Deutscher Hotelkongress: Im Mice-Bereich sind...
Deutscher Hotelkongress

Im Mice-Bereich sind noch viele Wünsche offen

Thomas Fedra
Die Hotellerie hat Aufholbedarf - so das Fazit der Podiumsdiskussion zum Thema Mice.
Die Hotellerie hat Aufholbedarf - so das Fazit der Podiumsdiskussion zum Thema Mice.

Zwischen den Wünschen der Veranstaltungsplaner und der Hotellerie klaffen nach wie vor Welten.

BERLIN. Zwischen den Wünschen der Veranstaltungsplaner und der Hotellerie klaffen nach wie vor Welten, so die Quintessenz des Mice-Blocks beim Deutschen Hotelkongress 2017. In seinem Impulsvortrag wies Bernd Fritzges, Vorstandsvorsitzender der Vereinigung Deutscher Veranstaltungsorganisatoren, auf die vier wesentlichen Punkte hin, denen sich die Hotellerie künftig widmen muss: der Live Buchbarkeit; interaktiven neuen Veranstaltungsformaten wie beispielsweise Bar Camps oder Speed Kicking; hybriden Events, das heißt Veranstaltungen, die nicht nur vor Ort stattfinden, sondern über die auch gleichzeitig live Streams in sozialen Netzwerken übertragen werden und an denen sich die Teilnehmer über digitale Tools beteiligen; last, but not least das Thema Nachhaltigkeit.

Allerdings, so Fritzges, mache es wenig Sinn, sich als Hotelier mit diesen Themen zu befassen, so lange die Standards im Haus wie Beamer und Monitor nicht funktionierten. Fritzges und Rudolf Sommer, Senior Corporate Manager bei EnBW, bemängelten aber noch eine ganz andere wesentliche Schwachstelle der Veranstaltungshotellerie: Sie konzentriere sich zu sehr auf den Planer als auf die Bedürfnisse des dann tatsächlich anreisenden Tagungsgastes.

Die lebhafte Diskussionsrunde, an der unter der Moderation von Tagungswirtschafts-Herausgeberin Gabriele Schulze neben Fritzges und Sommer auch Lars Formanek, Commercial Director Steigenberger Business Hotels und Felix Undeutsch von Expedia Media Market, teilnahmen, endete mit der Erkenntnis: Digitale Buchungstools im Mice-Bereich werden von den Veranstaltern gewünscht, von der Branche aber noch zu wenig genutzt. Doch genau hierin liegt ein große Chance für die von Anforderungen überflutete Hotellerie: Sobald automatisierte Prozesse online buchbar gemacht werden, können sich deren Mitarbeiter auf die immer wichtiger werdende individuelle Beratung und auf die Kreativität für Veranstaltungen konzentrieren.

Eine aktuelle Umfrage der Deutsche Hospitality hatte u.a ergeben: An erster Stelle bei den Service-Wünschen der Veranstalter steht die Service-Kompetenz des Teams. Und genau diese kritisierte Sommer am heftigsten: “Ein Großteil der Hotels kann Zimmer und Flächen vermieten” sagte er. Bei moderneren Tagungsformaten stoße er aber meist auf Ignoranz. Hier helfe zwar das Einschalten von Eventagenturen, über eine verbesserte Kommunikation zwischen Veranstalter und Hotellerie könne darauf aber verzichtet werden. Agenturen, so Fritzges, verdienten im Prinzip ihr Geld damit, die Fehler auf beiden Seiten auszumerken. Sie spielten den Dolmetscher zwischen Hotel und Veranstalter.

Sommer hat schon einen interessanten Weg zur schnellen Buchung toller Event-Locations und Tagungsräume gefunden: Das Onlineportal Spacebase, das Schulze als Airbnb der Mice-Branche bezeichnete und auf dem sich Locations außerhalb der Hotellerie präsentieren. So wird dann in der Scheune getagt und dem Hotel vor Ort bleibt mit etwas Glück noch der Übernachtungsumsatz.

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