Weintrend: Die Scheurebe wird wieder neu entd...
Weintrend

Die Scheurebe wird wieder neu entdeckt

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Sieht gut aus: Die Scheurebe kann sich sehen lassen.
Sieht gut aus: Die Scheurebe kann sich sehen lassen.

Stuttgart. Jetzt schon an den passenden Wein für den Frühling, für den Sommer denken? Ja! Ein Weißer aus der Scheurebe böte sich an. Ein gewisser Georg Scheu hat sie 1916 im rheinhessischen

Stuttgart. Jetzt schon an den passenden Wein für den Frühling, für den Sommer denken? Ja! Ein Weißer aus der Scheurebe böte sich an. Ein gewisser Georg Scheu hat sie 1916 im rheinhessischen Alzey erfunden. Scheu kreuzte die Rebsorte Riesling mit der Bukettsorte (Silvaner x Trollinger), daraus erstand die nach ihm benannte Scheurebe. Sein Ziel war es, eine Rebsorte zu züchten, die fruchtiger und aromatischer sein sollte, als es der Riesling damals war. Hundert Jahre später ist die Scheurebe zum Geheimtipp von Sommeliers avanciert.

Dass die Scheurebe das Zeug zum Star unter den Frühlings- und Sommerweinen hat, davon ist Uwe Matheus überzeugt. Der Betriebsleiter des Iphöfer VDP-Weingutes Wirsching beobachtet seit einigen Jahren eine Veränderung im Kundengeschmack: „Aromatisch, aber frisch und leicht vom Alkoholgehalt her – was will man mehr? Aromatische Rebsorten werden immer stärker nachgefragt“.

Während Weißweinliebhaber bislang Wert auf Spritzigkeit und Frische im Geschmack gelegt haben, aber zuviel Aroma eher als nicht zeitgemäß empfanden, wendet sich nun das Blatt.

Was in gepflegtem Maß Anklänge von reifer Birne, Pfirsich und einen Hauch schwarzer Johannisbeere in sich trägt, ist jetzt gefragt. Die Sorte hat vor allem in Franken eine stimmige Heimat gefunden.

Passend zu asiatischer Schärfe



Das Image war anfangs eher mäßig. Sie galt als zu süß, zu langweilig. Mittlerweile verstehen immer mehr Weinliebhaber, dass hier in der trockenen Version etwas besonders Interessantes wächst. „Es ist die heimische Variante des Sauvignon blanc“, sagt Uwe Matheus.

Das größte private Weingut Frankens hat 1952 die Scheurebe erstmals in Franken gepflanzt. Der Iphöfer Kronsberg ist wohl die berühmteste Scheurebe überhaupt. Der Spätlese-Jahrgang 2009 wurde in London mit dem „Sommelier Wine Award 2011“ ausgezeichnet – und auch der Jahrgang 2015 zeigte sich als ein Wein mit unheimlicher Spannung: Aromen von getrockneten Früchten wie Feigen Datteln und Aprikosen geben im Bouquet den Ton an.

Auch wenn heute die meisten Scheurebe-Weine in Rheinhessen und in der Pfalz erzeugt werden, ist Franken in diesem Kontext das Maß aller Dinge. Weil versteinerte Krebse im Muschelkalk des Julius Echter Berges bei Iphofen zu finden sind, nennt das Weingut Johann Ruck sein Scheureben-Produkt Estheria, das im Eichenfass ausgebaut wird.

In der Würzburger Juliusspital-Scheurebe von 2015 findet man Noten von Johannisbeere, frischer Ananas und Mango, sie ist lebendig, fruchtig und zeichnet den Genussweg bei einem Menü im Restaurant vor. Denn traditionell ist die Scheurebe ein klassischer Begleiter zu Frühlingsmenüs. Ob Spargel oder leichte Fleischgerichte – dieser Tropfen passt. Aber auch wer mit asiatischer Schärfe isst, entdeckt in der Fruchtigkeit dieser Rebsorte ein gutes Pendant, aus dem auch Süß- und Dessertweine gekeltert werden. Zudem hat die fruchtige Variante weniger Alkohol.

Verkostungsnotizen und Einkaufstipps von Heinz Feller lesen Sie unter www.ahgz.de/thema/scheurebe

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