Coronakrise: Marktdaten - Investoren warten a...
Coronakrise

Marktdaten - Investoren warten ab

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Dem Immobilienmarkt stehen die Corona-Folgen erst bevor: Im ersten Quartal 2020 wurden hierzulande noch zahlreiche Hotels und Hotelportfolios gehandelt.

Für mehr als 1 Mrd. Euro wurden hierzulande zwischen Januar und Februar Hotels verkauft. Auf diese Zahl kommt der Immobiliendienstleister Colliers International in seiner aktuellen Quartalsauswertung. Damit bewegte sich der deutsche Hotelinvestmentmarkt zum Jahresstart knapp unter Rekordniveau. Die Corona-Auswirkungen haben die Immobilienbranche noch nicht voll erreicht, stehen aber nach Angaben der Experten kurz bevor.

„Eine Entwicklung der Kaufpreise und Renditen für Hotelimmobilien ist zurzeit sehr schwer abzuschätzen“, sagt René Schappner, Head of Hotel bei Colliers. Die aktuell abwartende Haltung wurde auch bei einer von Colliers erhobenen Investorenbefragung bestätigt: 75 Prozent rechnen mit tendenziell sinkenden Hotelpachten, 77 Prozent mit sinkenden Kaufpreisen. Gleichzeitig bleiben viele Hotelbetreiber weiterhin auf Expansionskurs und erwarten, dass sich der Hotelmarkt nach einer Lockerung der Restriktionen innerhalb weniger Monate deutlich erholt.

Hoffnung auf schnelle Erholung



Allerdings wird der Shutdown im zweiten Quartal aller Voraussicht nach auch erst einmal auf den Immobilienmarkt durchschlagen. Darin sind sich Experten von Colliers und anderen Immobilienunternehmen einig. „Die Coronakrise hat zur Folge, dass Investitionsentscheidungen mit noch mehr Bedacht getroffen werden als zuvor. Wir erwarten, dass die Bonität der Hotelbetreiber mehr denn je Bedeutung erlangt“, sagt Heidi Schmidtke, Managing Director der Jones Lang La Salle Hotels & Hospitality Group (JLL).

Colliers und JLL gehen von einem erneuten Boom des Tourismus nach Corona aus – und der könnte auch Folgen für die Immobiliensparte haben. „Kapital ist vorhanden, und die Menschen werden ihre Reiselust nicht verlieren. Egal ob im In- oder Ausland“, ist Heidi Schmidtke überzeugt. Schwieriger einzuschätzen ist hingegen, wie sich das Segment der Geschäftsreisen nach der Krise entwickelt. Bei Colliers gibt man unter anderem zu bedenken, dass Corona eine mögliche Wirkung als „Digitalisierungsbeschleuniger“ in der Arbeitswelt habe, was sich auf die Zahl der Geschäftsreisen und Messebesuche negativ niederschlagen könnte.

Die Reisebranche verliert derzeit wöchentlich zirka 750 Mio. Euro Umsatz. 250.000 Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit. Viele Unternehmen werden nicht mehr lange überleben können, wenn der Shutdown noch lange andauert. Davor warnt der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA), Spitzenverband der Immobilienwirtschaft. Die Lage im Bereich der Hotellerie sei „dramatisch“, so der Verband in einer Stellungnahme.

Das Insolvenzrisiko in der Reisebranche wird vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit 40 Prozent als mehr als doppelt so hoch eingeschätzt wie in der Gesamtwirtschaft. „Die Branche benötigt jetzt dringend Termine und Rahmenbedingungen, um nach dem Ostergeschäft nicht auch noch das Sommergeschäft zu verlieren“, so Olaf Steinhage, Vorsitzender des ZIA-Ausschusses Hotelimmobilien. Nach einer DIHK-Umfrage beklagen derzeit über 90 Prozent der Unternehmen im Gastgewerbe und über 80 Prozent in der Reisewirtschaft einen kompletten Stillstand ihrer geschäftlichen Tätigkeit.

Kriterien für die Zeit nach dem Shutdown



Neben der drohenden Insolvenzwelle sei auch damit zu rechnen, dass das ohnehin knappe Hotelpersonal in andere Branchen abwandert und sich dadurch die wirtschaftliche Situation für viele Unternehmen weiter verschlimmert. „Zudem sind wir auf Saisonkräfte auch aus dem Ausland angewiesen. Bei Quarantänezeiten von bis zu 14 Tagen muss der Vorlauf dann noch früher beginnen“, so Steinhage.

Der ZIA steht für Gespräche mit der Politik bereit, um auszuloten, wie ein Exit aus dem Shutdown aussehen könnte. „Auch hinsichtlich möglicher Hygienevorschriften können wir gemeinsame Lösungen ‚mit Augenmaß‘ finden – etwa durch erhöhte Abstandsregeln im Restaurant und erhöhte Hygieneauflagen“, so Steinhage, der zugleich anmahnt: „Wir müssen den wirtschaftlichen Schaden für den Tourismus-Standort Deutschland durch einen vernünftigen Wiederaufnahme-Plan begrenzen.“rk

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