Deutscher Hotelkongress: "Festbeißen wie ein ...
Deutscher Hotelkongress

"Festbeißen wie ein Terrier am Hosenbein"

Thomas Fedra
Diskussion: Was bringt es, sein eigener Chef zu sein?
Diskussion: Was bringt es, sein eigener Chef zu sein?

Warum lohnt es sich, sein eigener Chef zu sein? Barbara Jaeschke vom Hotel Oderberger bringt es auf den Punkt.

BERLIN. Fachfremd, innovativ, mutig: Das sind oft die Gemeinsamkeiten von Jungunternehmern. So auch bei den Teilnehmern der Podiumsdiskussion "Jungunternehmer - warum es sich lohnt sein eigener Chef zu sein" beim Deutschen Hotelkongress im Intercontinental Hotel Berlin. Ebenso eint sie Experimentierfreudigkeit und Durchhaltevermögen, eigene Projekte auch bei schwierigen Rahmenbedingungen durchzusetzen. "Ich war wie ein Terrier, der sich in ein Hosenbein verbeißt", erzählt Barbara Jaeschke, Managing Director des Hotel Oderberger. Anfang 2005 kaufte sie eine ehemalige Schule im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg und renovierte diese. 2011 folgte das Stadtbad Oderberger Straße, das im Januar 2016 als Hotel Oderberger Berlin wiedereröffnet wurde. Eine Mischung aus öffentlichem Ort, Eventlocation und eben Hotel. Die Bauphase dauerte zwei Jahre länger als geplant - ein großes Ärgernis, aber kein Hindernis. Heute hat sie ein Hotelkonzept, das einzigartig ist und sich kaum kopieren lässt. Das bringt Gäste, Aufmerksamkeit im Netz erregt und ein absolutes Alleinstellungsmerkmal am umkämpften Berliner Hotelmarkt.

Die Macher von The Flushing Meadows, ein Hotel mit nur 11 Zimmern und einer angesagten spektakulären Rooftop-Bar im Münchner Glockenbachviertel sind Architekten. So hatten sie den Anspruch, ihre 11 Zimmereinheiten in Größe und Ausstattung völlig unterschiedlich zu gestalten. "Das würde natürlich kein normaler Hoterlier tun", weiß Arnold Jaeger, einer der Geschäftsführer des Unternehmen Arnold Jaeger Werner Hotellerie und Gastronomie mit insgesamt fünf Gastronomien und dem The Flushing Meadow Hotel in München. Es sei auch eine Herausforderung, nach einem ansprechenden Produkt mit viel Design dazu die professionellen Strukturen zu entwickeln. Doch der Erfolg gibt ihm Recht: Gäste nehmen das Boutiquehotelkonzept, das auch zu Designhotels gehört, rege an. Zudem liegt ein besonderer Fokus auf Rooftop-Bar, die für enormen Bekanntheitsgrad sorgt. "Die Bar ist ein Hotspot, in der man auch schlafen kann", resümiert Steffen Weber, ebenfalls Geschäftsführer.

Aufmerksamkeit erregen indiviudelle Konzepte dann auch im Web, auch wenn sie selbst im Bereich Social Media noch gar nicht aktiv sind. Verena Jaeschke, Tochter von Barbara Jaeschke, sagt: "Wir haben den Nachholbedarf gesehen und werden nachziehen." Feedback von den Gästen kommt zum einen über Bewertungen, zum anderen über Posts in diversen Kanälen. "Die Auswahl einer Location aufgrund ansprechenden Contents bei Instagram oder Pinterest wird interessanter", bestätigt Johannes Fritz Groebler, General Manager der Hotels Syte Mannheim, Staytion Mannheim und Suytes Heidelberg. Der Sales-Experte hat neben individueller lässiger urbaner Ausstattung auch den regionalen Bezug gesucht, um nicht nur Gäste, sondern auch eine Community am Standort zu generieren. "Im Syte Hotel Mannheim spiegeln wir die Musik wieder - Stichwort Söhne Mannheims und konzentrieren uns passend zur Stadt auf Industrial Style", so Groebler. Nicht nur für Gäste - denn Mannheim ist kein touristischer Hotspot, sondern auch für die Bevölkerung. Hineingezogen werden sollen sie über eine ansprechende, unkomplizierte Gastronomie. Die individuelle Mischung spricht den Gast direkt an - passend zum y in jedem Unternehmensname und Abkürzung für "you".

Auch kurze Reaktionswege ist ein Vorteil kleiner flexibler Unternehmen. Sei es bei Bewertungen im Netz oder bei persönlichen Beschwerden. Jaeschke: "Ich weiß auch immer, wer Schuld ist." Die Chefin genießt es geradezu, Schwachstellen offen aufzudecken, Verantwortung zu übernehmen und das Angebot zu verbessern.

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