Kreativ durch die Krise: Fünf Mutmacher-Konze...
Kreativ durch die Krise

Fünf Mutmacher-Konzepte aus Oberbayern

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Mutig in der Krise: So zeigen sich die "Tourismushelden" des Tourismus Oberbayern München
Mutig in der Krise: So zeigen sich die "Tourismushelden" des Tourismus Oberbayern München

Die Corona-Pandemie hat die Tourismusbranche schwer getroffen: Auch in Oberbayern hat die Krise für tiefe Einschnitte gesorgt. Doch zugleich haben die Menschen vor Ort trotz – oder gerade wegen – der Krise Mut bewiesen. Die kreativen Konzepte, die dabei entstanden sind, ebenso wie den Pioniergeist und den persönlichen Einsatz von Hoteliers und Gastronomen, zeigt die Kampagne "Tourismushelden" des Tourismus Oberbayern München.

Die Mutmacher-Geschichten aus Oberbayern handeln etwa von einem innovativen Start-up, das Hotel-Abos für neue Zielgruppen buchbar macht, einem jungen Bierbrauer, der sich trotz Event-Absagen und geschlossener Gastronomie nicht entmutigen lässt, oder einem Traditionsbetrieb, der mit der Zeit geht.

"All die Protagonisten dieser Geschichten zeigen, dass der Tourismus zukunftsfähig ist", so Oswald Pehel vom Tourismus Oberbayern München (TOM). "Corona ist für viele auch eine Kreativitäts- und Innovations-Schmiede, aber auch Beschleuniger für viele Entwicklungen. Krisen werden auch dadurch gemeistert, neue Wege zu gehen und sich nicht nur auf Hilfen und Zuschüsse zu verlassen."

Mutmacher 1: Tannerhof nutzt Zeit zur Erneuerung

In den 115 Jahren seines Bestehens hat der Tannerhof schon mehrfach Krisen überstanden und sich dabei nicht selten ein bisschen neu erfunden. Auch die Corona-Pandemie wurde von dem engagierten Team rund um Burgi von Mengershausen und Roger Brandes als Chance für Erneuerung gesehen. Seit 2004 leiten die beiden das Naturhotel in Bayrischzell.

Leben den Wandel: Burgi von Mengershausen und Roger Brandes

Brandes versteht sich dabei auch als Intendant für den Wandel: „Auch wenn neun Monate Lockdown eine emotionale, anstrengende Achterbahn waren – wir wollten diesen Zeitraum für kreative und bauliche Verbesserungen nutzen und konnten so endlich unser Azubiprojekt durchführen“, sagt er. Dazu zählten nicht nur die „ungestörte“ Einarbeitung an der Rezeption, sondern auch die Einrichtung eines neuen Fish-Dog-Standls vor der Schlierseer Fischerei und viele weitere Aufgaben. Überhaupt hat sich der Tannerhof mit seinem Konzept als "cooles" Bergdorf, das Fasten, Gesundheit, Spa, Essen und Genuss vereint, so gut aufgestellt, dass es an Buchungsnachfragen zumindest nicht mangelt. 

Mutmacher 2: Bachmair Weissach initiiert neue Konzeptidee

Events in Corona-Zeiten? Schwierig. Doch Hotelier Korbinian Kohler vom Spa & Resort Bachmair Weissach am Tegernsee reagiert auf die massiven Einbrüche im Eventbusiness nicht mit Rückzug, sondern mit einem mutigen "Jetzt erst recht!" und einer neuen Konzeptidee: Im Sommer 2022 will er mit „Tegernsee phantastisch“ ein, wie er es nennt, „außergewöhnliches Edutainment-Highlight der Weltklasse“ eröffnen, das großen und kleinen Besuchern den Lebensraum Tegernsee mit seiner Kultur und seinen Traditionen in all ihrer Vielfalt spielerisch näherbringen möchte. Auf 2700 Quadratmetern soll es eine Erlebniswelt geben, die mit Lernstationen und Aktivangeboten den Tegernsee als einzigartige Destination erlebbar macht.

