Raths Spitzen: Luxus ist individuell, niemals...
Raths Spitzen

Luxus ist individuell, niemals institutionell

CKR Consulting
Carsten K. Rath: "Auch in Krisenzeiten ist es nicht unanständig, das Beste vom Besten anzubieten."
Carsten K. Rath: "Auch in Krisenzeiten ist es nicht unanständig, das Beste vom Besten anzubieten."

Nach Monaten des Maskentragens und der Reiseeinschränkungen freuen sich die Gäste auf neue Genussmomente und wahren Luxus. Verstaubte Konzepte sowie Plüsch und Pomp sind aber nicht mehr gefragt.

Was einst als dekadent, überfrachtet und nicht mehr als State of the Art galt, erfährt ein Revival: Luxus – also das Verständnis von selbigem. Traditionelle Marken wie Mercedes sprechen in den aktuellen Zeiten ganz bewusst Käufer mit liquiden Mitteln an. Exklusivität und Individualität statt Pomp und Plüsch, das verspricht der neue Mercedes-Maybach. Auf den ersten Blick sieht und erlebt der Kunde die herausragende Ausstattung des Fahrzeugs. Gleichzeitig profitiert er zusätzlich im gesamten Kauferlebnis von einem Upgrade der Service-Leistungen: Ein erster Shop des neuen Konzeptes erfüllt individuelle Kundenwünsche mit einem Concierge-Service.

Wie wirken Abstandsregelungen, Masken und das veränderte Reiseverhalten auf das Luxusversprechen in der Hospitality? Die Bedürfnisse des einzelnen Gastes rücken noch stärker in den Vordergrund. Verstaubte Konzepte von der Stange und verschwenderische Opulenz haben ausgedient. Genau wie die Demokratisierung der Hotellerie und luxuriös gemeinte Konzepte, die eher komisch daherkommen. Luxus zieht über die Dimensionen Raum und Service in die Hotellerie ein, und das ist gut so. Wir vergessen allzu schnell, dass die Deckungsbeiträge in der Luxus-Hotellerie die höchsten sind. Daher ist es auch in Krisenzeiten nicht unanständig, das Beste vom Besten anzubieten.

„Corona scheint das Feuer für den heimischen Luxus wieder anzufachen.“
Carsten K. Rath

Viele Konsumenten verfügen nach der Pandemie über viel Geld und wünschen sich gerade jetzt neue Genussmomente. Freunde aus der Gastronomie berichteten mir, dass ihre Gäste sogar bis zu 30 Prozent mehr ausgeben, als vor Corona. Der Gast bestellt wieder extravagantere Speisen und lässt teurere Weine entkorken. Corona scheint das Feuer für den heimischen Luxus wieder anzufachen. Eine interessante Entwicklung für die deutsche Spitzenhotellerie und -gastronomie.

Doch nicht jede 5-Sterne-Verpackung enthält das erwartet luxuriöse Erlebnis. Einige Hotelgesellschaften schmücken sich mit dem Etikett „lean“ oder „smart luxury“. Aber ist weniger tatsächlich immer mehr? Ein Smart mit glänzender Lackierung bleibt doch immer nur ein neues Auto. Nur ein richtiger Maybach ist und bleibt ein Maybach.

Der Autor ist Vortragsredner und Management-Berater zu den Themen Service- und Leadership Excellence. Als ehemaliger Grand Hotelier bereist er Hotels auf der ganzen Welt und beschreibt seine Eindrücke auf seiner Reiseplattform www.travelgrand.ch. Aus dieser Leidenschaft heraus entwickelte er das Ranking "Die 101 besten Hotels Deutschlands", dessen Partner auch die ahgz ist.

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