Ökobilanz geschuldet. „Wir haben von Anfang an konsequent unser Konzept verfolgt: eine naturnahe, regionale Frischeküche mit Produkten möglichst direkt vom Bauern und Wild vom Hausjäger. So habe ich die Garantie, dass alles superfrisch und unbehandelt ist.“ Lobende Bewertungen in diversen Guides und Hotelportalen belegen die Qualität von Küchen- und Hotelleistung.

Im Hotel arbeitet die ganze Familie fast am Limit und kommt daher mit sechs Mitarbeitern aus: Der Patron steht mit drei Köche-Kollegen in der Küche. Die Chefin bringt als studierte Fremdsprachenkorrespondentin ihr Wissen ständig im Service und an der Rezeption ein. „Aus dem Nichts heraus eine Stammkundschaft zu gewinnen, ist nicht einfach und bedarf der Aufbauarbeit. So freuen sich die meisten Gäste, wenn sie in ihrer Muttersprache angesprochen werden.“

Und auch Uwes Vater Anton Morgenstern steht immer öfter hinter dem Ausschank. Er war lange Jahre in die Verbandsarbeit der DEHOGA-Kreisstelle Speyer eingebunden, unter anderem als Mitbegründer der Speyerer Kaisertafel. Die 600 Meter lange Tafel – 1990 als einmaliges Geschenk der Speyerer Gastronomen zum Stadtjubiläum gedacht – hat sich dank seines Engagements zu einer Institution entwickelt, die den Morgensterns sowie 14 weiteren Speyerer Gastronomen im August ein schönes Zubrot beschert.

Die Familie ist überzeugt von der Wichtigkeit eines guten Betriebsklimas. Das auf Vertrauen basierende Verhältnis mit und unter den Mitarbeitern sowie zu den Gästen sei entscheidend für die vielen Stammgäste, die über 60 Prozent ausmachen. „Wir kennen sie fast alle persönlich und tauschen uns gern und lange mit ihnen aus“, so Heike Morgenstern. Der Landgasthof bedeutet der Familie alles, auch wenn der Patron manchmal bang in die Zukunft blickt. Für ihn sind kleine, familiengeführte Hotels oder Landgasthöfe in strukturschwachen Regionen heute nur noch Auslaufmodelle. Auch die Auslastung seines Hotels ist im vergangenen Jahr um 5 Prozent zurück gegangen. Gewinne bringe noch der F&B-Bereich. „Die steigende Kostenspirale ist unerträglich. Insbesondere das Anrennen gegen bürokratische Hürden kostet Energie und Zeit, die ein Familienbetrieb nun einmal nicht hat“, erläutert der 54-Jährige. Nichtsdestotrotz wurde und wird kräftig investiert: Die erste und zweite Etage wurden bereits generalsaniert. Die dritte ist nächstes Jahr dran. Investitionsschwerpunkt im vergangenen Jahr war die behindertengerechte Ausstattung des Hauses. Im Februar dieses Jahres wird das Restaurant renoviert und in einem neuen Stil ausgestattet.

Heinz Feller

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