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Gastbeitrag

Jörg Lindner: "Es muss schnell gehandelt werden"

Unternehmen
Kämpferisch: Jörg Lindner
Kämpferisch: Jörg Lindner

Der Chef der Unternehmensgruppe 12.18. fordert ein baldiges Ende des Shutdown. Sonst drohten schlimme Konsequenzen.

Die Regierung hat ihre Maßnahmen gegen das Coronavirus in den vergangenen Wochen immer weiter verschärft – und anscheinend finden 95 Prozent der Bürger das gut. Ich gehöre zu den anderen 5 Prozent! Ich sage das nicht aus Leichtsinn, ich bin 61 Jahre alt und vor knapp zwei Wochen Corona-positiv getestet worden. Mein bester Freund kämpft auf einer Kölner Intensivstation um sein Leben.

Trotzdem: Ich halte es demokratisch nicht für legitimiert, von Experten regiert zu werden. Zu jeder Aussage eines Horrorszenarien verbreitenden Experten gibt es mittlerweile genau gegensätzliche Aussagen, die sich genauso kompetent anhören. Es ist für den Laien sehr schwer, sich ein differenziertes Bild zu machen. In Schweden, Japan und Südkorea werden zum Beispiel andere Wege gegangen, vielleicht haben diese Ländern andere Experten. Auf jeden Fall haben sie eine Politik, die verantwortungsvoller agiert.

Maßnahmen müssen nach Ostern enden

Was ich allerdings beurteilen kann: Europas Wirtschaft liegt in Trümmern. Meine Brüder und ich führen in zweiter Generation ein Familienunternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern, dessen Geschäftsmodell in seinem 62. Jahr von besagten Experten und den ihnen hörigen Politikern in Schutt und Asche gelegt wurde. In Deutschland zahlt kaum noch jemand seine Rechnungen, sicher nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Mangel an Einnahmen.

Die „Hilfsmaßnahmen“ erreichen den Mittelstand nicht. Ein KfW-Kredit ist mit nicht erfüllbaren Formalien verbunden, die „Bazooka“ ist lächerlich, weil sie nicht geladen werden kann. Und warum soll ich mich jetzt verschulden? Wofür? Wer heute einer Bank seinen Geschäftsplan vorlegen soll, kann die wesentliche Komponente nicht abschätzen. Die Zeit. Niemand kann planen, ohne zu wissen, wann er sein Geschäft wieder aufnehmen kann.

Die Zwangsmaßnahmen müssen spätestens nach Ostern beendet werden. Die Antwort auf Corona kann nicht Massenarbeitslosigkeit und nationale Armut sein.

Am 30. März stand in derRheinischen Post , dass in Düsseldorf im Moment rund 5 Prozent der Intensivbetten belegt sind. Das scheint repräsentativ für die derzeitige Lage in Deutschland zu sein. Wenn Betten fehlen, soll die Politik bitte ihrer Verantwortung gerecht werden, für eine ausreichende Ausstattung zu sorgen. Es kann sicher nicht an einem zu geringen Steueraufkommen liegen.

Aus meiner Sicht stehen wir vor einem beispiellosen Staatsversagen und ich bin gespannt, ob und wie das einmal aufgearbeitet werden wird.

Wie viel Arbeitslosigkeit verträgt die Demokratie?

In Spanien horten die Leute Wein, in Frankreich Kondome und in Deutschland Klopapier. Der Amerikaner kauft von seinem „Helikoptergeld“ Waffen und Munition. In den USA sind gerade dreieinhalb Millionen Menschen arbeitslos geworden. Wie lange wird man dort wohl die Wirtschaft am Boden halten können? Und wie viel Arbeitslosigkeit erträgt die deutsche Demokratie?

Mir ist klar, dass ein Menschenleben keiner materiellen Bewertung unterliegen darf. Trotzdem ist das derzeitige Vorgehen der Regierenden nicht die richtige Lösung. Der angerichtete Schaden übertrifft den erreichten Nutzen. Das derzeitige Handlungskonzept muss individualisiert und unser Gesundheitssystem bedarfsgerecht ausgebaut werden. Jetzt sofort!

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