Zum 25. Mal:: Hotel Bareiss feiert französisc...
Zum 25. Mal:

Hotel Bareiss feiert französischen Nationalfeiertag

Rolf Westermann/AHGZ
Ansprache auf Französisch: Hotelier Hermann Bareiss
Ansprache auf Französisch: Hotelier Hermann Bareiss

Zusammenhalt in schwierigen Zeiten: Das „Déjeuner Amical Franco-Allemand“ im Hotel Bareiss in Baiersbronn.

Baiersbronn. Das Hotel Bareiss im Nordschwarzwald hat erneut ein Zeichen für die deutsch-französische Freundschaft gesetzt. Am Sonntag lud Hotelier Hermann Bareiss bereits zum 25. Mal zum Empfang mit Festakt anlässlich des französischen Nationalfeiertags in den Kurpark von Baiersbronn-Mitteltal. In Frankreich wird am 14. Juli groß gefeiert und an den Volksaufstand von 1789 mit dem Sturm auf die Bastille erinnert. In seiner in französisch gehaltenen Festrede vor rund 400 Gästen sagte Bareiss, für ihn als Gastgeber sei es in diesen weltweit schwierigen Zeiten umso wichtiger, den europäischen Zusammenhalt zu pflegen und gegen Egoismen und Populismus einzutreten. Der Mitteltaler Franzosentag sei zu einer Tradition gelebter deutsch-französischen Freundschaft geworden.

Der ehemalige Verfassungsrichter Prof. Paul Kirchhof unterstrich: „Was in Frankreich begann, wurde ein gemeinsames Erbe.“ Der Dreiklang aus Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechten habe sich seit der französischen Revolution weltweit verbreitet. Doch nun gebe es Risiken und in einigen Ländern Tendenzen gegen den Rechtsstaat. 

Hermann Bareiss (75) hat aus dem einstmals beschaulichen Kurhotel Mitteltal ein führendes 5-Sterne superior Familien- und Gourmethotel mit 130 Zimmern und rund 270 festen Mitarbeitern gemacht. 2007 erhielt Küchenchef Claus-Peter Lumpp im Gourmetrestaurant erstmals drei Michelin-Sterne und hält sie bis heute. Die Auslastung des Hotels liegt bei rund 90 Prozent. Dabei war es nicht von vornherein klar, dass er das Hotel seiner Mutter Hermine übernehmen würde. Sein Vater war 1945 im Krieg gefallen. Hermann Bareiss verbrachte mehrere Jahre im Ausland und wurde schließlich Direktionsassistent im berühmten Hotel Bachmair am See in Rottach-Egern. Es war ein Leben, das er sehr mochte, als ihn 1966 ein Anruf seiner Mutter ereilte, die nur zwei Sätze sagte: „Entweder Du kommst nach Hause. Oder ich verkaufe das Hotel.“ Dann habe sie aufgelegt, erinnert er sich. Schließlich kehrte er im selben Jahr zurück.

Das Hotel wird ständig weiterentwickelt. Für die Sanierung des 1789 erbauten Morlokhofs erhielt Bareiss 2008 den Denkmalschutzpreis. 2017 kam der Forellenhof im Landschaftsschutzgebiet Buhlbach hinzu. Die 713 Meter hoch gelegene Hütte Sattelei bietet Wanderern Erholung bei Speisen und Getränken. In diesem Jahr hat das Ferienresort für mehrere Millionen Euro seinen Küchen- und Mitarbeiterbereich erneuert. Es war die bisher größte Einzelinvestition in der Geschichte. Derzeit entsteht eine neue Küchenwelt, in der Kochseminare und Küchenpartys abgehalten werden können.

Nach vielen Ehrungen – etwa 1997 als Hotelier des Jahres der AHGZ – erhielt Bareiss im September 2017 den Rumohr-Ring, zusammen mit Jahrhundertkoch Eckart Witzigmann. Der Preis erinnert an den großen deutschen Kunsthistoriker, Schriftsteller, Maler und Gastrosophen Carl Friedrich von Rumohr (1785 bis 1843). Es ist eine der höchsten Auszeichnungen der Branche. Die Gastronomische Akademie Deutschlands (GAD) verleiht den Preis seit 1965 in unregelmäßigen Abständen an Persönlichkeiten für besondere Verdienste um die Kochkunst sowie die Hotel-, Tafel- und Weinkultur.

Bareiss gilt als Visionär und hat die gesamte Branche nachhaltig beeinflusst. Durch sein Ausbildungskonzept, vor allem aber mit den gut zwanzig Mitteltaler Tafelrunden, bei denen er Spitzenleute aus Küche und Hotellerie mit Journalisten zusammenbrachte. So sensibilisierte er die Medien für die feine Küche und lehrte als großartiger Gastgeber, dass wirklicher Genuss keine Sünde sein kann.

Er kann auch auf einen gelungenen Generationswechsel blicken: Sein Sohn Hannes ist Co-Geschäftsführer und führt das Hotel operativ seit drei Jahren. 2009 kam er von seinen weltweiten Ausbildungsstationen nach Baiersbronn zurück. Und die vierte Bareiss-Generation ist auch schon da: Mit seiner Frau Britta hat Hannes Bareiss zwei Kinder. rw

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