Hotelier des Jahres: Drehbuchautor für Hotels
Hotelier des Jahres

Drehbuchautor für Hotels

Hotel
Christoph Hoffmann: „Viele Hotels sind austauschbare Produkte.“
Christoph Hoffmann: „Viele Hotels sind austauschbare Produkte.“

Christoph Hoffmann (51) sieht nicht aus wie ein Hotel-Geschäftsführer. Er trägt keinen dunklen Anzug, eine Krawatte kommt für ihn nur selten in Frage. Jeans im Destroyed-Look gehören zu seinem

Christoph Hoffmann (51) sieht nicht aus wie ein Hotel-Geschäftsführer. Er trägt keinen dunklen Anzug, eine Krawatte kommt für ihn nur selten in Frage. Jeans im Destroyed-Look gehören zu seinem Outfit, dazu gern ein heller Pulli, und er wird im Hotel von Gästen angesprochen, woher er seine Panto-Brille mit dem Look der 1920er Jahre hat.

Vieles an ihm vermittelt Leichtigkeit und spricht für seine lockere Art. Er ruft schon mal aus Paris an und sagt, dass er in schwierigen Verhandlungen stecke, oder er steht mit seinem Smartphone in Südfrankreich am Strand. „Wenn Sie mich sehen könnten, würden Sie neidisch werden“, neckt er dann an einem in Deutschland schaurigen Herbsttag. „Ich stehe hier mit Badehose bei 30 Grad.“ In Berlin sieht man ihn mit einem weißen Fahrrad durch die Stadt streifen. Auf seiner Hotel-Homepage lässt er sich als Hotel-Nomaden beschreiben, dessen Berufung Globetrotting ist.

Das wirkt authentisch, passt gut zu seiner Biografie und zu den inzwischen acht 25hours Hotels in Hamburg (3), Frankfurt (2), Berlin, Zürich und Wien. Die DNA der Gruppe ist es, lokale Geschichten zu erzählen und maßgeschneiderte Konzepte zu verwirklichen. Der Slogan lautet: „Kennst Du eins, kennst Du keins.“ Das ist das Gegenteil vom Hotel von der Stange, Individualität wird großgeschrieben.

„Viele Hotels sind austauschbare Produkte“, sagt Hoffmann. „Sie sehen am Ende des Tages alle gleich aus und haben keine Seele, weil sie zu vielen Gesetzen folgen müssen, dem Totalunternehmer, dem Budget, der Finanzierung, dem Energiekonzept. Unser Vorgehen, mit Bargeld auf dem Flohmarkt Einrichtungsgegenstände zu kaufen und Dinge zusammenzubasteln, ist für Developer zunächst ein Alptraum, und eine Horrorvorstellung für jede finanzierende Bank. Von der Stange ist es einfacher, Zuverlässigkeit herzustellen.“ Start der Marke war in Hamburg. Dort sorgte Kai Hollmann mit dem ersten Designhotel der Hansestadt für Furore. Im Jahr 2000 eröffnete er das Gastwerk, ein umgebautes früheres Gaswerk. Mit seinem Motto „Design erleben. Dasein genießen“ verließ Hollmann schon zur Jahrtausendwende die Pfade der Standardhotellerie. Das Haus war fortan Treffpunkt der hippen Städter. Gleich in der Nähe entstand 2003 das 25hours Number One, der Prototyp. Die Zeit für Hotels einer neuen Generation war reif. Zwei Jahre später setzten sich vier Geschäftsleute an einen Tisch und gründeten die 25hours Hotel Company: Neben Hoffmann, Hollmann und Goldman auch Stephan Gerhard, der damals eines der größten Beratungsunternehmen der Branche leitete, die Treugast. Elf Jahre später erfuhr das Unternehmen mit dem Einstieg von Europas größter Hotelkette Accorhotels gigantischen Auftrieb. Im November 2016 übernahm der Konzern 30 Prozent der Anteile mit der Option, sich langfristig die Mehrheit zu sichern. 2018 eröffnet 25hours ein Hotel in Paris.

Warum setzte sich die außergewöhnliche Idee durch? 25hours wurde oft dann ausgewählt, wenn ein ödes Quartier mit individuellen Konzepten bereichert werden sollte, wie in der Hafencity Hamburg. „Vom Geld getriebene Immobilienprojekte suchen jemanden, der dem Ganzen einen anderen Mehrwert gibt“, erklärt Hoffmann. „Wir sind der Katalysator, mit dem die Immobilien erfolgreich entwickelt werden. Die dunkle Seite daran ist, dass manch ein Mitarbeiter im Hotel mit sehr wenig Geld nach Hause gehen muss, damit die Rechnung aufgeht.“ Das Hotel in der Hafencity ist inzwischen die Cashcow. Im Sommer soll das nach einem Brand geschlossene Hafenamt wieder eröffnet werden. Rolf Westermann

Das vollständige Porträt lesen Sie im AHGZ spezial am 25. Februar.

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