Im Gespräch: "Ich bin immer Boris Becker"
Im Gespräch

"Ich bin immer Boris Becker"

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Tennislegende und Hotelgast: Boris Becker
Tennislegende und Hotelgast: Boris Becker

Der Lindenhof in Gotha konnte Boris Becker (51) für seine Gesprächsreihe "Ein Abend mit…" gewinnen. Hier erzählt der ehemalige Tennisstar, worauf er im Hotel achtet und wie er es mit Pseudonymen hält.

Boris Becker, Sie sind seit Anfang der 1980er-Jahre international unterwegs und siegten 1985 als jüngster Spieler und erster Deutscher in Wimbledon. Wie hat sich das Reisen und Übernachten seither verändert?



Ganz gewaltig. Ich spielte schon 1984 mit damals 16 in der Qualifikation, da schliefen wir noch im Mehrbettzimmer. Das hat sich dann dramatisch schnell verändert. Die Spielerhotels sind wirklich gut. Ich reise seit 35 Jahren, auch heute noch bin ich etwa die Hälfte des Jahres unterwegs.

Was schätzen Sie an Hotels und was geht gar nicht?



Ich habe gelernt, dass nicht die Sterne entscheiden, sondern der Service und vor allem das Bett. Es gibt unglaublich viele tolle Hotels mit katastrophalen Betten. Als großer Mann schätze ich sehr die Qualität der Betten. Das ist wichtiger als das Abendessen. Schlafen wird unterschätzt. Und ich finde es toll, wenn sich die Rezeption an den Gast erinnert und das Personal weiß, was man zum Frühstück möchte.

Welche Frage beim Einchecken stört Sie?



Ich finde es unangenehm, wenn ich unerfahrene Leute erlebe, die keinen blassen Schimmer haben, wer ich bin. Da kommt dann schnell der Manager. Öfter werde ich gefragt, unter welchem Pseudonym ich einchecken möchte. Viele Prominente nutzen andere Namen, aber ich bin immer Boris Becker. Ein Pseudonym hätte wenig Sinn, da man mich doch recht schnell erkennt.

Mit wie vielen Leuten ist ein Tennisstar unterwegs?



Da kommen schnell mal zehn Leute zusammen, Trainer, Physio, vielleicht ein Sparringspartner, Frau und Kinder…. Mein Büro bucht die Hotels. Heutzutage reise ich lieber allein oder zu zweit.

Wie duldsam sind Sie bei Selfies, wenn Gäste oder das Personal danach fragen?



Meine Privatsphäre ist mir viel wert. Selfies finde ich lästig und sage das dann auch. Ungefragte Fotos mag ich überhaupt nicht. Ganz selten passiert es, dass etwa ein Concierge von einer Zeitung bezahlt wird, damit er Dinge über mich erzählt. Aber das kommt immer raus, ich komme dann nicht wieder in das Hotel.

Ihren 50. Geburtstag haben Sie in einem Hotel in München gefeiert. Warum haben Sie das Roomers gewählt?



Ich bin mit den Besitzern Alex Urseanu und Micky Rosen sehr gut befreundet und wir haben alles Wichtige dort vorgefunden. Meine 110 Gäste konnten dort wohnen, der legendäre Red Room war nur für uns da. Und das Restaurant Izakaya ist mit seiner asiatischen Küche einfach hervorragend.

Viele Prominente sind ins Hotelgeschäft oder in die Gastronomie eingestiegen: Til Schweiger macht jetzt Barefoot Hotels, Ronaldo hat das CR7 auf Madeira, auch Jessica Schwarz eröffnete zwei Hotels, Wendelin Wiedeking gehört das Restaurantkonzept Tialini. Denken Sie auch manchmal darüber nach?



Es gab schon einige Anfragen, aber ich weiß nicht, ob ich genügend Fachwissen für ein Hotel oder Restaurant hätte. Wenn Boris Becker drauf steht, muss auch Boris Becker drin sein. Dann müsste ich öfter vor Ort sein. Nur meinen Namen hergeben ist nicht mehr mein Ding. Ich versuche, sparsam mit meinem Namen umzugehen.

Sie haben eine aufsehenerregende Werbung für die Budgetkette B&B Hotels gemacht ("Wo hat Boris Becker nur sein ganzes Geld gelassen? Hier jedenfalls nicht!"). Kratzt das an ihrem Ruf, weil es die Geldsituation thematisiert? Und haben Sie dort schon mal geschlafen?



Ja, ich habe tatsächlich schon mal dort geschlafen. Vor allem fand ich die Kampagne sehr gut, sie hat meinen Humor getroffen, damit kann ich gut umgehen. Diese amüsante Leichtigkeit ist in Deutschland oft schwer zu finden. Und die Initialen meines Namens – BB – passen natürlich hervorragend.

Könnten Sie sich vorstellen, ganz in ein Hotel zu ziehen, wie Udo Lindenberg?



Ich habe zwar schon wochenlang etwa im Hotel Palace in München gewohnt, als es um Umzug und Renovierung ging, aber ganz ins Hotel ziehen, wäre nichts für mich.

Sind Sie ein schwieriger Gast mit vielen Sonderwünschen und Launen?



Ich bin ganz einfach. Wenn ich einmal in einem Hotel war, dann kennt man meine Wünsche. Die bleiben immer gleich.

Wie schneidet Deutschland bei Hotels und Restaurants im internationalen Vergleich ab?



In Deutschland hat sich die Qualität enorm gesteigert. Ich habe in jeder Stadt ein bis zwei Favoriten, bin allerdings kein Freund von Ketten. Generell finde ich, dass der Service in Asien am besten ist. Dort weiß man mit Menschen umzugehen. In Dubai verstehe ich das Hotel Burj al Arab nicht so richtig. Es soll ja sieben Sterne haben, aber nach meinem Geschmack gibt es dort zu viel von allem. Das Emirates Palace in Abu Dhabi ist das weitläufigste Hotel, das ich kenne. Wenn man etwas in seinem Zimmer vergessen hat und aus der Lobby zurückgeht,

braucht man vielleicht eine Stunde (lacht). Das kann Vor- und Nachteile haben. Größe ist eben nicht alles.

Sie sind am 23. Oktober im Lindenhof in Gotha und lassen sich in der Gesprächsreihe "Ein Abend mit…." von Hoteldirektor Olaf Seibicke interviewen. Was reizt Sie daran?



Seit fast 20 Jahren habe ich in der ganzen Welt solche Abende, komischerweise ganz selten nur in Deutschland. Das werde ich dort auch ansprechen. Es reizt mich, wenn ich mich über Themen unterhalten kann, die mich bewegen, wie Kultur, Wirtschaft, Sport und was es heißt, berühmt zu sein. Im Fernsehen hat man nur zwei oder drei Minuten. Manche sagen dann, diese Seite von Ihnen habe ich nicht gekannt. Aber das ist keine Seite, sondern das bin ich, denn ich kann mich nicht zwei Stunden lang verstellen. Der 17-jährige Tennisspieler aus Leimen ist mittlerweile 51 Jahre alt. Das haben viele nicht erwartet.

Was wollen Sie auf keinen Fall gefragt werden?



Es gibt keine dumme Fragen, sondern nur dumme Antworten.

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