Marktdaten: Gäste haben Lust auf Meer
Marktdaten

Gäste haben Lust auf Meer

IMAGO / Christian Ohde
Seit Corona sind Ziele am Wasser besonders beliebt: Ostsee und Strand mit dem Bayside Hotel in Scharbeutz.
Seit Corona sind Ziele am Wasser besonders beliebt: Ostsee und Strand mit dem Bayside Hotel in Scharbeutz.

Zumindest auf den ersten Blick sind die Hotel-Kennzahlen für das gerade zu Ende gegangene erste Quartal 2022 überaus erfreulich: Nach Monaten, gar Jahren mit Rückgängen zum Vergleichszeitraum melden die Hotels in Deutschland endlich wieder durchgehend Zuwächse bei Belegung, Netto-Zimmerpreis und RevPar (Erlös pro verfügbarem Zimmer).


Laut den aktuellen Daten, die Fairmas und STR der ahgz exklusiv zur Verfügung gestellt haben (siehe Tabelle), hat sich die Belegung zwischen Januar und März 2022 im Vergleich zum Vorjahresquartal mehr als verdoppelt (+108,1%) auf 31 Prozent. Auch der durchschnittliche Zimmerpreis hat angezogen, und zwar um 17,9 Prozent auf 67,10 Euro. Beide Effekte haben den RevPar um 144,7 Prozent in die Höhe getrieben, auf nun immerhin 20,80 Euro.

Im ersten Quartal 2021 galt noch ein Lockdown

So schön es ist, dass die neuen Zahlen in den Erhebungen mit Pluszeichen versehen oder in optimistischem Grün dargestellt sind: Die positive Entwicklung wird dadurch relativiert, dass im Vergleichszeitraum vor einem Jahr im ganzen Land ein Lockdown galt, bei dem die Beherbergung von Touristen untersagt war. Das wird auch beim Vergleich der absoluten Werte der Kennzahlen für 2022 mit denen von 2020 deutlich: Gegenüber dieser Zeit liegen die Kennzahlen dieses Jahres immer noch deutlich im Minus. 2020 erreichte die Auslastung demnach 43,3 Prozent, die Rate 76,80 Euro und der RevPar 33,20 Euro.

Damals war das erste Quartal weniger massiv von der gerade akut gewordenen Pandemie betroffen, die ersten Beschränkungen traten seinerzeit in der zweiten Märzhälfte in Kraft. Aber selbst damals schlug im Vergleich zu 2019 schon ein heftiges Minus zu Buche: Im Jahr vor der Ausbreitung von Corona betrug die Auslastung 60,3 Prozent, der Zimmerpreis 82,20 Euro und der RevPar 49,60 Euro. Der Blick auf die Langzeitentwicklung macht die enormen Auswirkungen der Pandemie erst wirklich klar.

Lockerungen beflügeln den Aufwärtstrend

Trotzdem sind die Steigerungen in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres durchaus verheißungsvoll.Sie setzen ein Zeichen, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht. Dieses Jahr war ein Beherbergungsverbot für Freizeitreisende bei politischen Entscheidungsträgern kein Thema mehr. Und seit März sind weitere Lockerungen der Corona-Beschränkungen in Kraft getreten, die den Menschen das Reisen erleichtern. Allerdings ist auch der Urlaub im Ausland für die Deutschen wieder einfacher und besser planbar geworden – die Hoteliers in den deutschen Ferienregionen müssen sich also wieder auf eine größere Konkurrenz der Mittelmeerländer einstellen.

Dennoch stehen alle Zeichen derzeit auf Normalisierung und sprechen damit für einen Aufwärtstrend. Der Krieg in der Ukraine hat zwar neue Schrecken und Unwägbarkeiten mit sich gebracht. Aber für die Hotellerie hierzulande sollten diese weniger direkte wirtschaftliche Auswirkungen auf das eigene Geschäft haben als zuvor die Pandemie. Russland selbst ist als Quellmarkt seit Jahren rückläufig und spielt meist keine große Rolle mehr.

Touristen aus Deutschland und den Nachbarländern im Fokus

Selbst wenn die Anreise aus Asien durch schlechtere und teure Flugverbindungen erschwert wird, ist dieser Markt ohnehin durch anhaltende Corona-Beschränkungen weitgehend weggebrochen. Es sieht alles danach aus, als stünde auch das Jahr 2022 touristisch erneut im Zeichen der Reisen innerhalb einer Region. Gäste aus dem eigenen Land und den Nachbarländern dürften wieder die wichtigsten Zielgruppen für deutsche Hoteliers sein.

Von allen A-Standorten hat Hamburg im ersten Quartal am besten abgeschnitten, haben die Marktforscher festgestellt. Die Belegung vervierfachte sich auf 38,2 Prozent, der Zimmerpreis stieg um 30 Prozent auf 94,50 Euro, und der RevPar erhöhte sich um den Faktor 5 auf immerhin 36,10 Euro. Als Stadt am Wasser mit hohem Freizeitwert hatte die norddeutsche Metropole die besten Voraussetzungen, um vom sommerlichen Freizeittourismus zu profitieren.

Fairmas und STR haben bei den Hamburger Hoteliers auch abgefragt, wie diese das Geschäftspotenzial für die nächsten Monate einschätzen. Die Erwartungen sind sehr positiv. schließlich galt im April und Mai 2021 noch das touristische Beherbergungsverbot, von dem die Branche nun befreit ist.

Aussichten in Hamburg deutlich positiv

Für April gehen die Befragten daher davon aus, dass sich die Belegung vervielfacht (+634%) und auch der Zimmerpreis um mehr als 40 Prozent zulegt. Vergleichbare Zuwächse erwarten die Hotels der Hansestadt im Mai: Dann könnte die Auslastung um 486 Prozent anziehen und die Rate um 41 Prozent höher ausfallen als im Vorjahresmonat.

Auch für Juni rechnen die Hoteliers mit großen Steigerungen: 140 Prozent bei der Belegung und 20 Prozent beim Zimmerpreis. Schon zuvor wird endlich wieder eine Branchenveranstaltung in Präsenz für Geschäft sorgen: Vom 30. April bis 4. Mai findet in Hamburg nach zwei Jahren Zwangspause wieder die Internorga statt. 2018 hatte die Leitmesse den Hoteliers eine Auslastung von 85,5 Prozent und eine Durchschnittsrate von 130,20 Euro beschert.

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