Im Gespräch: Martin R. Smura: Kempinski bekom...
Im Gespräch: Martin R. Smura

Kempinski bekommt vier Säulen

Kempinski Hotels
Martin R. Smura: "Wer mit Kempinski zusammenarbeitet, verbessert nachhaltig seine Ergebnisse"
Martin R. Smura: "Wer mit Kempinski zusammenarbeitet, verbessert nachhaltig seine Ergebnisse"

Martin R. Smura (50) ist seit Juli Chef der ältesten europäischen Luxushotelkette. Welche neuen Akzente setzt er?

Herr Smura, was bedeutet Luxus für Kempinski?

Unsere Zielgruppe sind Gäste, die Exzellenz erwarten und Individualität zu schätzen wissen. Kempinski steht für unvergleichliche Aufenthalte mit erstklassigem und unaufdringlichem Service an den schönsten Orten der Erde, das ist Luxus für unsere Gäste.

Die ersten 100 Tage sind fast geschafft. Wie war Ihr Einstieg?

Sehr positiv. Ich kenne die Gesellschaft seit vielen Jahren. Als Gast habe ich zahlreiche Familienurlaube bei Kempinski verbracht. Ich liebe diese Marke. Unser Aufsichtsratschef, seine Exzellenz Abdulla H. Saif, hat mich persönlich zum Amtsantritt nach Genf begleitet. Für mich war es wichtig, dass ich jeden Mitarbeiter persönlich kennenlerne. In Genf sind das mehr als 100 Mitarbeiter, 15 in Dubai und 35 in unserem Büro Asia Pacific in Peking.

Vor ihrem Amtsantritt war es etwas holperig…

Die Vertragsverhandlungen haben etwas länger gedauert als geplant, doch der Empfang im Unternehmen war großartig. Bei meiner Kennenlerntour war auffallend, dass wir viele tolle Talente haben, die unserer Marke loyal unterstützen und einen Mehrwert für unsere Gäste und Eigentümer schaffen.

Haben Sie eine Bestandsaufnahme gemacht?

Es wäre eine schlechte Nachricht, wenn ich das nicht gemacht hätte (lacht). Kempinski hat rund 26.000 Mitarbeiter in über 30 Ländern mit 78 Hotels. Der Umsatz im Portfolio liegt bei rund 1,6 Milliarden Euro. Doch bis zum Jahresende laufen 13 Managementverträge aus. Die gute Nachricht ist, dass wir bereits zwei davon verlängern konnten: San Clemente Palace Venice und das Hotel Baltschug Kempinski Moscow.

Wie man hört, wird das Emirates Palace in Abu Dhabi verloren gehen. Außerdem werden wohl das Grand Hotel Geneva am Firmensitz mit einem dreistelligen Millionenumsatz und das Hotel in Dubai in der Mall of Emirates Kempinski verlassen.

Wir planen einen kontrollierten Exit für zirka sechs Hotels, wo es heute keine Chance gibt, diese zu drehen. Unser Kerngeschäft ist, dass wir Managementleistung für Hoteleigentümer gegen eine Gebühr anbieten. So sehr wir das Emirates Palace lieben, eine Vertragsverlängerung würde unter den gegebenen Voraussetzungen betriebswirtschaftlich wenig Sinn machen. Wir haben es 15 Jahre sehr gut geführt. Nun haben die Eigentümer den Vertrag neu ausgeschrieben und es liegen Angebote mit hohen finanziellen Vorab-Leistungen vor. Da wollen wir kein adäquates Gegenangebot machen.

Warum machen andere das?

Der Kauf eines Betreibervertrags kann deren Aktienkurs positiv beeinflussen. Dieses Geld kann man sicher nicht mit dem Servieren von Kaffee und Kuchen verdienen. Unser Mehrheitseigentümer, das Bahreinische Königshaus, hat eine langfristige Strategie, Kempinski am oberen Ende der Luxusskala als unabhängiges Unternehmen zu etablieren. Unser Fokus wird darauf liegen, relevante bestehende Hotels in unserem Portfolio zu halten und besondere Projekte neu zu entwickeln. Das ist einer der Gründe, warum ich gekommen bin.

Wie überzeugen Sie Eigentümer?

Ich war selbst viele Jahre auf Eigentümer-Seite, daher weiß ich: Wer mit Kempinski zusammenarbeitet, verbessert nachhaltig seine Ergebnisse. 40 Prozent der Umsätze eines Hotels kommen über unsere Systeme. So hat jeder Hoteleigentümer einen direkten finanziellen Vorteil.

