Hotelmarkt: Saudi-Arabien boomt
Hotelmarkt

Saudi-Arabien boomt

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Riad: In der saudi-arabischen Metropole sollen besonders viele neue Hotels entstehen
Riad: In der saudi-arabischen Metropole sollen besonders viele neue Hotels entstehen

Das Land will sich dem internationalen Tourismus stärker öffnen und zugleich unabhängiger vom Erdöl machen. Das Ziel bis 2030 ist ehrgeizig.

Das Transformationsprogramm “Vision 2030“ von Saudi-Arabien hat sich hohe Ziele gesteckt. Mit ihm will sich das Land nicht nur vom Erdöl unabhängiger machen, sondern auch dem internationalen Tourismus stärker öffnen. Laut einem Report von Colliers hat das Tourismusministerium etwa 15 Mrd. Saudi Riyal (SAR) - das entspricht ca. 3,36 Mrd. Euro - für entsprechende Projekte bereitgestellt. Mit Finanzierungsvereinbarungen über lokale Banken sollen weitere 150 Mrd. SAR (rund 33,6 Mrd. Euro) fließen und den Tourismus pushen. Der Fonds soll so zur Verwirklichung der Tourismusziele der Vision 2030 beitragen. Das Ziel lautet: Bis 2030 soll der Tourismus bis zu 10 Prozent des jährlichen BIP ausmachen - dem gegenüber stehen bislang 3 Prozent im Jahr 2019.

100 Millionen Touristen pro Jahr bis zum Jahr 2030

In der Vergangenheit kamen primär religiöse Touristen und Geschäftsreisende aus dem Ausland nach Saudi-Arabien. Laut Erhebungen von Global Data könnte Saudi-Arabien unter normalen Bedingungen sein ehrgeiziges Ziel von 100 Mio. Touristen pro Jahr bis zum Jahr 2030 zu erreichen, was eine fast sechsfache Steigerung der Touristenankünfte in den nächsten elf Jahren bedeuten würde. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 haben 17 Mio. Touristen das Land besucht. 

Doch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie sind massiv und rücken das Ziel in weite Ferne. Global Data prognostiziert, dass die Zahl der internationalen Ankünfte in Saudi-Arabien bis zum Jahr 2024 rund 21 Mio. erreichen werde. "Eine Steigerung auf 100 Mio. bis zum Jahr 2030 bleibt unter den derzeitigen Bedingungen somit eine große Herausforderung", sagt Ben Cordwell, Travel and Tourism Analyst bei Global Data. Cordwell geht zwar davon aus, dass Saudi-Arabien wohl nicht zu einer dominanten Kraft auf dem Destinationsmarkt des Nahen Ostens werden wird.

Gleichwohl versucht das Land mit dem „Red Sea“-Project, sich als luxuriöses Reiseziel zu etablieren, das viele der Touristen anziehen könnte, die sonst nach Dubai reisen. Zu dieser Klientel zählen vorallem Reisende aus Großbritannien und China. Und die Hauptstadt Riad habe durchaus das Potenzial, sich als Premium-Luxusreiseziel zu etablieren und mit Dubai zu konkurrieren, ist sich Cordwell sicher.

Hotellerie - Erholung im Jahr 2021 erwartet

Die Analysten von Colliers gehen davon aus, dass sich die Hotellerie in der MENA-Region im kommenden Jahr erholen wird. Große Destinationen wie Dubai und Kairo dürften demnach die Erholung mit einer geschätzten Auslastung von 68 Prozent bzw. 65 Prozent anführen. Die größten Städte Saudi-Arabiens - Riad, Jeddah und Muscat - dürften demnach 2020 auf eine durchschnittliche Auslastung von 48 bis 56 Prozent gekommen sein. Nach vorläufigen Daten von STR vom Dezember 2020 lag die Auslastung in der Touristen-Destination Ras Al Khaimah per 30. November 2020 bei 52,5 Prozent.

Mehr als 73.000 Zimmer angestrebt

Aufgrund der verstärkten Investitionen in seinen Tourismussektor wird der Hotelmarkt in Saudi-Arabien in den kommenden Jahren weiter wachsen. „Saudi-Arabien ist nach wie vor ein Fokusmarkt für die IHG im Nahen Osten, sagt Pascal Gauvin, Managing Director, IMEA, von der IHG. Das Land stehe vor einer neuen Ära des Reisens, da es mit seiner Vision 2030 eine historische Phase des Wachstums und der Transformation durchlaufe. Obwohl die gegenwärtigen Umstände herausfordernd sind, glauben wir, dass die Hotellerie mittelfristig ein äußerst wichtiger Sektor im Königreich Saudi-Arabien sein wird, angetrieben von der steigenden Nachfrage an Geschäfts- und Urlaubsreisenden nach Saudi-Arabien“, betont IHG-Manager Gauvin.

