Kempinski: "Überholtes Geschäftsmodell, fehle...
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"Überholtes Geschäftsmodell, fehlende Wachstumsstrategie"

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Martin R. Smura: Er war rund eineinhalb Jahre im Amt
Martin R. Smura: Er war rund eineinhalb Jahre im Amt

Bei der Luxushotelgruppe mit rund 80 Hotels weltweit brodelt es. Wie sieht die Zukunft aus?

Das Ausscheiden von Kempinski-CEO Martin R. Smura liegt ein Vierteljahr zurück - nun gibt es neue Informationen zu den Hintergründen. Nach Angaben des Handelsblatts war ein Streit mit dem Kempinski-Aufsichtsratsvorsitzenden Abdullah Saif der direkte Anlass dafür, dass Smura das Unternehmen verlassen musste. Nach Einschätzung der Zeitung haben seitdem wieder die Traditionalisten das Sagen - das Geschäftsmodell sei überholt, es fehle eine Wachstumsstrategie.

Saif haderte offenbar mit Smuras Anliegen, dem Konzern neue Geschäftsfelder zu erschließen. Kempinski sollte demnach selbst Hotelimmobilien entwickeln und dann gemeinsam mit Investoren betreiben, die als Käufer oder Pächter der Immobilien auftreten (ahgz berichtete). "Wir sind in unserem bisherigen Kerngeschäft nicht auskömmlich für die Zukunft aufgestellt", attestierte Smura dem Unternehmen bereits im Herbst 2019.

Das Gros seiner Häuser führt Kempinski lediglich im Auftrag der Immobiilienbesitzer und erhält dafür eine Managementgebühr plus Erfolgszulage. Ein zunehmend tückenreiches Geschäftsmodell, denn zu viele Hotelgesellschaften kämpfen mit immer niedrigeren Gebühren um Aufträge und lukrative Standorte beziehungsweise Häuser - wie das Beispiel Hotel Atlantic in Hamburg zeigt, das mittlerweile zur Autograph Collection von Marriott gehört.

Zwei konkrete Projekte, die Martin R. Smura maßgeblich anstieß, waren Aufsichtsratschef Saif laut Handelsblatt ein besonderer Dorn im Auge: Die Kooperation mit der 12.18-Gruppe, um die gemeinsame Marke 7 Pines Kempinski voranzutreiben, und die Übernahme der drei Luxushotels Parkhotel Bremen, Nassauer Hof in Wiesbaden und  Hotel Maison Messmer in Baden-Baden, die bis heute zur Hommage Luxury Hotels Collection (Dorint) gehören. Aufsichtsratschef Saif soll beides gestoppt haben.

Interne Machtkämpfe mit dem jetzigen Interims-CEO Bernold Schröder, der damals COO war, begünstigten die Trennung von Smura. Auch weitere Führungskräfte haben den Konzern inzwischen verlassen.

Update: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Martin Smura sei als Vorstand der Kempinski AG zurück getreten. Richtig ist, dass der Aufsichtsrat der Kempinski AG entschieden hat, Herrn Smura abzuberufen und sich von ihm zu trennen.





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