Gastbeitrag: „Ferienhotellerie wird niemals l...
Gastbeitrag

„Ferienhotellerie wird niemals langweilig“

Unternehmen
Alexander Winter: Geschäftsführender Gesellschafter bei Arcona
Alexander Winter: Geschäftsführender Gesellschafter bei Arcona

Arcona-Chef Alexander Winter über einen Markt unendlicher Möglichkeiten für kreative Unternehmer.

Es gibt vielerlei Gründe, sich auf Reisen zu begeben. Immer mehr Menschen sind infolge der Globalisierung beruflich weltweit unterwegs – ob sie wollen oder nicht. Sie steuern großartige Destinationen an. Aber häufig sehen sie nicht viel mehr von ihren Zielen als Flughäfen, Bahnhöfe, Hotels und Tagungsräume. Diesen Gästen ihren Aufenthalt während anstrengender Meetings und Tagungen so angenehm wie möglich zu machen, ist die Aufgabe von uns Hoteliers und Gastronomen. Zugegeben: Das ist eine spannende Aufgabe, aber nicht annähernd so spannend, wie Kunden der Ferienhotellerie zufrieden, ja mitunter sogar ein bisschen glücklich zu machen.

Wie sehr anders reist es sich, wenn man das Wann, Wohin und Wie ganz und gar selbst bestimmen kann. Nicht ohne Grund spricht man von den „schönsten Wochen des Jahres“, dafür sparen viele Kunden, sie zählen die Tage, und die Vorfreude wächst. Für gute Qualität, eine herausragende Lage, ein spezialisiertes oder besonders breit gefächertes Angebot ist ein großer Teil der jeweils angesprochenen Klientel bereit, gute Preise zu zahlen und uns Verantwortlichen und unseren Teams Wertschätzung zu zollen. Ein positives Feedback ist also fast so schön wie ausgebuchte Häuser.

Trends frühzeitig erkennen und umsetzen

Für Gäste, die aus freien Stücken reisen, ein attraktives Konzept zu schaffen, ist für mich und mein Team immer wieder Herausforderung, Lust und Freude. In der Ferienhotellerie sind unserer Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Dieser Markt, der vom Low Budget bis zum High-End-Produkt reicht, wird nie langweilig, niemals Routine. Er bietet uns Unternehmern eine schier unendliche Vielfalt attraktiver Möglichkeiten. Allerdings gibt es starke Trends. Und die müssen frühzeitig erkannt und umgesetzt werden. Das kostet Energie und Kapital.

Zeitgemäße, moderne Ferienhotellerie bedeutet viel mehr als ein ordentliches Bett und ein gutes Frühstück. Sie vermittelt ein Lebensgefühl. Heute darf es locker, leicht und leger zugehen – aber mit Stil. Unsere Kunden wollen sich wohlfühlen – und zwar in gutem Design und Lifestyle. Und sie interessieren sich für spannende Geschichten rund um das Hotel, seine Mitarbeiter und die Location. Warum also als Hotelier samt Team nicht einmal die Perspektive wechseln und den Gästen eine pfiffige Führung mit Storytelling durchs Hotel anbieten?

Deshalb haben auch Nischenprodukte großes Potential, sich auf dem Markt zu etablieren. Neue gesellschaftliche Trends haben hier in den vergangenen zehn Jahren der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Von den Bio-Hotels über die Hunde-Hotels, Achtsamkeits-Hotels, kinderfrei oder eben familienorientiert – es gibt nichts, was es nicht gibt. Wer einen klaren Fokus verfolgt und authentisch ist, hat gute Chancen, sein Hotel auf dem Markt zu positionieren.

Zunehmend spielt auch der Nachhaltigkeitsgedanke eine Rolle. Viele Deutsche fahren mittlerweile lieber an die Nord- oder Ostsee als an ferne Meeresküsten. Der Klimawandel ist in aller Munde. Umweltfreundlichere Reisen rücken ins Bewusstsein. Wo noch vor wenigen Jahren ganz selbstverständlich der Billigflug auf eine südliche Insel gebucht wurde, (ver-)sucht der Gast heute auch alternative Reisemöglichkeiten und entdeckt lustvoll sein eigenes Land. So wird der Standort Deutschland auch für Deutsche immer attraktiver.

Im Gegensatz zur Stadthotellerie haben in der Ferienhotellerie auch mittelständische Unternehmen und private Hoteliers noch gute Chancen, ihre individuellen Produkte auf dem Markt zu platzieren. In den Städten bestimmen die Konzerne inzwischen auch an B- und C-Standorten den Markt und setzen damit kleinere Anbieter unter Druck. Aber gerade an den deutschen Küsten gibt es etliche Beispiele gelungener Projektentwicklungen von Privatinvestoren. Hier haben die Hoteliers ihrer Kreativität freien Lauf gelassen – mit Erfolg!

Oft fehlt bezahlbarer Wohnraum

Trotz aller positiven Aspekte stehen wir auch im Ferienbereich vor großen Herausforderungen, vor allem in der Rekrutierung von Mitarbeitern. Der Fachkräftemangel verschont auch die Urlaubsdestinationen nicht. Da braucht es in den kommenden Jahren kluge Strategien. An manchen Orten haben Privathoteliers schon das Handtuch geworfen und ihren Betrieb geschlossen. Dazu kommt das Phänomen, dass es außerhalb der Saison längere Schließphasen gibt und Mitarbeiter nach einer Saison wieder abwandern.

Viele würden gern am Meer oder in den Bergen arbeiten, aber es mangelt oft an bezahlbarem Wohnraum. An diesen hochpreisigen Standorten müssen wir unsere Mitarbeiter unterstützen, gegebenenfalls sogar für Wohnraum sorgen. Oder eine weitere Schwierigkeit: Die für den Urlaub so traumhaften Destinationen sind schwer erreichbar. Nehmen wir das Beispiel nordfriesische Inseln, von wo aus jede Fahrt eines Hotelmitarbeiters zu seiner Familie auf dem Festland zum aufwändigen Unterfangen wird. Auch hier ist die Branche und sind vor allem wir Hoteliers gefordert, geeignete Strategien zu entwickeln, um die Mitarbeiter vor allem langfristig an das Unternehmen zu binden. Schließlich sollen auch unsere Mitarbeiter, die unseren Feriengästen diese kostbaren Wochen verschönern, in ihrer Balance bleiben.

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