Editorial: Gestorben ist die Branche schon öf...
Editorial

Gestorben ist die Branche schon öfter, aber sie lebt immer noch

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Rolf Westermann, Chefredakteur ahgz
Rolf Westermann, Chefredakteur ahgz

Der Lockdown geht wie erwartet in die Verlängerung. Seit fast drei Monaten sind Hotels und Restaurants weitgehend geschlossen. Wo bleibt die Exit-Strategie?

Nun kommen bis Mitte Februar mindestens zwei Wochen hinzu, das Ende wurde nicht festgelegt. Manche fürchten, dass der Lockdown bis Ostern bestehen bleibt. Innerhalb eines Jahres kommen die Unternehmen auf insgesamt rund fünf Monate Schließzeit. So verlieren viele ihre Existenz, die stellvertretend für den Gesundheitsschutz aller ihre Betriebe schließen müssen. Das gilt auch, obwohl die Insolvenzantragspflicht inzwischen noch länger ausgesetzt wurde. Dadurch wird die so genannte Marktbereinigung wohl eher verschoben als aufgehalten.

„Die Branche wird sich erholen. Aber zum Teil mit neuen Konzepten und nicht mehr mit allen bisherigen Marktteilnehmern. “
Rolf Westermann, ahgz-Chefredakteur
Auch fast ein Jahr nach Pandemie-Beginn ist keine Exit-Strategie der Politik erkennbar. Allerdings gibt es im Fall einer weltweiten Pandemie keinen Plan aus dem Handbuch. Doch nach wie vor ist es kritisch, dass es angesichts dieser massiven Einschränkungen keine eingehenden Beratungen im Parlament gibt.

Statt dessen beschließen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder die Linie, nach Vorarbeit einer Expertenrunde, die auch nicht vom Bundestag eingesetzt wurde. So wirkt alles "alternativlos". Mag sein, dass es das auch ist, denn noch niemand hat den Königsweg entdeckt.

Wie lang kann das Land geschlossen bleiben?

Aber bei einer breiten Diskussion, bei der weder Corona-Leugner noch die 150-prozentigen Verteidiger des Status Quo das Sagen haben, könnten vermutlich eher Alternativen herausgearbeitet werden. Das Land kann schließlich nicht dauerhaft geschlossen bleiben.  

Die Stimmung schwankt nach wie vor zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Gestorben ist die Branche schon öfter, aber sie lebt immer noch. Laut einer Dehoga-Umfrage sehen drei Viertel der Betriebe ihre Existenz bedroht. Andere gehen fest davon aus, dass Corona zur Jahresmitte deutlich zurückgedrängt wird und dann wieder eine gewisse Normalität einzieht.  

Die zweite Hoffnung betrifft die Hilfsgelder. Die Auszahlung stottert, bisher gab es bei der Novemberhilfe in der Regel nur Abschlagszahlungen bis 50.000 Euro. Die Unternehmen müssen seit Monaten überbrücken. Nicht alle können das. So bleibt die Branche vorerst weiter auf der Intensivstation am Tropf.

Die meisten sind sich aber einig, dass es nach Corona - wann immer das auch ist - wieder käftig aufwärts geht. Die Branche wird sich erholen. Aber zum Teil mit neuen Konzepten und nicht mehr mit allen bisherigen Marktteilnehmern. 

r.westermann@ahgz.de

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