Im Gespräch: Michael Patrick Struck, Geschäft...
Im Gespräch: Michael Patrick Struck, Geschäftsführender Gesellschafter der Ruby Hotels

„Keine Kompromisse bei den Lagen“

Thomas Fedra
Struck: „Wir betreiben für Socia Media einen großen Aufwand, haben so aber sehr schnell eine gute Auslastung, sehr gute Raten und eine hervorragende Empfehlungsrate erzielt. „
Struck: „Wir betreiben für Socia Media einen großen Aufwand, haben so aber sehr schnell eine gute Auslastung, sehr gute Raten und eine hervorragende Empfehlungsrate erzielt. „

Sie haben Ruby vor vier Jahren gegründet, wie ist der Status Quo? Struck: Wir haben das Ruby Sofie und das Ruby Marie in Wien in Betrieb und das Ruby Lilly in München gerade eröffnet. Es folgt das

Sie haben Ruby vor vier Jahren gegründet, wie ist der Status Quo?



Struck: Wir haben das Ruby Sofie und das Ruby Marie in Wien in Betrieb und das Ruby Lilly in München gerade eröffnet. Es folgt das Ruby Lissi in Wien und im Sommer das Ruby Coco in Düsseldorf, danach steht Hamburg auf dem Plan.

Ist der deutsche Markt für Sie dann abgedeckt?



Struck: Nein, wir möchten natürlich nach Berlin und sind auch an Frankfurt, Köln und Stuttgart interessiert. Außerdem sehe ich in München und Hamburg Potenzial für mehrere Häuser. In den unterschiedlichen Mikromärkten großer Städte sehe ich Raum für jeweils mindestens zwei Rubys. Wir erreichen dadurch Vermarktungssynergien und Vorteile im Einkauf. Auch die Development-Effizienz steigt, wenn wir an einem Standort mehrere Projekte gleichzeitig entwickeln. Wichtig für Ruby ist zudem die bessere und breitere Vernetzung in der Stadt, die damit einhergeht. Welche Künstler sind dort angesagt, welche Bands, welche Influencer sind relevant für uns, etc. Ich verdichte lieber mit zwei bis drei Hotels pro Stadt, als dass ich die Landkarte auf breiter Front mit Flaggen besetze. Danach zielen wir auf die Metropolen in Westeuropa sowie ausgewählte Märkte in Nord- und Südeuropa.

Sie definieren Ruby mit Lean Luxury, was genau verstehen Sie darunter?



Struck: Im Gegensatz zu Design Budget Hotels, die sozusagen ein Budget Hotel chic machen, machen wir ein Luxushotel schlank. Wir konzentrieren unseren Luxus auf Schlafqualität: Unsere Betten haben 30 Zentimeter hohe, 210 Zentimeter lange Taschenfederkernmatratzen, überlange Bettdecken und hochwertige Bettwäsche. Der Schallschutz und die Verdunkelung unserer Zimmer ist auf hohem Niveau. Unsere Zielgruppe macht Luxus nicht an der Fläche fest. Schließlich ist die Fläche in Innenstadtlagen großer Städte der größte Kostentreiber, nicht das Personal. Rund 40 Prozent der Gesamtkosten hängen dort an der Fläche.

Wie sehen die Personalkosten aus?



Struck: Im Schnitt stellen die Personalkosten bei uns zwischen 9 und 11 Prozent der Kosten im Hotel, unter Einbeziehung der zentralisierten Leistungen sowie der externen Dienstleister betragen sie zirka 17 bis 18 Prozent – je nach Hausgröße. Zentralisierung und Automatisierung sind dabei die beiden wichtigsten Hebel. Eine Standard-Reservierung läuft bei uns beispielsweise vollkommen automatisiert durch, von der Reservierungsbestätigung bis zur Zahlungsabwicklung und Rechnungsstellung.

Ist es schwer für Sie, Mitarbeiter zu finden?



Struck: Weil alle unsere Mitarbeiter multifunktional tätig sind, sind die Aufgaben bei uns vielfältiger – und wir haben spannende Gäste. Außerdem versuchen wir, uns als Firma wie eine Familie zu verhalten. Wir haben zum Beispiel eine Ruby-WhatsApp-Gruppe für die Mitarbeiter, in der ein reger Austausch herrscht. Sie haben kürzlich einen süßen Film gedreht und in die Gruppe gestellt, als unsere Mitarbeiterin Lena, eine Musicalstudentin, nach Abschluss ihres Studiums ein Engagement erhielt und uns verließ. Grundsätzlich kann bei uns jeder mit der richtigen Einstellung arbeiten. Das alles machte es für uns in Wien inzwischen relativ einfach, Mitarbeiter zu finden. Für unser neues Haus in München war es schwieriger, weil wir in Deutschland am Arbeitsmarkt noch relativ unbekannt sind. Hier haben wir mit einem Radio-Clip um Mitarbeiter geworben und natürlich über die Sozialen Medien.