Viele internationale Ketten sind auf der Suche nach Luxusperlen. IHG hat Six Senses übernommen, Accor hat vor einigen Jahren Raffles sowie Fairmont geschluckt. Gibt es Anfragen bei Kempinski?

Es gibt ein klares Commitment, dass ein Verkauf nicht stattfinden wird. Wir sind und bleiben die größte im Privatbesitz befindliche Luxushotelgesellschaft.

Im Frühjahr gab es eine Diskussion über den Zustand des Kempinski-Flaggschiffs Adlon in Berlin. Wie lautet ihre Einschätzung?

Das Hotel liegt mir besonders am Herzen und es ist nach wie vor der ultimative Indikator der Marktdurchdringung. Das Adlon mit 384 Zimmern hat 80 Prozent Belegung bei einer Durchschnittsrate, die um 100 Euro über den Mitbewerbern liegt. Die Kritik nehmen wir ernst und wir werden die Dinge angehen. Dazu gehört zum Beispiel, dass wir unser Gastronomieangebot überarbeiten und die American Bar zurückbringen werden. Eine Lobby Bar alleine ist nicht auskömmlich. Insgesamt ist das Hotel sehr erfolgreich und das ist die Gelegenheit, unseren Mitarbeitern im Adlon dafür zu danken, denn ich bin stolz auf diese Menschen, auch neben aller Kritik, die wir sehr ernst nehmen.

An vielen Orten entstehen ultramoderne Neubauten. Kann Kempinski mithalten?

Wir haben mehrere außergewöhnliche Hotels im Portfolio. Das Gran Hotel Manzana Kempinski in Havanna ist eines der besten Hotels in Südamerika. Und unser neues 344-Zimmer-Hotel in der chinesischen Millionen-Metropole Hangzhou ist spektakulär.

Wo sehen Sie Kempinski in fünf Jahren?

Wir haben eine Vier-Säulen-Strategie entwickelt. Neben Neuentwicklungen werden wir auch bestehende Hotels akquirieren, damit wir noch schneller Erfolg verbuchen können. Dazu haben wir 15 neue Hotelprojekte identifiziert, die Wachstum versprechen. Außerdem wollen wir das Kerngeschäft separieren und mit unserer Marke wachsen, die ein eigenes Geschäft wird. Und ab sofort ist Formel 1® World Champion Nico Rosberg Markenbotschafter der Kempinski Hotels. Kempinski hat internationale Strahlkraft und steht in allen Rankings weit vorn. Dazu gehört auch, dass wir unsere DNA, die Gastronomiekonzepte, wie etwa Kempinski Grill oder Café Kranzler, weiterentwickeln und damit Markenwert schaffen.

Was gehört noch dazu?

Bereits jetzt ist unser neues Designhotelkonzept Nuo sehr erfolgreich. Wir haben das erste Hotel in Peking eröffnet, ein ganz besonderes Haus. Es greift auf chinesisches Heritage vergangener Dynastien zurück. Das Raffles in Peking wird als Nuo neu gebrandet, ein drittes Hotel in Peking ist in Planung, der Rohbau steht bereits. Es soll 2021 eröffnet werden. Ganz wichtig ist auch: Statt Geld für Managementverträge zu bezahlen, werden wir Immobilien erwerben und so von der Wertsteigerung profitieren.

Wie kann das Discovery-Treueprogramm mit Accor Live Limitless oder Marriott Bonvoy mithalten?

Eines unserer wertvollsten Geschäftsfelder ist die Global Hotel Alliance GHA, deren Haupteigentümer und Mitgründer Kempinski ist. Wir sind mit dem Discovery-Loyalty-Programm der einzige Ankerpunkt für 350 kleinere, hochwertige Hotelgesellschaften, die sich nicht an eine Kette binden wollen. Derzeit haben wir 15 Millionen Mitglieder und greifen jetzt schon auf mehr als 30 Hotelmarken mit 550 Hotels in 75 Ländern zurück. GHA wird in den nächsten 24 Monaten weltweit die Nummer vier sein mit künftig 25 Millionen Mitgliedern. Die Fragen stellte Rolf Westermann

Der Kempinski-Chef tritt auch beim Deutschen Hotelkongress am 3. und 4. Februar 2020 in Berlin auf. Weitere Infos und Anmeldung unter www.hotelkongress.de

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