Markenhotellerie

Ruby hat New York im Visier

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Michael Struck: Founder und CEO der Ruby Hotels
Michael Struck: Founder und CEO der Ruby Hotels

Wenige Monate nach dem Restart der Hotellerie in Deutschland wird die starke Expansion von Ruby Hotels deutlich. Die genauen Pläne erläutert Gründer und CEO Michael Struck im Gespräch mit Rolf Westermann. 

 


Michael Struck, Gratulation zur Auszeichnung Hotelimmobilie des Jahres für das Ruby Luna in Düsseldorf. Es ist das dritte Hotel in der NRW-Landeshauptstadt. Wodurch unterscheidet es sich von den anderen elf Ruby-Hotels?
Jedes Ruby Hotel hat seinen eigenen Charakter und eine eigene Geschichte, die es erzählt. Ruby Luna ist in einem ehemaligen Bürogebäude von Anfang der 1960er-Jahre zu Hause, das in seiner Zeit architektonisch richtungsweisend war, mitten im Düsseldorfer Bankenviertel. Damals beherbergte das Gebäude, und noch lange Zeit danach, das Stammhaus der Commerzbank, sodass das Gebäude auch eine wichtige Rolle im Wirtschaftswunder‘ gespielt hat. Der damalige Zukunftsoptimismus, genauso wie der Glaube an die Wissenschaft als Motor echten Fortschritts, hat uns inspiriert, und so prägen die Stilelemente des Space Age das Hotel genauso wie Anspielungen an den damaligen wirtschaftlichen Aufbruch.
Michael Struck

Geboren: 1973 / Boston (USA)

Ausbildung: London School of Economics, University of California Berkeley, Universität St. Gallen

Stationen:

  • The Boston Consulting Group, Schörghuber Holding (2003 – 2008)
  • Design Hotels (2006-2008)
  • Arabella Starwood Hotels & Resorts (2008-2010)
  • Cosmopolitan Estates (2009-2010)
  • Gold Inn (2010-2012)

Heutige Position: Founder & CEO Ruby GmbH (seit 2012)

Ruby Luna liegt in einem denkmalgeschützten ehemaligen Commerzbank-Hochhaus aus den 1960er-Jahren. Ist die Konversion von Immobilien das städtebauliche Mittel der Zukunft, und stellt sie eine Chance für die Hotellerie dar?
Kurz gesagt, ja. Ruby ist mit seiner modularen Planungs- und Bauweise von Anfang an als ein idealer Partner für die Konversion von Bestandsimmobilien konzipiert. Wir bieten unseren Entwicklungspartnern ein hohes Maß an Flächenflexibilität, Investitions- und Flächeneffizienz.

Ihr Motto ist Lean Luxury. Am Anfang wurde ein Waschbecken neben dem Bett kritisiert. Wie haben Sie die Hotels seit der Unternehmensgründung 2013 weiterentwickelt?
Schönerweise haben unsere Gäste das anders gesehen als die selbsternannten Experten von damals. Das Auflösen konventioneller Bad-Konzepte ist weiterhin eines unserer Mittel, um Raumgefühl und Flächeneffizienz miteinander zu verbinden, und dazu gehören weiterhin auch sichtbare Waschbecken im Zimmerbereich. Solange sie gut gestaltet sind - wir halten dazu unter anderem einen Respekt-Abstand vom Bettkopfteil - haben unsere Gäste damit kein Problem. Anderes haben wir in der Tat verändert, so wird es die gläsernen WC-Türen in zukünftigen Ruby Hotels nicht mehr geben. Genauso wie sich die Anforderungen unserer Zielgruppe weiterentwickelt haben, hat sich unser Lean Luxury Angebot weiterentwickelt. In der Tat hat sich unsere Guest Journey an fast allen Stellen in den letzten Jahren verändert. Im Zimmer beispielsweise durch Bring-Your-Own-Device Lösungen, um eigenen Content auf dem Zimmer-TV streamen zu können. Wir nutzen Messaging Services vor, während, und nach dem Gastaufenthalt, um unsere Gäste zur richtigen Zeit mit den richtigen Informationen zu bedienen, und gleichzeitig einen weiteren Dialogkanal für sie zu öffnen. Wir haben ein Resident Artists Programm für Musiker aufgebaut, mit dem wir das Programming in unseren Bars bereichern. Das sind nur wenige Beispiele von vielen, und in den nächsten Monaten kommt noch einiges mehr. Wir haben die Lockdowns genutzt, um uns weiterzuentwickeln. Viele unserer Gäste gehören zur Avantgarde, und unser Anspruch ist daher genau so, immer einen Schritt weiter zu sein, und möglichst zwei Schritte weiterzudenken.

