Gastbeitrag: Hoteldirektor Tom Cudok: "So geh...
Gastbeitrag

Hoteldirektor Tom Cudok: "So geht Führung 2.0"

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Tom Cudok: "Teamwork ist ein abgenutztes Trendwort, über das sich nur noch wenige wirklich Gedanken machen"
Tom Cudok: "Teamwork ist ein abgenutztes Trendwort, über das sich nur noch wenige wirklich Gedanken machen"

Der Chef im Hotel Esplanade Resort & Spa Bad Saarow über Motivation, Verantwortung und Ellbogen – und wie wichtig es ist, gönnen zu können.

Wir lieben unsere Branche und das, was wir täglich tun dürfen – wenn Corona uns lässt! Jedes Lächeln unserer Gäste, jeder entspannte Moment, den wir ihnen schenken dürfen und jedes Kompliment, wenn sie sich in unseren Restaurants kulinarisch verwöhnen lassen, ist wahrer Balsam für unsere Seele. Wir bringen Menschen mit einer Magie zusammen, die Frieden und Freundschaft schafft. Als werteorientierte Wunscherfüller leben wir diese Magie auch in einem fairen Umgang mit unseren Partnern – und natürlich unter uns. Wir sind ein authentisches Team, ein bunter Mix aus unterschiedlichsten Persönlichkeiten.

Investieren in jeden einzelnen Mitarbeiter

Schon lange haben wir verstanden: Ein Wunscherfüller kann anderen nur wahre Freude schenken, wenn es auch ihm selbst gut geht. Deshalb pflegen wir eine Unternehmenskultur, die jeden Mitarbeiter individuell und mit Herzblut betreut. Seien es Weiterbildungen, Unterstützung der unterschiedlichsten Art auch im privaten Alltag, Vergünstigungen im Hotel selbst zur Unterstützung des Wohlbefindens oder vieles mehr. Wir investieren in jeden einzelnen Mitarbeiter. Nur so können wir mit dieser ehrlichen Freude für unsere Gäste sein, die sie von uns kennen.

Auf diese einzigartige Firmenkultur sind wir sehr stolz und wissen, dass die Atmosphäre, die wir dadurch kreieren, wichtig und etwas Außergewöhnliches ist. Besonders in den Zeiten der Abstinenz, die wir in diesem Jahr wegen Corona immer wieder haben, wurde uns dies einmal mehr bewusst – und das gesamte Team freut sich sehr, seine Leidenschaft endlich wieder ausüben zu dürfen.

Das haben Sie alles schon mal gehört? Klar haben Sie das. Denn das ist das, was 50 Prozent aller Hotels beziehungsweise auf Dienstleistungen ausgerichtete Unternehmen in Deutschland gern und zu Recht formulieren. Die anderen 50 Prozent dagegen haben sich sicher nicht mit einer Mission oder Philosophie beschäftigt, wenn man deren kurzfristige und nicht wirklich strategisch überdachten Aktionen oder besser gesagt: deren „Eintagsfliegen-Dasein“ beobachtet.

Jemandem mit einer Leistung dienen

Haben Sie sich mal gefragt, warum es so viele Neustarter schon kurze Zeit später nicht mehr gibt – und keine Antwort darauf gefunden? Haben Sie schon mal beobachtet, welche Diskussionen es auslöst, wenn Sie das Wort Dienstleistung als „jemandem mit einer Leistung dienen“ beschreiben und deshalb mitunter sogar als überholt bewertet werden? Haben Sie sich schon des Öfteren gefragt, warum es nicht immer so läuft, wie Sie es sich vorstellen – und sind bei der Beantwortung dieser Frage immer wieder auf eine Vielzahl an menschlichen Herausforderungen oder gar Problemen gestoßen? Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Sie ihr Job deshalb nervt?

Leider können viele Entscheider mit den Begriffen Qualität, Fairness, Wertschätzung und Persönlichkeit nicht viel anfangen. Gerade deshalb möchte ich es tun und all jenen einen Hinweis geben, die die oben gestellten Fragen für sich mit „Ja“ beantwortet haben. Lassen Sie auch jemanden anderen ran! Gönnen Sie es der nächsten Reihe, Verantwortung zu übernehmen und sich zu verwirklichen. Die, denen Sie ein hohes Potenzial attestieren, werden Sie nicht enttäuschen. Wir haben in unserer wundervollen Branche so viele erfrischende und talentierte Menschen, die gehört, verstanden und eingesetzt werden müssen. Qualifiziert sind sie längst – nicht zuletzt auch durch die zunehmende Akademisierung unseres Berufes. Dazulernen werden sie von Ihnen – und Sie von ihnen.

Vor allem stelle ich mir die Frage: Worum geht es eigentlich? Meine Antwort lautet: Nicht nur um mich und meine Würde, sondern um unser aller Würde. Es geht darum, sich und sein Team respektvoll gut zu führen – und es geht darum, gönnen zu können. Gerade auch in Krisenzeiten.

Sollte man nicht auch ohne Konvention ein bisschen mehr Nächstenliebe üben und auch die Vorteile darin sehen und nutzen? Unterm Strich ist das doch das Effektivste und Wirtschaftlichste für jedes Unternehmen. Teamwork ist ein abgenutztes Trendwort, über das sich nur noch wenige wirklich Gedanken machen. „Um Karriere zu machen, braucht man Ellenbogen“, mag der eine oder andere denken. Das ist durchaus korrekt, keine Frage. Doch sind durch ein großes Ego angetriebene Ellenbogen doch eher ein Hindernis für jeden Betrieb. Es folgen innerbetriebliche Auseinandersetzungen, nur damit ein Individuum seinem Ego schmeicheln kann. Muss das sein?

Es geht um Würde, Respekt und Großmut

Das Hochkämpfen auf der Karriereleiter hat leider viel zu oft nicht nur etwas mit „Können“ zu tun. Umso großartiger ist es, zu sehen, dass neben all diesen „traditionellen“ Führungskräften auch diejenigen existieren, die sich längst der menschlicheren Bedeutung von Ellenbogen und Durchsetzungsvermögen gewidmet haben und damit um einiges erfolgreicher sind: Sie können gönnen und gönnen Können!

Ich bin stolz, sagen zu können: Ich bin ein cooler Chef – eines coolen Teams! Ich liebe meinen Beruf. Ich habe eine Philosophie, eine Mission und eine Vision, ich höre und sehe hin, ich bin kreativ und löse, ich lache und weine, ich provoziere, kämpfe und verteidige. Klingt arrogant oder selbstbewusst? Sicher sind hier die Übergänge fließend. Aber nur wenn ich all das bin und tue, kann ich Dienstleister und Partner für mein Team sein.

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