Familienfreundlichkeit: Dienstplan ganz nach ...
Familienfreundlichkeit

Dienstplan ganz nach Wunsch

Claudia Burst
Zusammenhalt wird großgeschrieben: Bei Bedarf schälen alle zusammen Kartoffeln.
Zusammenhalt wird großgeschrieben: Bei Bedarf schälen alle zusammen Kartoffeln.

Stimpfach-Rechenberg. In der Gastronomie schuften bis zur Belastbarkeitsgrenze? So soll es im Landhotel Rössle im Stimpfach-Rechenberg nicht zugehen. Dort ist sonntags geschlossen. In den Ferien

Stimpfach-Rechenberg. In der Gastronomie schuften bis zur Belastbarkeitsgrenze? So soll es im Landhotel Rössle im Stimpfach-Rechenberg nicht zugehen. Dort ist sonntags geschlossen. In den Ferien ebenfalls. Und wenn ein Mitarbeiter wegen Krankheit eines Kindes nach Hause muss – kein Problem.

Im Dezember erhielt der Betrieb die DEHOGA-Auszeichnung als familienfreundlicher Arbeitgeber. „Das ist im Lauf der Zeit so gewachsen, da steckte kein Konzept dahinter“, erzählt der Geschäftsführer und Inhaber des Rössles, Lutz Sperr und lächelt. Er und seine Frau Edeltraud haben selbst zwei Söhne, 11 und 13 Jahre alt, und profitieren daher genauso von den für die Mitarbeiter eingeführten Maßnahmen wie diese. „Wir haben das Glück, dass bei uns die ganze Woche über viele Tagungen stattfinden, da ist bei uns am meisten los“, erläutert Sperr. Der Samstag ist für Hochzeiten und große Feiern der Hoch-Tag. Dafür jedoch hat das Landhotel an den Sonn- und Feiertagen geschlossen. Das sei für seine eigene Work-Life-Balance wichtig und für die seiner Familie, sagt Sperr, aber vor allem schätzten dies seine 35 Mitarbeiter. Die könnten ihre Freizeit planen und entspannt regenerieren.

Zufriedene, flexible Mitarbeiter



Dazu kommen die Betriebsferien – das Rössle hat in sämtlichen Schulferien zwischen vier Tagen und zweieinhalb Wochen geschlossen. „Das hat den Vorteil, dass alle gleichzeitig voll motiviert wieder mit dem Arbeiten anfangen“, sagt Lutz Sperr, und dass nicht die Anwesenden doppelt arbeiten müssten, weil die Kollegen im Urlaub sind. „Wir haben uns irgendwann überlegt: Was wollen wir?“, erklärt der Chef. Die Antwort lautete: Zufriedene, fähige und flexible Mitarbeiter, die möglichst in der Nähe wohnen, sich mit dem Rössle identifizieren und alle das Wohl des Gastes im Auge haben. „Und das geht nur, wenn sie sich selber wohlfühlen“, betont der gelernte Koch. Er erzählt von seiner Mitarbeiterin Sandra Schuster mit ihren drei Kindern, von denen eins behindert ist. „Klar kommt es vor, dass sie plötzlich weg muss, weil jemand zu Hause Alarm schlägt. Aber dafür ist sie supergut im Beruf und ein Organisationstalent, motiviert am Arbeitsplatz und zuverlässig.“

Ähnlich sei es bei der Servicekraft Claudia Panzino. Sie ist für die Tagungs-Planungen verantwortlich – muss aber ihre Kinder täglich um 16 Uhr vom Kindergarten abholen. Oder Nadine und Alexander Stocker mit ihren drei Kindern, die beide im Rössle tätig sind. Um allen Mitarbeitern mit ihren festen und auch aktuellen Terminen möglichst gerecht zu werden, „strickt“ Edeltraud Sperr jede Woche für eine Woche im Voraus den individuellen Dienstplan nach Wunsch. Sie teilt ihre Leute so ein, wie sie Zeit haben und füllt Lücken mit Teilzeitkräften, Azubi oder einfach selbst. „Irgendwie geht’s immer“, sagt sie und schmunzelt.

Anpacken, wo es brennt



Was hilft, ist die Flexibilität der Mitarbeiter und ihre Bereitschaft, sich nicht nur auf „ihrem“ Arbeitsplatz einzusetzen, sondern überall im Haus, wo Not am Mann ist. „Zur Not schälen auch die Zimmermädchen mal Kartoffeln. Die finden das lustig und trinken einen Cappuccino dazu“, schildert Sperr den internen „Bereitschaftsdienst“, der „prima funktioniert“. „Wir sind so froh über unsere Mitarbeiter. Wir wollen keinen missen“, fügt seine Frau hinzu. Claudia Burst

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