Messe-Highlights: Die ITB boomt auch in unsic...
Messe-Highlights

Die ITB boomt auch in unsicheren Zeiten

Messe Berlin

Allen globalen Unsicherheiten zum Trotz: Die 26 Hallen der Internationalen Tourismusbörse Berlin – kurz ITB – sind auch im Jahr 2017 ausgebucht. Zur weltgrößten Reisemesse haben sich ebenso

Allen globalen Unsicherheiten zum Trotz: Die 26 Hallen der Internationalen Tourismusbörse Berlin – kurz ITB – sind auch im Jahr 2017 ausgebucht. Zur weltgrößten Reisemesse haben sich ebenso wie in den Vorjahren mehr als 10.000 Aussteller angemeldet – 200 sind neu dabei. Parallel dazu findet der führende Fachkongress der Branche mit 400 Referenten und 200 Veranstaltungen statt.

Die gefragten Messehallen senden laut David Ruetz, Leiter der ITB Berlin bei der Messegesellschaft, ein deutliches Signal: „Auch in Zeiten, die von politischen Unwägbarkeiten gekennzeichnet sind, setzt die internationale Reiseindustrie auf eine starke Präsenz, Fortschritt und den persönlichen Austausch.“ Insbesondere aus Asien, den arabischen Destinationen und aus dem Bereich Travel Technology sei die Nachfrage wieder unverändert stark. „Wir haben diese Entwicklung durch eine sinnvolle Umverteilung der Hallen unterstützt und konnten so dem Wunsch vieler Aussteller nach zusätzlichen Standflächen nachkommen“, sagt Ruetz. Einige Stände würden in die Höhe wachsen und die Aufteilung der Hallen sei optimiert worden.

Mehr Aussteller, größere Stände



Eine große Rolle auf der ITB spielt laut Julia Wegener, PR-Magagerin Corporate Communications der Messe, die Hospitality-Branche. In Halle 17 freue sich die Messe über die neu hinzugekommene Imperial Hotel Group. Mehr Hotels als im Vorjahr können Besucher in der Halle 9 entdecken. Zudem seien die Standflächen gewachsen, etwa bei Hyatt Hotels & Resorts, Accorhotels oder Jin Jiang International. Die Deutsche Hotel & Resort Holding hat ebenfalls einen der begehrten Plätze in der Halle 9 erhalten. Es lohnt auch der Besuch des ITB Hospitality Day im Rahmen des ITB-Kongresses: Hier geht es um den Einfluss von Meta-Searchern auf das Buchungsverhalten, neue Sicherheitskonzepte von Hotels und Herausforderungen bei F&B.

Schwerpunkt Digitalisierung



Inhaltlich wird auf der ITB einmal mehr das Thema Digitalisierung im Fokus stehen. „Die Digitalisierung hat die Reisegewohnheiten vieler Menschen verändert“, hält David Ruetz fest. Folgerichtig gilt die boomende „eTravel World“ als einer der größten und dynamischsten Ausstellerbereiche auf der ITB, für den es Wartelisten gibt. In diesem Jahr finden erstmals in zwei Hallen über 70 Aussteller Platz. Vom etablierten Konzern bis zum ambitionierten Start-up ist nach Angaben von Julia Wegener alles dabei. In den Hallen 6.1 und 7.1c treffen Besucher auch neue Aussteller wie Aldebaran, Betterspace, Conichi, Paymentwall und Traveltripper. Neu ist auch der „eTravel Showroom“ in Halle 6.1. Zum ersten Mal können sich hier junge Unternehmen bei einem internationalen Start-up-Pitch powered by Phocuswright beteiligen. Gründer aus Europa, Asien und Amerika stellen ihre Ideen einer Expertenjury und dem internationalen Fachpublikum vor. Außerdem informieren sich im Showroom Fachbesucher an den ersten beiden Messetagen in 20 Sessions über Produktinnovationen aus den Bereichen digitales Marketing, Social Media oder Mobile Travel Services. Kundenkommunikation mithilfe von Chatbots, textbasierten Dialogsystemen, kommt ebenfalls vor. „Chatbots sollen dafür sorgen, dass auf Anfrage sekundenschnell passgenaue Angebote zu erhalten sind“, so Ruetz.

Best Practice beim Mice-Day



Der deutschlandweit größte Mice-Hotspot findet sich auf dem ITB-Kongress: „Über 1000 registrierte Planer kommen als Gäste zum Mice-Day“, freut sich Bernd Fritzges, Vorstandsvorsitzender von Veranstaltungsplaner.de, der Vereinigung deutscher Veranstaltungsorganisatoren.

Einen der Veranstaltungstitel musste Fritzges nach eigenen Angaben erst mühsam bei der Messe Berlin durchboxen: „Wenn sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben sie einen scheiß digitalen Prozess“, ist eigentlich ein Zitat von Lufthansa-Vorstand Thorsten Dirks. Fritzges beschreibt damit das gegenwärtige Dilemma der Digitalisierung. „Wir haben nur das Medium, aber nicht den Prozess digitalisiert“, so Fritzges. Dazu gehöre nämlich auch die Automatisierung. Stattdessen werde eine Internet-Buchungsanfrage noch immer per Fax oder E-Mail beantwortet. Zwar als effektiv, aber nicht als effizient bewertet Fritzges das Mice-Business, das zu 70 Prozent im kleinen, standardisierten Segment mit Radius zwischen 2000 und 5000 Euro je Auftrag verlaufe. „Für fünf Abschlüsse muss ein Hotel 100 Angebote schreiben“, so Fritzges.

Medical Tourism heißt das Segment, das die ITB im Jahr 2017 ins Leben gerufen hat. Damit widmet sich die Messe dem Wachstumsmarkt der medizinisch begründeten Reisen. Medizinische Dienstleister sowie darauf spezialisierte Hotels und Destinationen stellen im Medical Tourism Pavillon in Halle 3.2a ihr Angebot vor. Die 439 Mrd. US-Dollar schwere Branche soll laut Report von Visa und Oxford Economics in den kommenden zehn Jahren noch um 25 Prozent wachsen. Anlass seien eine bessere Infrastruktur in anderen Ländern und oft in den Heimatländern nicht zugelassene oder verbotene Therapien.

Neue Segmente auf der Messe



Als weiteren neuen Reisetrend behandelt die ITB 2017 den Astro-Tourismus. Diese Art des Reisens bringt laut Julia Wegener die Menschen aus aller Welt an Schauplätzen zur Himmelsbeobachtung zusammen. Eine Sonnenfinsternis, Sternschnuppen, Kometen oder einfach nur ein nächtlicher Sternenhimmel ohne künstliche Lichtquellen sind Ereignisse, die zum Reisen motivieren. In Halle 4.1b steht der Adventure Travel & Responsible Tourism im Blickpunkt. Bernhard Brügger

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