„Wir sind stark aufgestellt, personell wie finanziell, und können jetzt die Chancen nutzen, die diese Krise für Betreiber wie uns bietet.“
Michael Struck, Ruby Hotels.
 

Ihr Fokus liegt auf Hotels in großen Städten. Ist dieses durch die Coronapandemie erschüttert worden, weil Städte beim Restart Schwierigkeiten haben?
All unsere Hotels sind wieder gut angelaufen. In Städten mit hohen Leisure-Anteilen wie beispielsweise Wien können wir mittlerweile wieder Auslastungsquoten von über 80 Prozent verzeichnen. Frankfurt und Düsseldorf mit ihren hohen Anteilen an Geschäftsreisenden und Messegeschäft haben noch Luft nach oben, aber wir sind zuversichtlich, dass auch hier die Belegungsraten weiter steigen.

Auf der Immobilienmesse Expo Real wurde deutlich, dass Banken bei der Finanzierung zurückhaltender geworden sind. Wie betrifft Sie diese Entwicklung? 
Ruby selbst ist weitgehend eigenkapitalfinanziert. Bleibt natürlich die Auswirkung der aktuellen Bankenzurückhaltung auf die Hotelimmobilienentwicklung. Dabei helfen uns zwei Umstände: Erstens gibt es Banken mit Hotelexpertise, die dadurch genauer zwischen den geplanten Betreibern einer Hotelimmobilienentwicklung differenzieren können. Unser Nischenfokus, zumal in einem krisenresilienteren Preissegment, sowie unsere im Vergleich zu anderen Betreibern deutlich fixkostenärmeren Strukturen und Prozesse kommen uns in diesen Zeiten sehr zugute, denn sie reduzieren die Risiken nicht nur für uns als Betreiber, sondern dadurch mittelbar für die Kapitalpartner auf Immobilienseite. Zweitens sind Bestandsumnutzungen gemeinsam mit dem Bestandshalter und dessen finanzierender Bank in diesen Zeiten eine weitere, gute Möglichkeit, Projekte zu realisieren. Dabei hilft uns – neben den schon angesprochenen technischen Lösungen, die unseren Partnern Flächenflexibilität, Flächen- und Investitionseffizienz bieten – auch, dass wir als Generalplaner und -unternehmer solche Umnutzungen im Auftrag des Bestandshalters selbständig für ihn abwickeln können, und seine Risiken dabei durch Zeit- und Kostengarantien eingrenzen.

Sie sind ja auch ständig in Gesprächen mit Investoren. Sehen Sie dort grundsätzliche Änderungen der Investitionsbereitschaft und Strategie?
Die Investoren, mit denen Ruby eng zusammenarbeitet, haben schon vor der Pandemie verstärkt auf nachhaltige, krisenresiliente Segmente, Konzepte und Betreiber gesetzt, und tun das unverändert. Die Pandemie gibt ihnen Recht.

