Gastbeitrag: Karina-Anna Dörschel: "Quereinst...
Gastbeitrag

Karina-Anna Dörschel: "Quereinsteiger sind erste Wahl"

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Karina-Anna Dörschel: "Hauptsache, wir werden alle agiler, lassen das Silo- und Hierarchie-Denken endlich weit hinter uns"
Karina-Anna Dörschel: "Hauptsache, wir werden alle agiler, lassen das Silo- und Hierarchie-Denken endlich weit hinter uns"

Die Geschäftsführerin der Sonnenhotels macht sich Gedanken über die Mitarbeitertypen der Nach-Corona-Ära. Sie empfiehlt eine offenere Haltung beim Recruiting.

Wir werden alle in unserer Branche ein Stück weit andere sein, wenn wir in diesen Tagen endlich wieder einige unserer Häuser öffnen dürfen, gezeichnet vom kräftezehrenden Kampf ums Weitermachen können und von der Dauer-Kurzarbeit in den Teams. Unsere aller Teams werden andere sein: Dezimiert, neu aufgestockt und gemischt, mit Achterbahn-Emotionen behaftet. Denn das, was wir in der Hotellerie als Arbeitgeber stets bei immer noch zu geringen allgemeinen Gehältern versprechen konnten – einen krisensicheren Job, mannigfaltige Perspektiven und der direkte Kontakt zu Menschen – all das haben wir in der Krise nicht mehr einlösen können.

Öffnen in jeder Hinsicht – um arbeitsfähig zu bleiben

Wir müssen deshalb nun alle zusammen endlich umsetzen, was wir seit Jahren halbherzig bekunden: uns ganz weit öffnen, um als spannend und relevant wahrgenommen zu werden und um im Ergebnis genug Mitstreiter zu finden, damit wir überhaupt arbeitsfähig bleiben.

Seit Jahren reden wir davon, dem Fachkräftemangel mit mehr Quereinsteigern entgegenzuwirken – und verkaufen uns selbst diesen Weg nur als zweite Wahl. Denn nur der 30-Jährige aus unserem Hotelstall mit gefühlten 25 Jahren Berufserfahrung im gleichen Segment und in der gleichen Abteilung – am besten ohne „Millenial-Allüren“ – ist für uns am besten. Wir denken oft, dass andere Hotel nicht können, verschanzen uns hinter unseren Hierarchien und Berufsleitern und wundern uns, dass sich im Umkehrschluss zu wenige für uns interessieren.

Dabei sind wir spannend, das wissen wir. Und der Profi – und nicht Quereinsteiger zweiter Wahl – etwas aus den Bereichen Marketing, Buchhaltung, Guest Relation, Hygiene, kann bei uns die Erfüllung finden, die ihm andere Branchen bisher nicht geboten haben. Und vor allem kann er uns, fern von Scheuklappen, noch besser und professioneller machen.

„Techie“ als Gastgeber, Spa-Manager als HR-Profi

Bei den Sonnenhotels macht uns gerade zum Beispiel Ilija Evic besser. Der studierte Betriebswirt hatte vor über zehn Jahren ein Bauunternehmen, später ein Digital-Start-up. Zwischendrin hatte er immer wieder im Service gejobbt, wurde schnell F&B-Manager und war zuletzt Direktor eines Hotels in Tirol. Seit Oktober 2020 ist er ohne Hotelausbildung unser Gastgeber im Sonnenhotel Fürstenbauer in Bodenmais und hat im Lockdown unsere neue Akademie mit seiner Digitalexpertise mit programmiert. Gerade führen wir auch seine selbst entwickelte Concierge-App Maic in zwei Häusern ein. Für diese kann er weiter nebenher als Unternehmer aktiv sein, weil wir ihm vertrauen und er sich bei uns verwirklichen soll.

Auch Anja Appel zeigt uns, was bei uns quer einsteigen bedeuten kann: 2018 arbeitete sie noch als Spa-Manager im Sonnenresort Ettershaus in Bad Harzburg. Jetzt ist sie in unserer Zentrale in Goslar als Teamassistentin Personal & Operative Hotelführung eine unverzichtbare HR-Schnittstelle und animiert unsere Mitarbeiter dazu, sich bei uns, wenn sie wollen, neu zu erfinden. Oder Denise Bleschke: Der Pflegebereich war ihr Traumarbeitsplatz, bis ihr die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung machte. Seit August 2020 schult die 37-Jährige bei uns in der Zentrale zur Kauffrau für Büromanagement um und begeistert uns mit ihrer Service-Haltung und Offenheit, so als wenn sie immer bei uns gearbeitet hätte. Haltung hat man eben oder nicht, Fachwissen kann man erlernen.

Neue Job-Descriptions werden dringend gesucht

In den letzten Corona-Monaten haben wir also, wie alle, Mitarbeiter verloren, aber ebenso neue aus anderen Welten hinzugewinnen können – auch weil wir selbst im Corona-Ausnahmezustand agierten und einfach offen waren. Aber wir wollen dies bei den Sonnenhotels natürlich weiter ausbauen. Und ich bin zuversichtlich, dass hier auch das neue Interesse an der Ferienhotellerie spannende, neue Mitstreiter aus den verschiedensten Welten anziehen kann. Aber dafür müssen wir alle auch unsere Job-Descriptions ändern, sie auf die coronabedingten Turbo-Boosts von New Work, Digitalisierung und Konnektivität abstellen. Typen für uns gewinnen – und sie dann begeistert in unseren Betrieben halten.

Uns hilft bei den Sonnenhotels seit 2020, mitten in der Pandemie, die sogenannte OKR-Methode: Dadurch gibt es bei uns im Unternehmen verschiedene Gestalter-Teams aus allen Abteilungen und Ebenen, die uns im Management auch überstimmen können und so wirklich neue Wege ermöglichen – immer passend zu unseren Zielen und Werten. Aber welche Methode auch immer wir wählen, Hauptsache, wir werden alle agiler, lassen das Silo- und Hierarchie-Denken endlich weit hinter uns. Denn nur wenn wir uns öffnen, bekommen wir auch die Fachkräfte, die uns in die Zukunft tragen können.

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