Lebensmittelpreise steigen: Inflation auf höc...
Lebensmittelpreise steigen

Inflation auf höchstem Stand seit fast 30 Jahren

IMAGO / Martin Wagner
Inflation: Die Verbraucherpreise steigen überdurchschnittlich
Inflation: Die Verbraucherpreise steigen überdurchschnittlich

Die Inflation in Deutschland ist im Dezember auf den höchsten Stand seit fast 30 Jahren gestiegen. Die Verbraucherpreise legten gegenüber dem Vorjahresmonat um 5,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Eine höhere Teuerungsrate war zuletzt im Juni 1992 mit damals 5,8 Prozent gemessen worden.

Analysten wurden vom erneuten Anstieg der Teuerung in Deutschland überrascht. Sie hatten mit einem leichten Rückgang der Inflationsrate auf 5,1 Prozent gerechnet. Im November hatte die Jahresrate bei 5,2 Prozent gelegen.


Bei der europäischen Berechnungsmethode (HVPI) gab es hingegen einen Rückgang der Inflationsrate. Hier meldet das Bundesamt für Dezember eine Jahresrate von 5,7 Prozent, nach 6,0 Prozent im November.

Anstieg bei Lebensmittelpreis

Besonders tief mussten die Menschen in Deutschland Ende des vergangenen Jahres erneut für Energie in die Tasche greifen. Haushaltsenergie verteuerte sich innerhalb eines Jahres um 18,3 Prozent. Überdurchschnittlich stark ist auch der Anstieg bei den Preisen von Lebensmitteln ausgefallen. Hier betrug der Zuwachs 6,0 Prozent im Jahresvergleich.

Angeheizt wurde die Teuerung in Europas größter Volkswirtschaft im vergangenen Jahr vor allem von rasant gestiegenen Energiepreisen im Zuge der weltweiten Konjunkturerholung nach der Corona-Krise 2020.

Zugleich schlug die Rücknahme der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung durch: Seit Januar 2021 gelten wieder die regulären Steuersätze, Waren und Dienstleistungen wurden im Jahresvergleich also tendenziell teurer. Hinzu kamen Materialmangel und Lieferengpässe sowie die Einführung der CO2-Abgabe Anfang 2021 von 25 Euro je Tonne Kohlendioxid, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht. Seit Beginn des laufenden Jahres werden 30 Euro je Tonne fällig.

Könnte länger dauern

Wie das Statistische Bundesamt nach bisher vorliegenden Ergebnissen weiter mitteilt, wird die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt 2021 voraussichtlich bei 3,1 Prozent liegen. Nach Einschätzung von Ökonomen könnte es etwas länger dauern, ehe die vergleichsweise hohen Teuerungsraten wieder sinken. Sie rechnen auch im Gesamtjahr 2022 mit einer Drei vor dem Komma bei der Jahresinflationsrate. Zwar entfällt der Mehrwertsteuereffekt, Wirtschaftsforschungsinstitute wie das Ifo-Institut und das Institut für Weltwirtschaft verweisen aber auf anhaltende Lieferengpässe, die Herstellungskosten erhöhen.

Die Inflation ist der wichtiger Gradmesser für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank strebt für den Währungsraum der 19 Länder eine jährliche Teuerungsrate von 2 Prozent an und ist zumindest zeitweise bereit, ein moderates Über- oder Unterschreiten dieser Marke zu akzeptieren.

Auch nach Einschätzung der Währungshüter müssen die Verbraucher im Euroraum noch eine Weile mit höheren Teuerungsraten leben. Die Inflation werde eine gewisse Zeit lang hoch sein, aber im Laufe des Jahres 2022 zurückgehen, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel jüngst in einem Interview: "Weniger sicher sind wir uns darüber, wie schnell und wie stark der Rückgang sein wird."



Dieser Text erschien zuerst auf www.food-service.de.

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