Ruby will stark wachsen, 18 Hotels sind in der Pipeline. Geht die Expansion angesichts der Probleme, die die Pandemie offengelegt hat, nicht zu schnell voran?
Ich nehme an, Sie meinen die Probleme der Branche als Ganzes. Die Situation ist aber sehr unterschiedlich von Segment zu Segment, und von Betreiber zu Betreiber. Ruby hat in dieser Krise seine Krisenresilienz bewiesen, und hat sich aus beiden Lockdowns schnell herausgearbeitet. Die Vorteile eines fokussierten, fixkosten- und somit risikoärmeren Ansatzes haben sich in der Krise bewährt, genauso wie eine Positionierung mit einem niedrigen Preiseinstiegspunkt und einem vorteilhaften Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir sind stark aufgestellt, personell wie finanziell, und können jetzt die Chancen nutzen, die diese Krise für Betreiber wie uns bietet.

Können Sie sich Übernahmen vorstellen?
Unsere gerade genannten Stärken beruhen auf Flächenkonzepten, Strukturen, Prozessen und Systemen, die uns von anderen Betreibern signifikant unterscheiden. Mit Übernahmen würden wir unsere Vorteile und Stärken verwässern, und uns die Nachteile und Schwächen konventioneller Hotelabläufe und Strukturen einkaufen. Das macht keinen Sinn.

 

Hotelimmobilie des Jahres: Ruby Luna in Düsseldorf.

Wie hat Ruby die Krise wegstecken können?
Insgesamt gut. Die Pandemie hat uns viel Geld gekostet, aber glücklicherweise haben wir starke Liquiditätsreserven und konnten so die Krise sogar nutzen, um unser Team und unsere Systeme weiter auszubauen.


Mit dem 2018 gegründeten Joint Venture Ruby Asia wollen Sie in Fernost expandieren. Wie ist der Stand?
Unsere Expansion in Asien zusammen mit der Betterwood Hotel Group geht weiter voran. Ruby Asia ist dabei, 2022 fünf weitere Hotels zu eröffnen, unter anderem in Schanghai, weitere Projekte sind in der Pipeline.

Ihr Konzept ist für große Städte weltweit gedacht. Welche weiteren Märkte finden Sie interessant?
Bei der Expansion stehen zunächst weiterhin die europäischen Metropolen und Hauptstädte im Fokus. Gerade haben wir den Markteintritt in Irland und Italien geschafft, in drei weiteren europäischen Ländern steht dieser Schritt kurz bevor.

Motel One geht 2022 nach New York. Ist das ein interessanter Standort auch für Ruby?
Ist es. Vor Corona waren wir dazu bereits in fortgeschrittenen Verhandlungen. Die werden wir bald wieder aufnehmen.

Die Raten in Deutschland sind deutlich niedriger als in vielen anderen Ländern. Auch Ruby ist oft unter 100 Euro in der Nacht zu buchen. Wie sehen Sie das Thema?
Wir wünschen uns, glaube ich, alle, dass die Raten in Deutschland dem internationalen Niveau näherkommen. Wenn und solange wir uns als Hoteliers immer weiter in unseren Produkten und der Kommunikation differenzieren, anstatt austauschbare Commodities über den Preis zu verkaufen, können und werden wir das Preisniveau steigern. Das gilt meines Erachtens ohne Einschränkung für alle Standorte und Preissegmente.

Worauf muss sich die Hotelindustrie in den kommenden Jahren einstellen?
Auf weiterhin zunehmenden Wettbewerb seitens der Parahotellerie. Was vollkommen in Ordnung ist, solange Waffengleichheit herrscht. Die gleichen Bedingungen sollten für alle gelten, was Normen, Sicherheitsanforderungen und Steuern anbetrifft.


Ruby Hotels

Gründung: 2013 von Michael Struck

Leitspruch: To make luxury affordable for everyone / Make it your own story

Größe: 12 Hotels (2.006 Zimmer), weitere 18 in Planung oder bereits im Bau

Standorte: Deutschland, Großbritannien, Österreich, Schweiz; im Bau: Italien und Irland

Gesellschafter: Michael Struck; ECE Group; Soravia Group; Franger Investment; Ocean Link, Michael Hehn.

Auszeichnungen: Das Hotel Ruby Luna in Düsseldorf wurde zur Hotelimmobilie des Jahres 2021 gewählt

 

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