Gastbeitrag: Petra Zahrt: "Horizonte vor der ...
Gastbeitrag

Petra Zahrt: "Horizonte vor der Haustür"

Unternehmen
Petra Zahrt: "Als touristische Leistungsträger müssen wir uns Fragen stellen: Was können wir besonders gut? Wer könnte zu uns passen? Welche Ressourcen haben wir?"
Petra Zahrt: "Als touristische Leistungsträger müssen wir uns Fragen stellen: Was können wir besonders gut? Wer könnte zu uns passen? Welche Ressourcen haben wir?"

Die PR-Beraterin und Chefin der zahrts media group schreibt über Kooperationen, Krisen und die Erkenntnis, dass es nicht immer 25 Wasserrutschen sein müssen.

“Wir sind nur so stark, wie wir vereint sind und so schwach, wie wir getrennt sind.” Ist, was die Bestsellerautorin Joanne K. Rowling den Schulleiter von Hogwarts in "Harry Potter" sagen lässt, auch eine Empfehlung, ein Impuls für Hotellerie und Tourismus? Gerade jetzt, wo sich der Markt in einer verheerenden Situation befindet?

Oder ist Kooperation schon längst ein Kennzeichen und klares Bekenntnis der Branche? Zu Beginn und im Laufe dieser Pandemie hörte und las man viel: Darüber, dass Corona die Menschen zusammenrücken lässt und dass es trotz Abstand mehr Mit- als Gegeneinander geben werde. Ist also auch die Kooperationsbereitschaft gestiegen? Gibt es heute mehr Bündnisse als vor einem Jahr?

Was will ich erreichen? Wer passt zu mir?

Die Antwort darauf ist jedenfalls keine Kurve in einem Diagramm. Zu abstrakt, zu wenig lebendig. Entsteht Kooperation nicht ohnehin aus dem Antrieb heraus, sich weiterzuentwickeln, Dinge zu optimieren? Und wenn Corona endlich geschafft ist, bleibt Kooperation nicht an sich weiter spannend? Welche Märkte will ich erschließen? Welche neuen Produkte anbieten? Was will ich erreichen? Wer passt zu mir?

Ein „Evergreen-Thema“ nennt Tourismus-Professor Harald Pechlaner von der Universität Eichstätt die Partnersuche und -findung - „so alt wie der Tourismus selbst“: „Zwei oder mehrere Partner haben einen Vorteil dadurch, etwas gemeinsam zu machen, was sie alleine nicht schaffen.“ Quid pro quo, dies für das, also eine Gegenleistung für den eigenen Einsatz, ist grundsätzliches Prinzip für kooperatives Verhalten - im Kleinen wie im Großen.

Vertikal kooperieren, an Höhe und Weite gewinnen

Soweit die nüchterne Definition, dahinter bleibt's unterhaltsam. Denn, so Harald Pechlaner: Wenn „komplementäre Kompetenzen zusammenkommen“ und die Chance auf etwas Einzigartiges steigt, wachsen auch die Chancen auf Erfolg: Etwas mehr Mut brauche es, „aus der Kiste der reinen Marketingkooperationen auszubrechen“, tiefer in die Produkte zu gehen und Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln. Vertikal kooperieren, an Höhe und Weite gewinnen.

„Eine Kooperation ist eine Botschaft“, so Pechlaner, „sie kann auch aus der Not heraus entstehen und muss deshalb keine Schwäche sein.“ „Krisen erzeugen Druck“, geteiltes Leid ist halbes Leid“, „keine Angst vor Imitation“. Lauter Binsen? Jedenfalls welche mit Kern. Führen solche Weisheiten doch zum glatten Schilfrohr und von dort sehr straight zur lateinischen Redewendung. Auf der „Suche nach Knoten an der Binse“ findet sich möglicherweise doch noch ein spannender Aufhänger?

Experiences, Erlebnisse, Erfahrungen

Carolin Steinhauser ist Professorin für Tourismus und Hotelmanagement an der Fresenius Hochschule München. Und: Sie leitet in zweiter Generation das 4-Sterne-Hotel Bayerischer Hof in Dresden, Mitglied bei Greenline und darüber hinaus vielseitig vernetzt: Tesla gehört ebenso zu ihren Partnern wie ein Dresdner Schmuck-Label, ein Shuttle-Service und regionale Lebensmittel-Erzeuger. Nicht „der singuläre Hotel-Aufenthalt“ zähle, sondern „Experiences, Erlebnisse, Erfahrungen als ganzheitliches Erlebnis“ - künftig noch mehr als vor Corona.

Aber Letzteres muss keinesfalls gewaltig sein, ausufernd, exorbitant: „Im Gegenteil, es müssen nicht 25 Wasserrutschen sein.“ Downsizing könnte ein Thema bleiben, andererseits: „Werden wir in einem halben Jahr immer noch dankbar sein, einfach mit Freunden zum Essen ins Restaurant gehen zu dürfen?“

Kooperationen können neue Wege aufzeigen

Wettbewerbsfähigkeit ist kein exklusives, aber eben auch ein Krisenthema. Kooperationen können neue Wege aufzeigen - die nicht selten vor der eigenen Haustür liegen. Als touristische Leistungsträger müssen wir uns solche Fragen stellen: „Was können wir besonders gut?“, „Wer könnte zu uns passen?“, „Welche Ressourcen haben wir?“

Carolin Steinhauser wünscht sich mehr Kooperationen zwischen Hotels und Hochschulen. Damit Praxis und Wissenschaft im Tourismus sich enger verzahnen, gegenseitig mehr inspirieren. Auch in meinem Bereich verdichtet sich eine Ahnung: Klassische Kommunikationskanäle bewähren sich, aber da geht noch was! Meine Kontakte zu SEO- und Linkbuilding-Spezialisten werde ich ausbauen. Suchmaschinen-Optimierung und PR - das passt. Vertikal, und dabei auf Augenhöhe. Immer nach dem Motto: „Nicht versuchen! Tu es oder tu es nicht!"

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