Corona-Exit: Droht bei den Lockerungen jetzt ...
Corona-Exit

Droht bei den Lockerungen jetzt ein Flickenteppich?

Tashatuvango/Colourbox.de
Verordnungswirrwarr: Viele verschiedene Regelungen stoßen nicht bei allen Beteiligten auf Verständnis.
Verordnungswirrwarr: Viele verschiedene Regelungen stoßen nicht bei allen Beteiligten auf Verständnis.

Bund und Länder wollen nach dem Lockdown schrittweise und regional angepasst Öffnungen zulassen. Dehoga und Deutscher Tourismusverband wünschen sich mehr Einheitlichkeit.

BERLIN. Lange mussten Gastgeber warten, jetzt bekommen sie endlich Perspektive. Restaurants sollen in Deutschland ab Samstag, 9. Mai öffnen, zumindest in den ersten Bundesländern, in denen die relativen Corona-Fallzahlen vergleichsweise gering sind. Schon bis zum 22. Mai sollen jedoch alle Bundesländer nachziehen. Darauf haben sich am Mittwoch die Wirtschaftsminister der Länder geeinigt. Für touristische Beherbergungen - also für die Hotellerie im Leisure-Bereich wurde eine Öffnung bis Ende Mai angekündigt.

Der Dehoga Bundesverband begrüßt diese Ankündigungen außerordentlich. "Die meisten Betriebe befinden sich in der achten Woche der Schließung bei Null-Umsätzen und weiterlaufenden hohen Fixkosten. Die Lage ist dramatisch", zeigt Guido Zöllick, Präsident des Dehoga Bundesverbandes auf, wie arg die Branche von der Coronakrise getroffen war. "Es ist deshalb richtig und gut, dass die Ministerpräsidenten in einer Balance zwischen Verantwortung für die Gesundheit der Menschen in diesem Land, aber auch in der Verantwortung für die Wirtschaft jetzt handeln", so Zöllick weiter.

Dehoga-Präsident Guido Zöllick: " Wir begrüßen die Öffungsperspektive. Ein Rettungsfonds muss dennoch schnellstmöglich auf den Weg gebracht werden."
DEHOGA Bundesverband/Svea Pietschmann
Dehoga-Präsident Guido Zöllick: " Wir begrüßen die Öffungsperspektive. Ein Rettungsfonds muss dennoch schnellstmöglich auf den Weg gebracht werden."


Nichtsdestotrotz fordert der Dehoga angesichts der langen Zwangsschließungen weitere staatliche Unterstützung für die Branche ein. Zöllick erklärt: "Ein Rettungsfonds muss schnellstmöglich auf den Weg gebracht werden – mit direkten Finanzhilfen für alle Betriebe unserer Branche. Nur mit dieser Unterstützung haben viele Betriebe eine Überlebensperspektive."


Höhere Kosten durch strengere Abstands- und Hygienemaßnahmen

Zudem wird der Neuanfang für viele Betriebe nicht leicht werden. "Es gilt, die Abstandsgebote und noch strengeren Hygienevorschriften einzuhalten", warnt der Dehoga-Präsident. All das werde mit Mehrkosten verbunden sein. "Zudem ist auch Fakt, dass aufgrund der Abstandsregelungen nur 30 bis 50 Prozent des Vorjahresumsatzes erzielt werden können." Es werde noch eine Zeit dauern, bis kostendeckende Umsätze erwirtschaftet werden könnten. Zöllick wünscht sich zudem eine praxistaugliche Gestaltung der jeweiligen Rechtsverordnungen. "Für Gäste wie Unternehmer wäre es einfacher, wenn sich die Länder auf maximal einheitliche Regelungen bei Kontaktbeschränkungen, Schutzmaßnahmen und branchenspezifischen Vorgaben verständigen könnten."

DTV-Geschäftsführer Norbert Kunz: "Wir hätten uns in den letzten Tagen allerdings deutlich mehr Abstimmung und Koordinierung zwischen Bund und Ländern gewünscht."
Deutscher Tourismusverband
DTV-Geschäftsführer Norbert Kunz: "Wir hätten uns in den letzten Tagen allerdings deutlich mehr Abstimmung und Koordinierung zwischen Bund und Ländern gewünscht."


Ähnlich sieht man es beim Deutschen Tourismusverband (DTV). Dessen Geschäftsführer Norbert Kunz kommentierte am Mittwoch Nachmittag: "Endlich bekommen die fast 3 Millionen Beschäftigten im Tourismus wieder eine Perspektive. Das ist eine gute Nachricht. Wir hätten uns in den letzten Tagen allerdings deutlich mehr Abstimmung und Koordinierung zwischen Bund und Ländern gewünscht. Es darf jetzt nicht auch noch zu einem Flickenteppich bei den grundsätzlichen Standards und Regeln zu Unterbringung, Hygiene oder Auslastung von Betrieben kommen." Das würde Gastgeber wie auch die Reisenden möglicherweise nur verwirren.

Mindestabstand bleibt

Fest steht: Der Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Menschen in der Öffentlichkeit bleibt vorerst bestehen. Wie aus dem Protokoll der Video-Konferenz zwischen Bund und Ländern hervorgeht, wird er bis 5. Juni verlängert und durch die Maskenpflicht in bestimmten öffentlichen Bereichen ergänzt. Kleine Lockerung bei der Kontaktsperre: Der Aufenthalt im öffentlichen Raum wird nicht mehr nur alleine, mit den Angehörigen des eigenen Hausstandes oder einer weiteren Person, sondern auch mit den Personen eines weiteren Hausstandes gestattet.

Getränkegeprägte Gastronomie kann wohl erst später nachziehen

Viele gastgewerbliche Betriebe haben bereits in den vergangenen Wochen Sicherheits-, Hygiene- und Abstandskonzepte zur Vermeidung von Infektionsrisiken erstellt. Auch die Berufsgenossenschaft hat einen Leitfaden zum branchenübergreifenden Sars-CoV2-Arbeitsschutzstandard vorgelegt. Der Dehoga unterstützt die Betriebe mit Checklisten und Best-Practice-Beispielen zu Abstandsgeboten und noch einmal deutlich erhöhten Hygienestandards. "Die Gesundheit der Gäste und Mitarbeiter hat oberste Priorität", so Zöllick.

Rücknahme von Lockerungen bei erhöhten Infektionszahlen

Erhöhte Hygiene und Sicherheit sollte sich letzten Endes für alle Beteiligten lohnen. Denn die Länder können ihre Lockerungen rasch wieder aufheben. Sollte es in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt kumulativ mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen geben, muss reagiert werden, so die aktuellen Beschlüsse der Politik. Ebenso sollen die Länder unter Beobachtung des lokalen Infektionsgeschehens über weitere Öffnungsschritte entscheiden. Dies gilt unter anderem für Bars, Clubs und Discotheken, aber auch für Messen, Fitnessstudios, Schwimmbäder, Kosmetikstudios und Freizeitparks. Großveranstaltungen sollen auch nach dem aktuellen Stand  bis 31. August untersagt bleiben.

red/rk

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