Rath around the World: Sofitel München Bayerp...
Rath around the World

Sofitel München Bayerpost: Business as usual

Sofitel München Bayerpost
Geschichtsträchtig: Das Gebäude des Sofitel München Bayerpost
Geschichtsträchtig: Das Gebäude des Sofitel München Bayerpost

Das Sofitel München Bayerpost hat direkt neben dem Hauptbahnhof eher eine 1-b-Lage. Dafür ist das Design des ehemaligen Münchner Postamts ein echter Hingucker. Ist das große, aufwendig renovierte 5-Sterne-Hotel einen Besuch wert? Carsten K. Rath war vor Ort.

Eine wunderschöne, historische Immobilie ist eigentlich ein Glücksfall für ein Hotel, besonders eines mit fünf Sternen. Neben der Ästhetik bringt ein solches Gebäude automatisch einen sense of place mit, der die Gasterfahrung in der Region verankert.

Das Sofitel München Bayerpost hat dieses Immobilien-Glück. Hier logieren die vorwiegend geschäftlich reisenden Gäste im historischen Münchner Postamt – einem wilhelminischen Prachtbau, dessen Substanz hervorragend erhalten und renoviert wurde.

Wenn die vom Gebäude geweckte Erwartung dann allerdings nicht eingelöst wird, ist die Enttäuschung umso größer. In einer Hotelszene wie in München, die über 5-Sterne-Konkurrenten wie das moderne Andaz, den Klassiker Bayerischer Hof oder den Service-Meister Mandarin Oriental verfügt, reicht ein schönes Gebäude in guter Lage längst nicht aus.


1. Konzept

Der erste Eindruck bleibt. Die Idee, ein sehr modernes Interieur in ein so historisches Gebäude zu setzen, finde ich spannend. Das schafft einen erfrischenden Kontrast zu den traditionelleren Hotels in der Stadt. Die echten Holzböden, das offene Mauerwerk und die modern-minimalistischen Design-Möbel erzeugen eine gelungene Mischung zwischen fast schon asiatisch-reduziertem Understatement und europäischer Eleganz.

Doch strahlt die Gestaltung bei aller Qualität ein Stück weit genau das aus, was ich – und mutmaßlich viele andere Business-Gäste – mit der Marke Sofitel verbinde: eine durchaus hochwertige, letztlich aber eher distanzierte, anonyme Routiniertheit – kurzum Prozess statt Haltung. Das Hotel wirkt, jedenfalls in meiner subjektiven Wahrnehmung und im Vergleich mit Hunderten anderer Business-Hotels, zeitgeistig schick und ausgesprochen professionell – aber nicht sonderlich charmant.


2. Ausstattung

Die Gestaltung der 339 Zimmer und 57 Suiten erinnert je nach Kategorie hier und da ein wenig ans edle Farbschema des Mandarin Oriental – nur die Qualität ist dann doch nicht vergleichbar. Das ist auch völlig in Ordnung, denn ein Zimmer beim deutlich kleineren, aber feineren Konkurrenten kostet im Schnitt beinahe das Dreifache der zirka 200 Euro für ein Standard-Zimmer, die man hier bezahlt.

Die Räume sind abwechslungsreich gestaltet: Sogar Suiten mit Schlafzimmer-Galerie auf einer zweiten Ebene gibt es. Und in einigen der größten Zimmer prangt originelle, großformatige Kunst an den Wänden. Auch die Badezimmer der teureren Suiten sind mit ihren Mosaikfliesen und freistehenden Badewannen für die eine oder andere Überraschung gut.


Modern und zum Teil minimalistisch-hochwertig gestaltet sind die Konferenzräume und Business-Facilitys, die für einen großen Teil der Zielgruppe durchaus von Bedeutung sein dürften. Der „So Spa“ wirkt auf mich dagegen geradezu pompös und ist dazu erstaunlich groß. Mit beheiztem Pool in ungewöhnlicher Spiralform, Dampfbad, Sauna und hochmodernen Behandlungsräumen stimmt auch hier die Ausstattung. Die Auswahl an Behandlungsmöglichkeiten ist beinahe erschlagend umfangreich, die Preise mit etwa 105 Euro pro Behandlungsstunde klassenüblich.

Keine Frage: In puncto Design und Komfort ist das Sofitel München Bayerpost ein vollwertiges, durchdachtes 5-Sterne-Hotel, das vor allem technisch auf dem neuesten Stand ist – abgesehen vom kaputten Teekocher, aber das kann überall mal passieren.


3. Service

Der Service des Sofitel ist der Kategorie zwar ebenfalls angemessen, aber sicher kein Alleinstellungsmerkmal. Der Check-in verläuft erfreulich professionell und unkompliziert. Der Concierge dagegen überschlägt sich, als ich ihm eine einfache Frage stelle, nicht gerade vor Herzlichkeit. Das ist inkonsequent: Wenn ein 5-Sterne-Haus einen solchen Service anbietet, dann doch, um sich damit positiv abzuheben. Ein echter Concierge muss für den Gästekontakt brennen und sich als Botschafter des Hotels verstehen, nicht lapidar und unpersönlich die allernötigsten Auskünfte erteilen – Chance vertan.