70 Hotels in der 5-Sterne-Kategorie

Laut Tophotelprojects (Stand: Juli 2020) sollen in der nahen Zukunft 160 Hotels mit 73.325 Zimmer eröffnet werden. Wegen der Corona-Pandemie ist allerdings davon auszugehen, dass einzelne Projekte später fertiggestellt werden. Für 2021 sind demnach 34 Hotels mit 17.802 Zimmern und für 2022 weitere 19 Hotels mit 11.589 Zimmern anvisiert. Für 2023 wird mit der Fertigstellung von 67 Hotels mit ca. 31.000 Zimmern gerechnet. Von den geplanten insgesamt 160 neuen Hotels sollen 90 dem 4-Sterne-Segment und die übrigen 70 der 5-Sterne-Kategorie angehören. Laut Daten von STR aus dem Oktober 2020 befinden sich sogar 232 Hotels mit 75.337 Zimmer in der Pipeline.

Von den 160 Hotels sollen laut Tophotelprojects 44 Projekte mit 10.602 Zimmer in Riad entstehen, diese Destination sei zugleich auch der am schnellsten wachsende städtische Hotelmarkt des Landes. Dahinter rangieren Jeddah, wo 40 Eröffnungen mit 10.525 Zimmer geplant sind, und Mekka, wo 30 Hotels mit 33.526 Zimmer entstehen sollen. In Medina sollen elf Hotels und in Al Khobar neun Häuser eröffnet werden.

Saudi-Arabien insbesondere bei internationalen Ketten im Fokus

Zu den am schnellsten wachsenden Hotelmarken in Saudi-Arabien gehören internationalen Ketten wie die Accor Gruppe, Holiday Inn Hotes & Resorts, Millenium Hotels sowie Radission Blue, Hilton Hotels & Resorts und Hilton Garden Inn. Bei der IHG, zu deren Portfolio auch die Holiday-Inn-Hotels zählen, sind 17 Hotels mit 7692 Zimmern in der Pipeline.

Nach Angaben von IHG soll das Intercontinental Dammam im Jahr 2024 eröffnet werden und sich gegenüber dem Kulturkomplex von König Abdullah befinden. Das neue Hotel soll 289 Zimmer und drei erstklassige Restaurants bieten. Bereits im ersten Quartal 2022 soll das voco Jeddah North entstehen. Es liegt nahe am neuen Flughafen von Jeddah und soll insbesondere gehobene Geschäftsreisende locken.

Bei Accor befinden sich derzeit 36 Hotels mit 10.372 Zimmer in der Pipeline. Zu den wichtigsten Neueröffnungen in Saudi-Arabien gehören das Banyan Tree AlUla (2021), die Raffl es Jeddah Hotel & Residences (2021), das Fairmont Riyadh Serviced Residences (2021) und das Mövenpick Turaif Al Shamal (2021). Von den genannten Hotels dürfte Saudi-Arabiens erstes Banyan Tree Resort in der ersten UNESCO-Weltkulturerbestätte des Königreichs besonders herausstechen. Accor will das bestehende Ashar Resort umbenennen und erweitern und das Anwesen in ein High-End-Wüstenresort mit 82 Luxusvillen verwandeln.

Megaprojekt mit 9760 Zimmern

Im selben Jahr soll das Fairmont Riyadh Hotel und Kongresszentrum, welches sich in einer strategisch günstigen Lage, nur 15 Minuten vom Flughafen und 20 Minuten vom Stadtzentrum Riyadh entfernt befindet, eröffnet werden. Zu den größten Projekten in der gesamten nördlichen Region Saudi-Arabiens dürfte das Mövenpick Turaif Al Shamal gehören, welches ebenfalls 2021 starten soll.
Zu den bemerkenswertesten Hotels, die in der nächsten Zeit entstehen soll der Abraj Kudai Towers in Mekka gehören. Dieses Megaprojekt mit 9760 Zimmern soll aus zwölf Türmen bestehen, in denen Hotels, Apartments, ein Einkaufszentrum, Restaurants und Food Courts untergebracht werden.

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