Flutopfer: Nach der Flut: „Man braucht einen ...
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Nach der Flut: „Man braucht einen Fixpunkt“

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Wiederaufgestellt: Der Opferstock vor dem Hotel Ewerts in Insul, den die Flut umgerissen hatte
Wiederaufgestellt: Der Opferstock vor dem Hotel Ewerts in Insul, den die Flut umgerissen hatte

Drei Monate nach der Flutkatastrophe vom 14. auf den 15. Juli mit 133 Toten sind viele Häuser im Ahrtal abgerissen und große Teile der Dörfer nicht mehr zu erkennen. Hotelier Wolfgang Ewerts renoviert in Insul sein Hotel mit Restaurant, seinen eigenen Bungalow und ein Mietshaus.

„Es läuft, aber es braucht halt seine Zeit“, sagt er. Mit den beiden Häusern will er bis Weihnachten fertig sein. Seit der Flut wohnt er mit seiner Frau im Haus seiner gestorbenen Schwiegereltern im Nachbarort. Eigentlich hatte sich der 53-Jährige langsam ins Privatleben zurückziehen wollen, jetzt packt er jeden Tag beim Wiederaufbau seines Familienbetriebes mit an.


Im Erdgeschoss des Hotels ist inzwischen der Putz abgeschlagen, neue Fenster sind drin. Der älteste Teil des Gebäudekomplexes, sein Elternhaus, wurde wegen der Flutschäden nun doch abgerissen. Wo jetzt eine Lücke klafft, soll ein Gebäude mit vier Juniorsuiten und Aufzug entstehen, sagt Ewerts. Die neue hybride Heizung – statt wie bisher Öl – solle auch dort untergebracht werden. Ob das alles bis April klappt? „Das muss nächstes Jahr wieder laufen, sonst kriegen wir finanzielle Probleme“, sagt Ewerts. „Man braucht einen Fixpunkt.“

Kurz nach der Flut im Ahrtal: Hotelier Wolfgang Ewerts in der völlig zerstörten Küche seines Hotels am Ufer der Ahr
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Kurz nach der Flut im Ahrtal: Hotelier Wolfgang Ewerts in der völlig zerstörten Küche seines Hotels am Ufer der Ahr

Die Versicherung habe einen Abschlag für das Hotel bezahlt, aber wie weit der trägt? Für seinen Biergarten habe er 5000 Euro bekommen. „Das reicht nicht mal für die Bestuhlung.“ Und für die beiden Wohnhäuser hat er keine Elementarschadenversicherung. Er sieht beim Finanziellen überall noch viele Fragezeichen. „Wenn wir alles rumhaben, kann ich sagen, wie es finanziell gelaufen ist“, sagt Ewerts. „Wir sind ja zufrieden, wenn wir mit einem blauen Auge davonkommen.“

Drei Häuser direkt gegenüber auf der anderen Ahr-Seite mussten abgerissen werden. Sie gehörten zu den 34 im gesamten Ahrtal die wegen der Hochwassergefahr auf keinen Fall mehr aufgebaut werden dürfen. Ob ihn das beunruhigt? „Ich glaube nicht, dass es noch mal so ein Hochwasser gibt, oder wenn in 100 Jahren“, hofft er. Er verweist aber sogleich auf das Hochwasser in Italien, wo wenige Tage nach dem Starkregen an der Ahr noch mehr Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen seien.

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