Corona-Exit: Mäßige Wiedereröffnung ohne Pool...
Corona-Exit

Mäßige Wiedereröffnung ohne Pools, Wellness und Schweizer Gäste

Elztalhotel
Empfängt ab 10. Juni wieder Gäste: Das Elztalhotel im südbadischen Winden. Am 6. Juni sollen Pools und Wellnessbereiche in Baden-Württemberg wieder öffnen dürfen.
Empfängt ab 10. Juni wieder Gäste: Das Elztalhotel im südbadischen Winden. Am 6. Juni sollen Pools und Wellnessbereiche in Baden-Württemberg wieder öffnen dürfen.

Die Hoteliers im Südwesten drängen auf rasche Öffnung ihrer Pools und Wellnessanlagen. In Südbaden fiebern die Betriebe dem 15. Juni entgegen, wenn wieder Gäste aus der Schweiz kommen dürfen.

STUTTGART. Der Dehoga Baden-Württemberg drängt die Landesregierung mit allem Nachdruck darauf, die Bäder und Wellnessanlagen in den Hotels des Landes umgehend wieder öffnen zu dürfen.

„Wir erwarten terminliche und praktisch umsetzbare Perspektiven zur Wiedereröffnung der Wellnessbereiche und Bäder in der Hotellerie. Das ist für die meist familiengeführten Betriebe im Südwesten enorm wichtig“, sagte Dehoga-Pressesprecher Daniel Ohl zur ahgz.

Ohl befindet sich damit im Einklang mit Baden-Württembergs Tourismusminister Guido Wolf (CDU), der sich bereits am 28. Mai in einer Presseerklärung stark gemacht hatte für eine Öffnung der Hotelbäder zum 6. Juni, wenn auch die öffentlichen Frei- und Hallenbäder – unter strengen Auflagen - wieder öffnen dürfen.

Gift für das Urlaubsland Baden-Württemberg

Ohl: „Es ist derzeit ein großes Problem für viele Häuser im Land, wenn sie Buchungsanfragen nicht zuverlässig beantworten können. So etwas ist für das Urlaubsland Baden-Württemberg Gift, da gerade die Wellnessanlagen und Bäder der Häuser mit die wichtigsten Buchungsgründe sind. Wir erwarten eine rasche Entscheidung in einer Weise, die auch für den Gast akzeptabel ist."

Tourismusminister Guido Wolf führte in seiner Pressenotiz unter anderem aus:"Mindestens Schwimmbäder in Hotels sowie Heil- und Thermalbäder sollten direkt am 6. Juni wieder öffnen dürfen. Die Lenkungsgruppe hat ein interministerielles Konzept zur Bäderöffnung gebilligt. Die entsprechenden rechtlichen Regelungen müssen daher schnell auf den Weg gebracht werden. Für die durch die Krise schwer getroffenen Hotels zählt jeder Tag, an dem sie ihre Hotels, wenn auch eingeschränkt, wieder öffnen können. Solange Wellnessbereiche in den Hotels noch geschlossen bleiben müssen, bedeutet dies weiterhin erhebliche Einbußen für diese Betriebe."

Wie es in der Praxis aussieht, schildern in einem Brief an die ahgz Ulrike und Bernd Tischer vom Elztalhotel im badischen Winden. Das 4-Sterne-Haus ist eines der führenden Ferienhotels im Schwarzwald. Die Inhaber schreiben unter anderem: „... hatten wir bis zur Schließzeit am 18. März noch eine Belegung von über 80 Prozent, stornieren jetzt auch die Sommergäste ihren Jahresurlaub und buchen bei den Kollegen, die den Wellnessbereich öffnen dürfen.

Wir haben in den vergangenen vier Jahren mehr als 12 Mio. Euro in unser Hotel investiert. In allen Bereichen sind wir hygienetechnisch auf dem neuesten Stand und vor allem auch mit sehr viel Abstand. Für unser Ferienhotel, bei dem wir zu 99,9 Prozent von unseren Wellnessgästen leben, wäre die Öffnung der Schwimmbäder überlebensnotwendig. Hier gibt es keine Stunden- oder Tagesgäste, keine Massenansammlung. Unser 6000 Quadratmeter großer Wellnessbereich hatte bis März 2020 bei voller Auslastung maximal 200 Gäste, also 30 Quadratmeter pro Hotelgast.“

"Ein hartes Brot für alle"

Im Gespräch mit der ahgz versichert Ulrike Tischer, dass sie selbst bei voller Hotelbelegung Mindestabstände garantieren könne. Die Leitung des Elztalhotels sei schon immer optimistisch aufgestellt, doch derzeit sei es "ein hartes Brot für alle". Außer dem Kurzarbeitergeld habe es für das Hotel bis zum 29. Mai keinerlei finanzielle Hilfen von Bund und Land gegeben. Wegen der geschlossenen Bäder werde das Elztalhotel erst am 10. Juni wieder öffnen. Fünf Tage später dürfen Touristen aus der Schweiz wieder nach Baden-Württemberg kommen. Für das Gastgewerbe in Südbaden seit jeher eine wichtige Klientel.

Die Gastronomin und Hotelbetreiberin Alexandra Mußler vom Storchen in Rheinfelden-Riedmatt bringt es auf den Punkt: "Die Schweizer fehlen absolut. Ich bin gottfroh, wenn der 15. Juni da ist." Ihr Betrieb liegt 200 Meter vom Rhein und damit von der Schweizer Grenze entfernt.