Mutmacher 3: Start-up entwickelt Hotel-Abos für Berufstätige

Manche Touristiker hat Corona zum Aufgeben gezwungen – Kilian Ricken und seine beiden Mitstreiter vom  Münchner Start-up MyFlexHome sind dagegen erst durch die Krise auf ihre neue Geschäftsidee gekommen und haben sich im August 2021 als Quereinsteiger im Tourismussektor selbstständig gemacht.

Passend zur neuen hybriden Arbeitswelt mit mehr Homeoffice und weniger Präsenz im Büro haben die drei Gründer eine Vermittlungsplattform für maßgeschneiderte Hotel-Abos entwickelt, die Mitte Februar mit den ersten zehn Hotels in München an den Start geht.

Münchner Start-up: Kilian Ricken (Mitte) mit seinen beiden Mitstreitern von MyFlexHome

Die Idee, mit der MyFlexHome auch den Gründerwettbewerb „Start?Zuschuss!“ des Bayerischen Wirtschaftsministerium gewann: Arbeitnehmer können hier für die notwendigen Bürotage Übernachtungen im Hotel zum konstanten Preis buchen statt eine monatliche Miete und Steuern für eine Zweitwohnung zu zahlen. „Wir haben das 2020 im Freundeskreis selbst erlebt, dass immer mehr Menschen lieber im Grünen leben und nur noch einzelne Tage ins Büro in die Stadt wollen. Wir machen das günstig und mit besonderem Service möglich“, so Co-Founder Kilian Ricken. „Auch die Hotels profitieren, denn sie können den Rückgang an Geschäftsreisen so zumindest teilweise kompensieren.“

Mutmacher 4: Café setzt auf Outdoor-Kühlschrank

Auch Elisabeth Schwojer, deren knallig-pinkes Café Elisabeth’s Platzerl ein beliebter Treffpunkt in der oberbayerischen Kreisstadt Miesbach ist, begegnete mutig den Herausforderungen der Pandemiezeit. Weil die Gäste im Lockdown nicht mehr ins Café durften, stellte Elisabeth Schwojer kurzerhand den pinkfarbenen Kühlschrank, das "Schmankerlschrankerl", hinaus, gefüllt mit Getränken und selbstgekochten Gerichten im hygienischen Weckglas. Suppen, Salate und köstliches Eis finden seither guten Absatz.

Das Schmankerlschrankerl: Elisabeth Schwojer vom Café Elisabeth’s Platzerl setzt auf Leckeres in Weckgläsern

Inzwischen ist auch der Café-Betrieb wieder angelaufen, und das als reiner Familienbetrieb: Täglich von 7 bis 14 Uhr ist das „Fensterl“ geöffnet, aus dem Elisabeth und ihre Töchter Magdalena und Anna Kaffeespezialitäten und andere Speisen zum Outdoor-Genuss auf bunten Bänken anbieten. „Die Pandemie hat uns Gelegenheit gegeben, Dinge zu überdenken und Neues auszuprobieren“, so Schwojer.

Mutmacher 5: Brauerei-Gründung in der Krise

Auch für Max Vetter aus Oberbergkirchen war der Beginn der Pandemie erstmal ein Schock: Mit Freunden wollte er seinen Traum verwirklichen und eine eigene Brauerei aufbauen, die Pläne waren bereits ausgearbeitet. Dann sprangen die Mitstreiter ab.

Doch das hielt den 31-jährige Bierbrauer nicht ab: Unter dem Dach der Genossenschaftsbrauerei Gut Forsting brachte Max Vetter sein eigenes Bier Innbräu auf den Markt – mit Erfolg. Trotz der aktuell schwierigen Situation im Gastgewerbe gelingt es dem Jungunternehmer, mit viel persönlichem Einsatz Gastwirte von seinem Produkt zu überzeugen, idamit diese es in den Ausschank nehmen. Und auch regionale Getränkehändler kommen zunehmend auf den Geschmack der mittlerweile vier Innbräu-Biere. Vetters Ziel ist klar: „Ich muss nicht nach Hamburg oder Berlin liefern, ich will, dass mein Bier hier in der Region getrunken wird.“

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