Digitale Intergastra am Mittwoch: Remote-Köch...
Digitale Intergastra am Mittwoch

Remote-Köche, Gäste-Helden und New Flavouring

Messe Stuttgart
Breites Spektrum: Die Intergastra digital vom 8. bis 10. März
Breites Spektrum: Die Intergastra digital vom 8. bis 10. März

Die erste digitale Intergastra hat viel Zuspruch erfahren. Von Montag bis Mittwoch fand der große Branchentreff im Süden als virtuelles Live-Event für die Gastronomie, Hotellerie und den Außer-Haus-Markt statt. Über das Messeportal stellen sich die Teilnehmer ihr Programm selbst zusammen. Auch die Redaktionen von ahgz, foodservice und gv-praxis zeigen Flagge. Lesen Sie hier das Messebriefing der ahgz zum dritten Messetag.

Remote-Koch: Kundenbindung durch digitale Events

Monate lange Schließzeiten in der Gastronomie treiben viele Wirte und Köche ins Netz: Uwe Staiger, Vorsitzender der Meistervereinigung Gastronom Baden-Württemberg e.V. , und Christoph Hormel, Küchenchef im Restaurant Siedepunkt Ulm, haben die Zeit der Zwangspausen genutzt und digitale Kochevents sowie Kochboxen für daheim kreiert. So bringen sie das Restaurant nach Hause, können Umsatz generieren und erreichen ihre Gäste auch im heimischen Wohnzimmer oder in der Küche.

Christoph Hormel setzt mit seinem Team auf virtuelle Kochkurse. So hält er direkten Kontakt zu den Gästen und kann Umsatz generieren. Die digitalen Kochevents bringen zudem klare Vorteile mit sich: Es gibt weder eine räumliche Begrenzung, noch eine Begrenzung der Teilnehmer. Bei den virtuellen Kursen sei so sogar schon einmal ein Teilnehmer aus Frankreich dabei gewesen.

Das Restaurant direkt nach Hause bringen will Uwe Staiger, der auch das Staigers Waldhorn in Plochingen betreibt. Über die Plattform restauhome.de können Kunden einzelne Produkte für zu Hause bestellen oder gleich ganze Genussboxen. Darin enthalten sind vorbereitete Menüs zum finishen für daheim. id

Der Gast ist der Held

Trotz aller Schwierigkeiten durch die Pandemie kann Thomas Mack, Geschäftsführender Gesellschafter im Europa-Park an ein essentielles Thema weiterhin selbst beeinflussen und vorantreiben: Das Gästeerlebnis. Digitale Prozesse wie ein akribisches Ticketing-System und eine Abstandsapp geben dem Gast vor Ort Sicherheit. Alles andere, seien es Innovationen oder bestehende Angebote, hat er mittlerweile als "Geschichten" vor Augen, die der Gast erleben kann.

Das Erlebnis beginnt beim Gast mit der Einstimmung vorab über ein Mailing mit dem Hinweis auf ein Geschichten-Buch oder einen Imagefilm, vor Ort sollen ihn eine besondere Archtektur, Fahrattraktionen, Veranstaltungen oder kulinarische Konzepte begeistern. "Wenn die Krise etwas Gutes hat", sagte Mack in einem Talk mit dem Change- und Trendexperten Pierre Nierhaus, "dann dies, dass ich viel Zeit habe mit meiner Familie im Park zu sein." Er sehe so das Angebot für die Gäste mit den Augen der 9. Generation - die gerade einmal 3 und 5 Jahre alt ist. Ein Blickwinkel, der durchaus spannend sei. "Der Held ist der Gast", resümierte Nierhaus und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: Jeder Blinkwinkel aus Produkt zähle. lef

Hanni Rützler: Wie Covid-19 unser Leben verändert

Welche Konsequenzen die Corona-Epidemie für unser Leben, Arbeiten, Essen und Kochen verändert, darum ging es im Vortrag der Foodexpertin und Trendforscherin Hanni Rützler.

Alle Teilsysteme des Lebens und der Wirtschaft seien von der Krise betroffen. Stagnation und Verzweiflung seien zwar nachvollziehbar, aber nicht zielführend. „Es gibt kein Zurück, sondern nur ein Vor“, so Rützler. Dies zu realisieren und anzunehmen sei allerdings eine Herausforderung, denn Corona tangiere unsere Gefühle, unsere Stimmungen und Emotionen – und dies in einem ungeahnt hohen Maße. Die persönliche Einstellung, die Beantwortung der Fragen „Wer bin ich, was will ich sein?“ spiele eine entscheidende Rolle – ganz im Sinne einer schlüssigen Positionierung. Dabei gehe es auch darum, die Chance zur Erneuerung zu nutzen, Überflüssiges über Bord zu werfen, Veraltetes abzulegen. „Es ist jetzt auch ein idealer Zeitpunkt dafür, Innovationen Raum zu geben“, so Rützler.

Hanni Rützler: "Es gibt kein Zurück, sondern nur ein Vor"
Zukunftsinstitut / Nicole Heiling
Hanni Rützler: "Es gibt kein Zurück, sondern nur ein Vor"

Naturgemäß sind Foodtrends ein großes Thema für Gastronomen. In den vergangenen Jahren gab es der Expertin zufolge verschiedenste Entwicklungen und Strömungen – darauf habe die Gastronomie reagiert. Einige Trends indessen hätten während Corona massiv an Bedeutung gewonnen, etwa das Snacking, Free-from-Produkte oder das New Flavouring. „Gesundheit und Genuss, Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit sind Kernbegriffe. Aber: Alles bedienen – das würde ich nicht empfehlen“, so Rützler.

Unabhängig von der Gastronomie beobachtet die Trendforscherin eine Hinwendung zum Kochen, zum Genuss daheim. Verbraucher wollen Rützler zufolge genau wissen, woher die Produkte stammen und welche Zutaten in der Gastronomie verwendet werden. Bei den Vertriebskanälen liegen Kochboxen, Meal-Kits und Food-Automaten voll im Trend.  „Kunden werden zu gefühlten Selbstversorgern“, so Rützler. „Sie sind heute mündiger, informierter und haben mehr Möglichkeiten als je zuvor - auch in der Gastronomie.“ ai
Messefazit

Die erste digitale Intergastra fand vom 8. bis 10. März 2021 "in Stuttgart" statt. Auf drei Hauptbühnen und in 89 Unternehmensauftritten boten Branchenpartner, Verbände, Vereine und Experten aus der Gastronomie und Hotellerie ein hochkarätiges Programm zu aktuellen Themen der Branche, gaben Anregungen zur Weiterentwicklung während und nach dem Lockdown sowie für den Restart’21.

Das Programm umfasste mehr als 100 Veranstaltungen und eine Dauer von fast 70 Stunden. Insgesamt 11.000 Teilnehmende aus 43 Ländern – überwiegend aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Italien, dem Vereinigten Königreich, Dänemark, Spanien und Frankreich – haben während der drei Veranstaltungstage online mitdiskutiert und die erste virtuelle Veranstaltung dieser Größenordnung verfolgt.


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