Hotelmarkt Berlin: Messegeschäft auf der Kipp...
Hotelmarkt Berlin

Messegeschäft auf der Kippe

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Touristenmagnet Berliner Dom: Im Sommer und Herbst erlebten die Hotels der Hauptstadt eine recht schnelle Erholung - unterm Strich bleibt aber ein Minus zum Vorjahr
Touristenmagnet Berliner Dom: Im Sommer und Herbst erlebten die Hotels der Hauptstadt eine recht schnelle Erholung - unterm Strich bleibt aber ein Minus zum Vorjahr

Die Hotels in Berlin meldeten im Herbst eine starke Erholung. Doch nun werden wieder Messen verschoben oder ganz abgesagt.

Das Jahr 2021, das sich allmählich dem Ende zuneigt, hat für die Hotellerie in Deutschland mit einem harten Lockdown über zirka fünf Monate schwierige Bedingungen mit sich gebracht. Auch die Hoffnung, nach der schnellen Entwicklung eines Impfstoffs rasch und dauerhaft in eine neue Normalität zurückzufinden, ist in den vergangenen Wochen geplatzt. Trotzdem hat 2021 gezeigt, dass die Nachfrage nach Reisen und damit Hotelübernachtungen auch in Corona-Zeiten vorhanden ist.

Kumulierte Zahlen im Minus, Herbst im Plus

Das zeigt sich selbst an den Zahlen für die Hauptstadt, die Fairmas und STR der ahgz exklusiv zur Verfügung gestellt haben. Zwar liegen die kumulierten Zahlen Ende Oktober im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch einmal leicht im Minus. Das illustriert aber auch die Aufholjagd, die der Tourismus gestartet hat, nachdem die Übernachtung von Freizeitreisenden wieder erlaubt war. Gerade die Hauptstadt war da ein Nachzügler und empfing erst im Juni wieder Gäste in den Hotels. Außerdem ist Berlin eben keine der klassischen Urlaubsdestinationen. Dass die Besucher im Sommer trotzdem kamen, zeigt die Zugkraft von Kunst, Kultur und weiteren städtischen Attributen. Das gibt auch anderen großen Städten eine Perspektive, deren Hotellerie wegen Corona besonders unter einer gesunkenen Nachfrage durch Geschäftsreisende leidet.

So betrug die durchschnittliche Belegung in Berlin bis Ende Oktober zwar nur 32,1 Prozent, sie lag damit aber nahezu gleichauf mit dem Vorjahreszeitraum (32,2%). Die Einbußen von 5,9 Prozent, die beim RevPar (Erlös pro verfügbarem Zimmer) vorhanden sind, sind nahezu vollständig auf die schwächeren Netto-Durchschnittspreise in diesem Jahr zurückzuführen. Diese gaben um 5,6 Prozent auf 81,90 Euro nach.

Zum Ende des Betrachtungszeitraums lagen die Kennzahlen jedoch deutlich über diesen Durchschnittswerten. So erreichte die Auslastung im August 62,1 Prozent, lag auch im September nur etwas niedriger und erzielte im Oktober sogar 67,5 Prozent. Auch im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat waren die Kennzahlen im Spätsommer und Herbst im Plus. Das ist wichtig, weil in beiden Jahren in diesem Zeitraum keine Reisebeschränkungen in Deutschland mehr galten, die Zahlen also recht gut vergleichbar sind. Als die Corona-Inzidenz noch relativ niedrig lag, waren die Menschen also schnell wieder bereit zu reisen.

Zum Vergleich die Entwicklung von 2019 zu 2020: Im ersten Corona-Jahr war die Belegung im Vergleich zum Vorjahr um 64 Prozent auf nur 28,4 Prozent im Gesamtjahr gesunken. Der RevPar brach im Durchschnitt des Jahres um 69 Prozent ein auf 24,40 Euro.

Fairmas und STR haben für eine Trendprognose Hoteliers nach ihren Erwartungen für Dezember 2021 sowie Januar und Februar 2022 befragt. Die dabei genannten hohen Steigerungsraten zum jeweiligen Vorjahresmonat, die einer Vervielfachung im Vergleich zum jeweiligen Vorjahrsmonats entsprechen. sind allerdings unter Vorbehalt zu betrachten. Das liegt einerseits daran, dass in den Vergleichsmonaten vor einem Jahr der zweite Lockdown galt und touristische Beherbergung komplett untersagt war. Die Bedingungen für die Hotellerie sind also nicht wirklich gut vergleichbar.

Entwicklung bei Corona stellt Prognose infrage

Andererseits ist zu berücksichtigen, dass sich die Corona-Lage und die damit verbundenen Regelungen derzeit überschlagen. Appelle designierter Minister der künftigen Bundesregierung, möglichst wenig zu reisen, und die Möglichkeit erneuter Kontaktbeschränkungen sowie Veranstaltungsabsagen machen deutlich, dass sich die Situation für die Hotellerie gerade wieder rapide verschlechtert.

Die Messe Berlin hat auf die aktuelle Corona-Situation reagiert, indem sie die Internationale Grüne Woche 2022 absagt und die Fruit Logistica verschiebt. Angesichts der vierten Corona-Welle und der damit einhergehenden Corona-Beschränkungen wird die Messegesellschaft im Januar und Februar 2022 keine eigenen Großveranstaltungen durchführen. Die Grüne Woche hätte vom 21. bis 30. Januar stattfinden sollen. Die Fruit Logistica wurde vom 9. bis 11. Februar auf den 5. bis 7. April 2022 verschoben.

Beide Veranstaltungen sind in ihren jeweiligen Branchen internationale Leitmessen mit globaler Bedeutung und markieren traditionell den Start in das Berliner Messejahr. Messechef Martin Ecknig telte mit, man wolle sich „auf die Zeit ab März vorbereiten, wenn die Welle dann abgeebbt sein wird“ und sich mit aller Kraft darauf konzentrieren, das Messejahr 2022 im Frühjahr mit der internationalen Tourismusmesse ITB Berlin zu starten.

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