Privathotellerie: Empire Riverside und Hotel ...
Privathotellerie

Empire Riverside und Hotel Hafen Hamburg mit gutem ersten Halbjahr

Hotel Hafen Hamburg
Tatkräftig und vorausschauend: Enrico Ungermann
Tatkräftig und vorausschauend: Enrico Ungermann

Seit Jahresanfang herrscht in der Hansestadt ein starker Aufwärtstrend. Das Tourismusgeschäft in Hamburg hat das Vor-Corona-Niveau fast erreicht.

 Wie das Statistikamt Nord meldet, wurde im Mai mit 1.393.147 Übernachtungen bei einer durchschnittlichen Verweildauer von zwei Tagen nahezu an die hohen Übernachtungszahlen von 2019 mit 1.396.583 Buchungen angeknüpft werden. Zum Vergleich: Im Januar 2022 beliefen sich die Zahlen noch auf 531.356 Übernachtungen im Gegensatz zu 845.497 im Januar 2019. Trotz der positiven Entwicklungen ist eine verlässliche Prognose für das zweite Halbjahr nur schwer zu treffen – Fachkräftemangel, steigende Energiekosten sowie die Gefahr neuer Corona-Maßnahmen in der kalten Jahreszeit stellen die Hotellerie und Gastronomie vor weitere Herausforderungen.

Enrico Ungermann, Direktor des Traditionshauses Hotel Hafen Hamburg sowie des Design- und Lifestyle Hotels Empire Riverside Hotel im Hamburger Stadtteil St. Pauli, zeigt sich dennoch vorsichtig optimistisch. Er blickt zurück auf die letzten Monate zurück, teilt Einschätzungen zu den Trends der Branche, verrät, welche Visionen er für seine Häuser hat und wie er potenziellen Problemen in Zukunft begegnen will. Enrico Ungermann über ... 



... die Stimmung in der Hotellerie
Das Jahr 2022 startete für uns zunächst durchwachsen und war noch immer stark durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie deren Reglementierungen geprägt. Die Hotellerie hat im Hinblick auf die Personalsituation am Markt immer noch stark zu kämpfen. Insgesamt hat die Hotelbranche seit der Aufhebung der strengen Corona-Maßnahmen jedoch an Optimismus zurückgewonnen, obwohl die Folgen der Pandemie den Tourismus in Deutschland nachhaltig signifikant verändert und beeinflusst haben.

 ... Auslastung und Zielgruppen 
Geprägt durch die Beschränkungen im ersten Quartal sind unsere Auslastungszahlen für das erste Halbjahr insgesamt noch nicht auf dem vergleichbaren Niveau von 2019. So lagen bis zum Ende des zweiten Quartals die durchschnittlichen Raten des Hotel Hafen Hamburg bei rund 66 Prozent und im Empire Riverside Hotel bei rund 70 Prozent. Seit April konnten wir jedoch eine konstant steigende Gäste-Nachfrage für beide Hotels verzeichnen, welche bis heute anhält. Bei den Durchschnittsraten haben wir mittlerweile in beiden Häusern eine Erhöhung im zweistelligen Bereich erzielt. Dabei haben festgestellt, dass es eine Verschiebung der Zielgruppen gibt. So ist die Buchung im Leisure-Bereich deutlich ausgeprägter als zuvor. Dies trifft vor allem für das Hotel Hafen Hamburg zu, das inzwischen auch sehr stark durch Familien frequentiert wird. Im Gegensatz dazu ist im Empire Riverside Hotel nach wie vor eine hohe Nachfrage durch Business-Reisende vorhanden.

 ... Herausforderungen nach dem Wegfall der Corona-Beschränkungen
Eine der größten Herausforderungen bestand darin, die Teams nach den langen Einschränkungen wieder zurückzuführen und zeitgleich neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu integrieren. Hinzu kamen neue Konzeptlinien, welche im gleichen Zuge implementiert wurden. Hier war es besonders wichtig, stets transparent zu kommunizieren. Zu diesen Konzeptlinien gehörten beispielsweise die vollständige Renovierung des Restaurant Port sowie die damit verbundene Neugestaltung und Ausrichtung der Menükarten. Gleiche Neuauslegungen fanden im Restaurant waterkant und der David's Bar statt. Im gleichen Atemzug haben wir das Mitarbeiterrestaurant vollständig neu gestaltet und qualitativ auf ein hochwertigeres Level gesetzt. Parallel haben wir Schulungen und Weiterbildungen angeboten, um unsere Teams in die (Änderungs-)Prozesse einzubinden.