Was ist der USP ihres neuen Hauses in München?



Struck: Unser Lean-Luxury-Produkt mit seinem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis und natürlich der emotionale Mehrwert. In der Lilly spielen wir liebevoll-ironisch mit dem Thema der Münchner Schickeria und Bussi-Bussi-Gesellschaft, ganz so wie es Helmut Dietl in seinen Serien „Kir Royal“ und „Monaco Franze“ getan hat. Die ewige unerfüllte Liebe vom Monaco Franze ist übrigens die Namensgeberin – Lilly. Wir haben eine kleine, aber feine Dachterrasse mit Blick über München und einen herrlichen Panorama-Blick aus den meisten Zimmern.

Das Haus in München wird Ihr drittes sein, hat sich an Ihrer Strategie inzwischen etwas geändert?



Struck: Nein, wir sind sehr diszipliniert und setzen die Strategie, die ich mir ausgedacht hatte, eins zu eins um. Das heißt auch, dass wir keine Kompromisse bei den Lagen eingehen. Ansonsten hätten wir auch schon mehr Häuser eröffnen können.

Wie finanzieren Sie Ihre Expansion, wer sind Ihre Geldgeber?



Struck: Gesellschafter neben mir sind die österreichische Soravia Gruppe, der Private-Equity-Unternehmer Michael Hehn, ein deutsches Family Office und ein sehr kapitalstarker Private-Equity-Fonds. Wir schließen überwiegend Pachtverträge ab, manchmal auch Mietverträge ab.

Wer sind die Investoren und Entwickler der Hotelimmobilien?



Struck: In München ist die ArtInvest unser Entwickler und End-Investor. Wir arbeiten auch mit CBRE Investors, Patrizia und der Allianz als Partner zusammen. Insgesamt ist die Resonanz im Immobilienmarkt auf unser Konzept wirklich gut. Dabei hilft uns, dass wir uns gut für Umnutzungen von Bestandsimmobilien eignen.

Weshalb schließen Sie sich keiner Kooperation oder Softbrand an?



Struck: Wir schaffen mit Ruby einen emotionalen Mehrwert. Auch nach dem Verlassen des Hauses bleibt ein Ruby-Gast Teil der Community. Wir betreiben dafür zwar einen großen Social-Media-Aufwand, haben so aber sehr schnell eine gute Auslastung, sehr gute Raten und eine hervorragende Empfehlungsrate erzielt. Eine Eigenmarke und ihre erfolgreiche Vermarktung kostet zwar mindestens ebensoviel Geld wie ein Anschluss an eine Softbrand, aber der Return ist meines Erachtens höher und nachhaltiger. Unser RevPar in Wien hat sich im 4-Sterne-Bereich etabliert, in der Sofie haben wir eine Wiederholungsrate von 33 Prozent. Die Direktbuchungsquote liegt bei 55 Prozent.

Wie schätzen Sie aktuell die Gefahr einer Wirtschaftskrise ein?



Struck: Die Wirtschaftsdynamik wird erhalten bleiben, da bin ich optimistisch. Seit der letzten Krise haben die Akteure ihre Hausaufgaben gemacht. Die Banken lassen bei Hotelfinanzierungen eine sehr hohe Disziplin walten. Wir haben keinen Vertrag unterzeichnet, in dem nicht unabhängige Berater unsere Kalkulationen und unseren Track Record auf Herz und Nieren geprüft haben. Ruby habe ich auch auf Erfahrungen der letzten Krise aufgebaut. Wir sind mit unserer Lean Luxury Positionierung unabhängiger von der Konjunktur als die Luxushotellerie. Wir setzen auf exzellente Lagen und bleiben mit dem Einstiegspreis unter der magischen 100-Euro-Schwelle. Durch die Automatisierung und Zentralisierung liegen die Fixkosten so niedrig, dass wir die Gewinnschwelle bei kleineren Hotels mit einer Belegung unter 45 Prozent erreichen, bei größeren unter 40 Prozent.

Wie sieht die Zukunft für Ruby aus?



Struck: Wir arbeiten an Produkterweiterungen, zum Beispiel in den Bereich Extended Stay.

25hours, Prizeotel: Wann verkaufen Sie Ruby?



Struck: Das habe ich nicht vor. Für mich und die Gesellschafter ist Ruby eine Herzensangelegenheit. Wir stehen außerdem erst ganz am Anfang, und ich sehe noch ein enormes Entwicklungspotenzial für uns.

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