Jahresrückblick 2016: Hotellerie mit Rückenwi...
Jahresrückblick 2016

Hotellerie mit Rückenwind ins neue Jahr

Die deutschen Hoteliers haben ein erfolgreiches Jahr hinter sich: Auslastung, Zimmerpreis und RevPar sind im Vorjahres-Vergleich im Plus. Auch die Aussichten für das erste Quartal sind gut.

Berlin. Die Hotellerie in Deutschland hat im vergangenen Jahr bei allen wichtigen Kennziffern weiter zugelegt. Das zeigen die Daten, die Fairmas der AHGZ exklusiv zur Verfügung stellt und die Chefredakteur Rolf Westermann bei der Eröffnung des Deutschen Hotelkongresses im Hotel Interconti in Berlin präsentierte. „Unter dem Strich war es für die Hotels ein weiteres Rekordjahr, je nach Statistik das dritte oder siebte Jahr in Folge. Auch die Aussichten für 2017 sind trotz einiger Störfaktoren weitgehend positiv, die Luft wird aber dünner.“

Laut Fairmas stieg die Auslastung der Hotellerie 2016 geringfügig auf 71,5 Prozent, das waren 0,2 Prozentpunkte mehr als 2015 (siehe Tabelle unten). Die Durchschnittsrate überschritt erstmals die Marke von 100 Euro und lag bei 101,10 Euro pro Zimmer. Das ist eine Steigerung von 2,40 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Der RevPar, also der Erlös pro verfügbarem Zimmer, legte um 2,7 Prozent auf 72,30 Euro zu. Nach Angaben des Statistik-Portals Statista stieg 2016 die prognostizierte Umsatzerwartung der Hotellerie im Vergleich zum Vorjahr um 1 Mrd. Euro auf 27,3 Mrd. Euro. Für das laufende Jahr gehen die Statistiker von einem weiteren Umsatzanstieg von 1 Mrd. Euro aus.

Generell sind die Aussichten im ersten Quartal positiv. Laut Fairmas stieg der RevPar bundesweit im Januar 2017 im Vorjahresvergleich um 4,4 Prozent. Nach dem Trendbarometer liegt der RevPar im Februar um 3 Prozent über Vorjahresniveau und im März sogar um rund 11 Prozent, während im April ein Minus von fast 19 Prozent prognostiziert wird. Grund für die großen Ausschläge dürften die Osterferien sein, die 2016 im März waren und diesmal im April liegen. Das beeinflusst die Hotelbuchungen insbesondere in der von Fairmas erfassten Stadthotellerie.

Welche Standorte im vergangenen Jahr besonders gut oder besonders schlecht abschnitten, zeigt die Grafik oben. Spitzenreiter war demnach 2016 Lübeck, wo der RevPar im Vergleich zum Vorjahr um stolze 19,9 Prozent anzog. Verlierer war dagegen Baden-Baden, wo viele russische Gäste wegbleiben, seit im Zuge des Ukraine-Konflikts und der darauf folgenden Sanktionen Wirtschaft und Währung Russlands schwächeln.

Allerdings hat Baden-Baden mit über 130 Euro Netto-Durchschnittspreis immerhin die zweithöchste Rate in Deutschland. Nur Spitzenreiter München schnitt mit 131,60 Euro noch besser ab. Beim RevPar belegt Baden-Baden 2016 im deutschlandweiten Ranking mit 84,40 Euro den dritten Platz hinter München, das auf 99,90 Euro kommt, und der Hansestadt Hamburg mit 89,50 Euro.

Differenziert man nach den Hotelkategorien, so haben sich 2016 die 4-Sterne-Häuser besonders gut entwickelt. Ihr RevPar stieg um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die 3-Sterne-Hotellerie schlug sich mit einem RevPar-Zuwachs um 4,8 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich, während die 5-Sterne-Hotels nur um 0,6 Prozent zulegen konnten.

Wichtig für die Stadthotellerie ist stets auch das Geschäft mit Messen, Kongressen und Tagungen. Bei den Messestandorten schnitt zuletzt Köln besonders gut ab. Zwischen 2014 und 2016 beherbergte die Domstadt 15 der 100 umsatzträchtigsten deutschen Messen. Allein 2016 fanden zwölf der Top-73-Messen in Köln statt. Auf Platz zwei folgte 2016 als Messestandort Stuttgart mit zehn hochkarätigen Veranstaltungen, danach kam München mit neun Spitzenmessen.

Westermann resümierte beim Hotelkongerss: „Die Hotelkonjunktur in Deutschland verläuft robust. Der Anschlag in Berlin hat die Stimmung in Deutschland bisher nicht kippen können. Aber bei Weitem nicht alle Regionen können von der Aufwärtsentwicklung profitieren. Für einige Häuser könnte es mittelfristig durch das starke Zimmerwachstum enger werden.“ Auch in diesem Jahr wird viel investiert. Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Treugast dürften 2017 bundesweit rund 197 Hotels mit 27.700 Zimmern eröffnet werden. Allein in München wird sich der Markt laut Treugast um zirka 3600 Zimmer erweitern, in Hamburg um 3700 Zimmer.

In München eröffnet dieses Jahr etwa das erste Andaz von Hyatt in Deutschland sowie das 25hours The Royal Bavarian. In Hamburg starten das Luxushotel The Fontenay und das „Wohnzimmer“ Pierdrei, in Berlin kommen zwei riesige Motel-One-Häuser mit jeweils über 500 Zimmern hinzu sowie das burleske Boutique-Hotel Provocateur – um eine Auswahl zu nennen.

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