Digital Markets Act : "Unlautere Praktiken si...
Digital Markets Act

"Unlautere Praktiken sind bald Vergangenheit"

Andreas Schmitter
Hotelmarktexperte: Tobias Warnecke vom Hotelverband Deutschland
Hotelmarktexperte: Tobias Warnecke vom Hotelverband Deutschland

IHA-Geschäftsführer Tobias Warnecke spricht mit ahgz-Redakteur Holger Zwink über den Digital Markets Act (DMA), der die Marktmacht der großen digitalen Player beschränken soll. Er könnte viel Gutes für die Hotellerie bringen.

 
Herr Warnecke, der von der EU jetzt auf den Weg gebrachte Digital Markets Act (DMA) soll übermächtige digitale Player wie Apple, Amazon, Meta, Google und andere in ihrer Marktmacht beschränken. Was macht Sie sicher, dass etwa auch der OTA-Riese Booking.com in diese Kategorie fällt? Eine Plattform gilt als "Gatekeeper", wenn sie in mindestens drei EU-Mitgliedstaaten einen oder mehrere zentrale Plattformdienste betreibt. Zudem muss die Plattform in den vergangenen drei Geschäftsjahren in der EU einen Jahresumsatz von mindestens 7,5 Mrd. Euro erzielt haben oder eine Marktkapitalisierung von mindestens 75 Mrd. Euro aufweisen, und sie muss monatlich mehr als 45 Mio. Endnutzer in der Union beziehungsweise mehr als 10.000 in der Union niedergelassene gewerbliche Nutzer haben.


Nach allen öffentlich zugänglichen Informationen erfüllt Booking.com als selbsternannter "weltweiter Marktführer für Online-Reisen" diese Kriterien. Das Unternehmen beherrschte im Jahr 2019 fast 70 Prozent des europäischen Marktes für Hotelportalbuchungen und weist aktuell eine Marktkapitalisierung von 83,8 Mrd. Euro auf. Damit wird Booking zu den "designierten Gatekeepern" zählen, ebenso wie übrigens auch Airbnb.

Welche konkreten Verbesserungen für Hoteliers erwarten Sie? Die Intention des DMA ist es, die dominanten Tech-Unternehmen schon vorab (ex-ante) davon abzuhalten, den Wettbewerb einzuschränken, statt sie im Nachhinein im Rahmen von langwierigen Wettbewerbsverfahren zu bestrafen. Für die europäische Hotellerie bedeutet dies mehr Chancengerechtigkeit im Zeitalter der Plattformökonomie und die Möglichkeit, die eigene Digitalisierung weiter voranzutreiben.

Konkret gehören unlautere Praktiken wie enge Preisparitätsklauseln und das Zurückhalten von Daten bei Gatekeepern bald der Vergangenheit an. Zudem müssen Gatekeeper es ihren gewerblichen Nutzern (Hotels) ermöglichen, ihr Angebot zu bewerben und Verträge mit ihren Kunden auch außerhalb der Gatekeeper-Plattform abzuschließen. Ebenso dürfen Verbraucher von den Gatekeeper-Plattformen nicht daran gehindert werden, sich an Unternehmen außerhalb ihrer Plattformen zu wenden.

Wie lange wird es dauern, bis der DMA greift? Die vorläufige Einigung muss noch vom Rat und vom Europäischen Parlament gebilligt werden, was als Formsache gilt. Die Verordnung muss dann innerhalb von sechs Monaten nach ihrem Inkrafttreten umgesetzt werden und somit könnte der DMA bereits im Oktober 2022 zur praktischen Anwendung kommen.

stats