Gastbeitrag: Keine Angst vor den Jüngeren
Gastbeitrag

Keine Angst vor den Jüngeren

Unternehmen
Michael End: „Vielleicht sind wir es, die sich hinterfragen sollten?“
Michael End: „Vielleicht sind wir es, die sich hinterfragen sollten?“

Keine Angst vor den Jüngeren

Kaum eine Woche vergeht, in der nicht heiß über den Wandel der Generationen diskutiert wird – in der Hotellerie und in fast jeder anderen Branche. Die „Neuen“ werden wahlweise Generation Y oder Millennials (YMs) getauft. Gemein ist dem Diskurs fast immer, dass einer großen Gruppe von jungen Menschen – einfach zu identifizieren am Jahrgang – scheinbar allgemeingültige Attribute zugeschrieben werden: Freizeit ist ihnen wichtiger als Arbeit; sie sind ich-bezogen; sie fordern mehr als sie leisten; sie brauchen ständig Feedback; sie passen nicht mehr in konventionelle Führungsstrukturen. Nicht selten schwingt eine negative, abwertende Tonlage mit – und auch ein wenig Angst.

Doch dass sich Werte, Verhalten und Interessen im Laufe der Zeit verändern, ist nichts Neues. Die Sichtweise, dass sich die Jungen bestehenden Strukturen und Prozessen unterzuordnen haben, ist vor diesem Hintergrund wenig hilfreich. Sie ist Ausdruck von Besitzstandswahrung und der Angst, etwas zu verlieren, was lange funktioniert hat. Und schlussendlich ist sie auch herablassend. Ich bin der festen Überzeugung, dass die YMs nicht die Generation sein wird, die das Wirtschaftsleben ruinieren wird. Im Gegenteil, sie werden es nach eigenen Regeln neu erfinden. Airbnb & Co lassen grüßen. Vielleicht sind wir es, die sich selbst hinterfragen sollten?

Menschen, die neu in den Arbeitsmarkt kommen, sind heute ganz anders sozialisiert. Geduld wird überbewertet. Das Smartphone liefert alles, was es braucht zum Leben, in Bruchteilen von Sekunden. Feedback ist elementar. Egal ob es um Likes für das Foto vom selbst gemachten Avocado-Toast auf Facebook oder die Performance im Job geht. Für dumm verkaufen geht nicht mehr. Wissen ist für jeden verfügbar, so etwa auch, wenn es um gesetzliche Regelungen für Überstunden oder Nachtarbeit geht. Ausbeuten kommt damit nicht mehr infrage. Und die eigene Arbeit soll natürlich auch einen gewissen „Impact“ haben.

Was kann das für Unternehmen bedeuten? Ich sehe große Chancen. Wenn wir die positive Seite der Medaille anschauen, dann haben wir es zukünftig immer mehr mit gut informierten, querdenkenden, kritischen und vor allem digitalen Menschen zu tun, die bestehende Dinge infrage stellen und verändern wollen. Im Gegenzug bedeutet das, dass Führung sehr viel mehr auf die Bedürfnisse des einzelnen Menschen eingehen sollte. Was treibt den Einzelnen an? Was sind seine Motive? Was sind seine Stärken und wo kann er sie am besten für den Gesamterfolg einbringen? Wie kann er sich weiterentwickeln? Das ist für die Führungskraft aufwendig und anspruchsvoll. Im Kontext des Fachkräftemangels sollte sich Führungsarbeit einerseits auf die Schaffung von guten Rahmenbedingungen konzentrieren, in denen Mitarbeiter freiheitlich und vertrauensvoll arbeiten können. Zusätzlich gilt es, Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen und sorgfältig zu begleiten. Ärgerlich wird es, wenn die spürbare Ungeduld, die eigene Karriere voranzutreiben, dazu führt, das nächstbeste Angebot anzunehmen, das nicht selten aus branchenfremden Unternehmen kommt.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die allermeisten sich anstrengen und etwas erreichen wollen. Eben nur unter anderen Rahmenbedingungen als früher. Deswegen glaube ich auch nicht an übertriebene materielle Anreize. Die wirken meist wie Drogen. Kurzfristig stimulierend. Langfristig schädlich.

Wie sind ihre Erfahrungen mit

den Generationen Y und Co.?

Schreiben Sie uns.

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