... den Personalmangel im Gastgewerbe
Die Personalsituation lässt sich nicht flächendeckend miteinander vergleichen. Es gibt Bereiche wie die Front-Office- und F&B-Positionen, die von einer höheren Fluktuation betroffen waren und solche, die auch während der Corona-Einschränkungen stabil blieben. Erfreulich ist, dass wir anlässlich des Ausbildungsstarts im August gleich sieben neue Azubis in der Verwaltung sowie der Gastronomie bei uns begrüßen durften.

... attraktive Arbeitsplätze in der Branche 
Die Hotellerie ist dabei, sich deutlich zu Gunsten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verändern. Leider wird dies nicht oft in den Fokus gerückt, weshalb noch immer ein eher negativer Eindruck verbreitet ist. Wir würden uns daher sehr wünschen, dass die Vorzüge dieser Dienstleistungsbranche mit all ihren schönen Facetten mehr in den Mittelpunkt gestellt würden, um so insbesondere junge Menschen nachhaltig für diesen Bereich zu begeistern. Wir freuen uns, Aspekte wie externe Weiterbildungsmöglichkeiten, betriebliche Altersvorsorge sowie überdurchschnittliche Sonn- und Feiertagszuschläge in beiden Häusern bereits als feste Bestandteile integriert zu haben. 

... die veränderten Bedürfnisse der Reisenden 
Zu Beginn haben wir einen deutlichen Anstieg im Hinblick auf das  allgemeine Hygiene- und Sicherheitsgefühl wahrgenommen. Dieses hat sich jedoch zwischenzeitlich wieder relativiert. Aufgrund der gesammelten Erfahrungen gehen wir davon aus, dass für Reisende eine maximale Flexibilität hinsichtlich der Buchungs- und Stornierungsmöglichkeiten sehr bedeutsam ist. Das kurzfristige Buchungsverhalten stellt heutzutage bereits einen elementaren Aspekt bei der Hotelauswahl dar. Dieses Buchungsbedürfnis wird daher in Zukunft unabdingbar am Hotelmarkt werden. Das ist jedoch mit einer personellen und administrativen Herausforderung verbunden, die es zu bewältigen gilt.

 ... das Thema Digitalisierung 
Digitalisierung stellt für beide Hotels eine sehr wichtige und zukunftsorientierte Komponente dar. Unser Bestreben besteht darin, dass wir durch die stetige Weiterentwicklung von digitalem Know-how eine optimale Customer-Journey für unsere Gäste etablieren. Damit sollen auch unsere Teams bestmöglich durch modernste Technologien in ihrem täglichen Arbeitsprozess unterstützt und entlastet werden. Positive Erfahrungen sammeln wir diesbezüglich bereits mit unseren digitalen Check-in-Möglichkeiten.

... zweite Halbjahr 2022 
Wir erwarten beziehunngsweise hoffen, dass sowohl der Corporate-Bereich als auch das Mice-Segment weiterhin Bestand haben und wachsen werden und es nicht zu erneuten Einbrüchen oder starken Rückgängen kommt – sei es durch erneute Corona-Beschränkungen oder als Folge der Rezession. Es ist daher zu hoffen, dass die allgemein herrschende Unsicherheit in Deutschland nicht weiter zunimmt und sich erneut negativ auf das Reiseverhalten der Menschen auswirkt. Einen nächsten Lockdown würde die Hospitality-Branche meines Erachtens nicht verkraften. Die Folgen wären zu gravierend, um diese - auch temporär - wieder aufzufangen.

... Pläne für seine Häuser
Trotz des aktuellen Hochgefühls werden Herbst und Winter von weiteren Herausforderungen geprägt sein, denen auch wir uns stellen müssen. Allgemein fokussieren sich unsere Pläne zunächst auf die Schärfung der bereits bestehenden Marken sowie der Erschließung von neuen Quellmärkten beziehungsweise neuen Zielgruppen. Eine unserer priorisierten Visionen ist der Ausbau der drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökologie, Ökonomie und Soziologie. Diese Werte werden nicht nur intern für uns immer relevanter, sondern auch unsere Gäste wollen nachhaltiger und bewusster reisen.

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