Immobilien: Wie digital muss ein Hotelkonzept...
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Wie digital muss ein Hotelkonzept sein?

Limehome
Limehome-Apartment: Familienzimmer in Leipzig
Limehome-Apartment: Familienzimmer in Leipzig

Die Digitalisierung von Geschäftsmodellen hat in der Coronakrise einen gewaltigen Schub erhalten. Sowohl der Personalmangel als auch die gewünschte Kontaktvermeidung im Zuge der Pandemie hat dabei als Katalysator gedient.

 Bei einer Diskussion auf dem Hotelimmobilien-Kongress in Berlin diskutierten Vertreter der Unternehmen Limehome, ipartment und der Budget-Hotelgruppe B&B über die „Erfolgsfaktoren Digitalisierung und Technologie“ in ihren Segmenten.

Josef Vollmayr, Gründer und Managing Director von Limehome, steht mit seinem Unternehmen explizit für ein digitales Hotelkonzept. Limehome betreibt rund 75 Standorte mit Apartmenthäusern ohne eigenes Personal. Die gesamten Backend-Prozesse seien so weit wie möglich digitalisiert. Als Basis für die komplette Distribution dient das Operating System, daran angedockt sind Reservierungsmanagement, Booking Engine einschließlich Loyalty-Programm und das Zugangssystem. Das Yield Management übernimmt ein Algorithmus, der diverse Daten verarbeitet, die für die touristische Nachfrage relevant sind, von Messen bis zur Auslastung von Flugverbindungen.

Anders als man bei einem Apartmentanbieter erwarten könnte, liegt bei Limehome der Fokus nicht auf Longstay. Vollmayr erläuterte: „Wir haben viel Shortstay, da kann man mit unserem digitalisierten System viel bewegen – durch die vielen Wechsel spart der Betreiber über die Automatisierung mehr Kosten als bei Longstay-Gästen.“

 

Marcus Löwe, COO von ipartment, bietet mit seinem Unternehmen zwar ebenfalls Apartments an, verfolgt aber einen ganz anderen Ansatz als Limehome. Etwa beim Thema Personal. Da sieht Löwe durchaus ein Risiko in einer Volldigitalisierung ohne Mitarbeiter vor Ort. Er kalkuliert mit zirka einer Vollzeitstelle pro 50 Einheiten, die zu betreuen sind. Die Gäste von ipartment bleiben im Durchschnitt rund zehn Wochen, der Schwerpunkt liegt also klar auf Longstay. Die Auslastung liege bei 90 Prozent, zirka 95 Prozent der Gäste seien beruflich unterwegs. Das Hausmanagement bei ipartment legt den Fokus auf die Gästebetreuung, wichtig sind laut Löwe dabei auch Service-Angebote wie ein Fahrradverleih. „Wenn es bei Problemen keinen Ansprechpartner gibt, ist das schlecht für die Bewertungen“, gibt er zu bedenken. Auch sei erfahrungsgemäß die Abnutzung stärker, wenn nicht routinemäßig ein Mitarbeiter durch die Räume gehe und den Zustand kontrolliere. Auch drohe ein gewisser Kontrollverlust in Bezug auf die Klientel, Stichwort „Rotlichtproblem“.

„Wenn es bei Problemen keinen Ansprechpartner gibt, ist das schlecht für die Bewertungen.“
Marcus Löwe, COO ipartment

Bei der Digitalisierung setzt ipartment auf eine Kombination bestehender Hotel-IT-Anbieter, der Gast benötigt keine App. Entscheidend ist für Löwe die Möglichkeit zum digitalen Check-in, Schnittstellen zu Partnern wie Fitness, Coworking oder Autovermietung sowie ein digitaler Mail-Assistent.

In Berlin kündigte Frank Seedorff, Director of E-Business & Digital Marketing bei der Budget-Hotelgruppe B&B, einen neuen Ansatz an. „Wir werden in den nächsten Jahren dazu übergehen, in jedem Haus außer den normalen Zimmern der Budget-Kategorie ein paar Zimmer mit höherwertiger Ausstattung vorzuhalten, die dann auch einen höheren Durchschnittspreis bringen.“ Hintergrund sind die Wachstumspläne mit Leisure-Gästen, die B&B bereits beim Deutschen Hotelkongress der ahgz bekannt gegeben hatte. Die rasche Erholung der Urlaubsnachfrage im Sommer hat dieses Segment für die Hotellerie interessant gemacht. Und B&B kann darauf aufbauen, dass die Gruppe bereits stark auch in den kleineren deutschen Städten vertreten ist, die für Freizeitreisende attraktiv sind. „Kiel, Konstanz, Bamberg oder Wilhelmshaven etwa sind in der Krise gut gelaufen“, hielt Seedorff fest. Und dass die Freizeitgäste meist nicht erst auf den letzten Drücker buchten, erleichtere die Planbarkeit.

Premium Room von B&B im Hotel München Moosach

Die Ankündigung eines neuen Zimmerkonzepts wurde bei B&B nun umgesetzt: Die Kategorie Doppel- und Zweibettzimmer Plus bietet für einen Aufpreis etwa eine größere Zimmerfläche, besseren Ausblick sowie teilweise einen Balkon. Die Premium Rooms wiederum verfügen über neue Ausstattungsmerkmale wie Schreibtische mit Wireless-Charger, Kaffeemaschinen, größeren Betten oder Regenduschen. Die ersten Zimmer gibt es in zwei Münchner Häusern. Das neue Raumkonzept soll in alle Neubauten integriert werden und im Rahmen der turnusgemäßen Renovierungen auch in bestehenden Häusern Einzug halten.

Aber nicht nur B&B plant eine Expansion im Leisure-Bereich. Josef Vollmayr von Limehome hielt fest, dass auch sein Unternehmen durchaus nach Leisure-Standorten suche. Bisher beherberge Limehome unter der Woche zu 80 Prozent Business-Gäste. Vollmayr sagte: „An kleinen Standorten, wo sonst nur eine ,Pension Erna‘ die vorhandene Nachfrage mit Unterstützung einer Putzkraft bedienen kann, kann auch Limehome erfolgreich sein.“

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