Bekanntermaßen sind die südbadischen Restaurants und Wirtshäuser wie auch der Einzelhandel stark abhängig von Schweizer Kunden – letzterer generierte laut IHK Konstanz-Bodensee im vergangenen Jahr zwischen Weil am Rhein und Konstanz einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Südbadens Gastronomen blicken deshalb mit bangem Erwarten auf den Stichtag am 15. Juni, wenn nicht nur für den Urlaubstourismus, sondern erstmals seit dem 17. März auch für den kleinen Grenzverkehr die Grenzübergänge wieder geöffnet werden.

Denn die erste Woche nach der Wiedereröffnung in Baden-Württemberg am 18. Mai war für Mußler trotz langem Wochenende "nicht der Burner": Am Samstag seien gerade drei Tische besetzt gewesen. Christian Herzog, mit seinem Ringhotel Goldener Knopf in Bad Säckingen direkt am Rheinufer und nur 50 Meter von der historischen Holzbrücke zur Schweiz entfernt, setzt ebenfalls sehr auf den 15. Juni. Er rechne zwar nicht damit, dass die Schweizer gleich nach Grenzöffnung in Scharen wieder nach Deutschland strömen: „Aber ich hoffe auf eine gewisse Reisefreudigkeit.“

Ebenso warte er aber auf Lockerungen der Hygienemaßnahmen, wie sie in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz schon erfolgt seien. Der Betrieb in der ersten Woche sei eine „Katastrophe gewesen“, sagt Herzog: „Viele Gäste fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Sie verstehen die Logik nicht, dass sie am Tisch keinen Mundschutz brauchen, ihn aber anziehen müssen, wenn sie sich im Restaurant bewegen.“ Wenige Schweizer Kunden habe er bereits gehabt, illegal über die kaum noch bewachte Grenze gekommen oder legal auf Verwandtenbesuch in Deutschland, die es abgelehnt hätten, sich von Mitarbeitern mit Mundschutz bedienen zu lassen.

„Solange die Grenze geschlossen bleibt, läuft nichts“

Das Schlosshotel Beuggen in Rheinfelden-Beuggen wird erst am 30. Juni öffnen, wie Pächter Erhan Kamci auf der Homepage mitteilt. Auch Andreas Ott von Ott’s Leopoldshöhe in Weil am Rhein wünschte sich, er hätte gar nicht aufgemacht: „Solange die Grenze geschlossen bleibt, läuft nichts.“ 4500 Euro Umsatz habe sein Restaurant unweit der Endhaltestelle des Trams 8 aus Basel, das ihm normalerweise viele Schweizer Kunden direkt vor die Tür bringt, vom Dienstag bis Sonntagnachmittag der ersten Woche gemacht.

Für Ott begann der Corona-Shutdown bereits Ende Februar, als die Basler Fasnacht abgesagt wurde: „Damals habe ich die ersten 25.000 Euro verloren.“ Aber auch er rechnet nicht mit einem Ansturm am 15. Juni: Auch in der Schweiz, wo die Gastronomie schon am 11. Mai wieder öffnen durfte, sei der Besuch derselben noch sehr verhalten.

Bei Mike Kiefer vom Löwen in Zell im Wiesental, 30 Kilometer von der Grenze entfernt aber durch die S-Bahn direkt an Basel angeschlossen, machen die Schweizer die Hälfte des Umsatzes aus. Über Gutscheine seien auch von vielen Schweizer Stammgästen in einer Woche 20.000 Euro zusammengekommen. Deshalb ist er verhalten optimistisch: Die Öffnung seit 18. Mai sei „besser als nichts“. Diese Rückmeldung habe er als Lörracher Dehoga-Kreisvorsitzender auch von anderen Kollegen erhalten. Auch er hat in der ersten Woche beobachtet, dass die Gäste verunsichert seien, mit wieviel Personen sie an den Tisch sitzen dürften und ob sie für den Gang zur Toilette Mundschutz anziehen müssten. Nur ein Gästepaar habe sich geweigert, seine Adresse anzugeben: „Die mussten wir dann wieder wegschicken.“ Hannes Kuhnert/Boris Burkhardt

Exkurs: Versicherungen in Südbaden

Wie überall in Deutschland weigern sich auch die Betriebsschließungsversicherungen südbadischer Gastronome zu zahlen. Während die Bad Säckinger Dehoga-Kreisvorsitzende Alexandra Mußler vom Storchen in Rheinfelden die 15 Prozent unter Erpressung der Versicherung akzeptierte und unterschreiben musste, dass sie in Zukunft nicht mehr fordern werde, hat sich ihr Lörracher Amtskollege Mike Kiefer vom Löwen in Zell im Wiesental der Düsseldorfer Anwaltskanzlei Wilhelm anvertraut, die bereits bis zu 700 Einzelklagen gegen Versicherungen vertritt, wie Inhaber Mark Wilhelm bestätigt. Heinrich Mack von der Alten Post in Müllheim im Markgräflerland setzt auf die Verhandlungsmacht seines Versicherungsmaklers, der sich auf Hotellerie spezialisiert hat. Ein Wirt und Hotelier, der nicht namentlich genannt werden will, berichtet sogar, er habe noch wenige Wochen vor dem Shutdown eine neue Zusatzversicherung abgeschlossen, die explizit Covid-19 beinhalte: Den Ausfall im Restaurant zahle die Versicherung zum vereinbarten Prozentsatz; beim Hotel jedoch lehne sie jede Zahlung ab, weil es ja nicht geschlossen gewesen sei. „Dass trotzdem keine Gäste da waren, interessiert sie natürlich nicht“, ärgert sich der Wirt. (bob)

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