Suboptimal ist auch die Erreichbarkeit: Beim Versuch, vom Zimmer die Rezeption für eine Reservierung anzurufen, muss ich mich erst durch ein endloses, sprachgesteuertes Menü kämpfen, bis ich endlich zu einem Mitarbeiter durchgestellt werde. Oder vielmehr: würde, denn es hebt niemand ab. Das ist Technik, die nicht aus Gastsicht gedacht ist. Kann passieren, nervt aber.

Weitaus mehr störe ich mich daran, dass ich von einigen Mitarbeitern anders behandelt werde als andere Gäste. Einerseits freue ich mich ja darüber, wenn ich innerhalb der Branche erkannt und mit Namen angesprochen werde. Dass der Prozess so gut funktioniert und man als Gast hier keine Angst haben muss, auf dem Trockenen zu sitzen, ist prima. Wenn ich aber beim Frühstück alle drei Minuten wieder dieselbe Getränkefrage beantworten muss, ist das zu viel. Es wirkt auf mich, als ob man mir eine Extrawurst brät, anstatt sich um jeden Gast gleichermaßen gut zu kümmern. Schön ist auch, dass der Duty Manager mich persönlich begrüßen kommt – aber warum nur mich?

Beim Check-out erlebe ich schließlich auch, warum die Strukturen den Mitarbeitern manchmal einfach zu wenig Luft für eine individuellere Gastorientierung lassen. Die junge Dame, die mich betreut, macht ihre Sache wirklich professionell und sogar herzlich. Doch mitten im Prozess kommt ein Supervisor dazu, pfuscht ihr ins Handwerk und bleibt den gesamten restlichen Ablauf über dort stehen. Dabei drängt er mir ein Gespräch auf, das einfach nicht authentisch wirkt – wenn auch sicher im Bemühen, sich bestens um den Branchenkollegen zu kümmern. Gut gemeint, aber nicht gut gemacht: Das nervt mich als Gast eher, als der ich nun mal hier bin. Und der Mitarbeiterin nimmt es die Freiheit, ihre Qualitäten auszuspielen.


4. Gastronomie

Das Frühstücksbuffet im Sofitel München Bayerpost ist in Ordnung. Es enthält alles, was zu einem 5-Sterne-Frühstück zwingend dazugehört und erwartet werden darf. Mehr allerdings auch nicht: Was die Qualität, vor allem aber die Auswahl betrifft, habe ich gerade in München schon deutlich Besseres gesehen – besonders, wenn man den happigen Preis von 40 Euro pro Person berücksichtigt.

Was mir hier – und, das sei der Fairness halber angemerkt, in der Mehrzahl aller Hotels – vor allem fehlt, ist das gewisse Etwas. Es ist eigentlich nicht schwer, einem Hotelfrühstück einen kleinen Kick zu geben. Ein regionaler Bezug ist leicht hergestellt, gerade in einer kulinarisch reichen Stadt wie München. Konkurrenten wie das Mandarin Oriental warten mit einem bayerisch inspirierten Frühstück auf, das dem Hotel eine individuelle Note verleiht und den Gästen im Gedächtnis bleibt.

Ein Kritikpunkt ganz anderer Natur ist die technische Umsetzung des Buffets: Es ist für ein so großes Hotel zu eng gebaut, sodass die Gäste einander unweigerlich im Weg stehen.


5. Gut ist manchmal nicht gut genug

Keine Frage: Das Sofitel München Bayerpost ist ein gutes Hotel. Ein sehr gutes Hotel ist es nicht. Meiner Meinung nach ist es im Vergleich zu manchen Konkurrenten am Ort auch kein ausgewachsenes „Luxushotel“, wie ich es mir vorstelle, sondern ein Corporate-Hotel mit fünf Sternen. Ich nehme durchaus wahr, dass viele Mitarbeiter sich trotz der Größe des Hotels um eine persönliche Note bemühen und ihre Sache dabei auch gut machen, aber der Versuch ist doch erkennbar in Prozesse eingefasst. Das ist zwar nichts Ungewöhnliches in einem Kettenhotel, aber es gibt eben Häuser, in denen das besser gelingt, und die darüber hinaus eine klar erkennbare individuelle Note mitbringen.

Carsten K. Rath
Carsten K. Rath ist Vortragsredner und Management-Berater zu den Themen Service- und Leadership Excellence.Als ehemaliger Grand Hotelier bereist er Hotels auf der ganzen Welt und beschreibt seine Eindrücke auf seiner Reiseplattform www.travelgrand.ch.



stats