Interview: Max Luscher: "B&B Hotels werden ei...
Interview

Max Luscher: "B&B Hotels werden ein Gewinner der Krise sein"

B&B Hotels/Mario Andreya
Blickt in die Zukunft: B&B-Chef Max Luscher glaubt, dass viele Hotels die Krise nicht überleben werden
Blickt in die Zukunft: B&B-Chef Max Luscher glaubt, dass viele Hotels die Krise nicht überleben werden

Auch die Budget-Hotelkette B&B leidet unter den Corona-Schließungen. Aber CEO Max Luscher ist überzeugt, dass preiswerte Hotels gestärkt aus der Krise kommen – im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern.

Die Preiswert-Hotelkette B&B Hotels hat in den vergangenen Jahren in Deutschland eine Erfolgsgeschichte hingelegt. Doch auch sie muss herbe Einbußen durch Corona hinnehmen. CEO Max Luscher erklärt, warum das Konzept die besten Chancen in der Krise hat – und wer die Verlierer sein werden.

Deutschland lockert die Corona-Beschränkungen, erste Hotels öffnen wieder. Wie wirkt sich die Krise auf B&B Hotels aus?  Luscher: Das zweite Quartal 2020 war für unser Unternehmen verheerend. Wir hatten im März schon Umsatzrückgänge von 50 Prozent zu verzeichnen, im April waren es sogar 90 Prozent. Da werden wir massiv Geld verlieren. Aber ich bin überzeugt: B&B Hotels werden ein Gewinner der Krise sein.

Wie sicher steht B&B als Unternehmen da? Luscher: Sehr gut – auch dank unseres starken Gesellschafters Goldman Sachs. Aber natürlich machen wir unsere Hausaufgaben, nutzen Kurzarbeit und sparen massiv Kosten ein. Für 2020 hatten wir einen Umsatz von 244 Mio. Euro geplant, davon werden wir etwa die Hälfte einbüßen. Und unsere 137 Mitarbeiter im Headoffice mussten wir teilweise bis zu hundert Prozent in Kurzarbeit schicken. Auch für uns ist die Situation kritisch. Die Umsätze sinken, und die Kostenbasis steigt – das ist das Dilemma, in dem die gesamte Hotellerie steckt. Daher glaube ich auch, dass es zu einer massiven Marktbereinigung kommen wird.

Was macht Sie so sicher, dass B&B zu den Gewinnern zählen wird? Luscher: Zunächst einmal sind unsere Hotels kleiner als die des Wettbewerbs. Also brauchen wir auch weniger Gäste als ein großes Hotel, um den wirtschaftlichen Break Even zu erreichen. Außerdem sind wir von den Umsatzeinbußen weniger betroffen als ein Full-Service-Hotel. Unseren Frühstücksraum lassen wir bis auf Weiteres geschlossen. Ein Full-Service-Hotel verliert dagegen Umsätze im Wellness-, Konferenz- und F-&-B-Bereich. Das ist viel schwerer aufzufangen.

Der nationale Geschäftsreisemarkt ist in der Krise ja zumindest in Teilen erhalten geblieben. Profitieren Sie davon? Luscher: Allerdings. Der Corporate-Domestic-Markt gehört zu unserem Kerngeschäft. Und alle Studien belegen, dass dieser Bereich am schnellsten zurückkommt. Außerdem sind wir im Wettbewerb am schlanksten aufgestellt. Dann kann man zwar nicht viele Kosten sparen, aber die personelle Schlagkraft bleibt erhalten, wenn das Geschäft wieder losgeht. 

Wie sieht es im Vertrieb aus? Luscher: Wir haben bisher kein Revenue Management gemacht, arbeiten bis auf eine Ausnahme nicht mit OTA zusammen und schließen keine Rahmenverträge mit Firmenkunden. Bei uns läuft alles nur im Direktgeschäft. Das können wir jetzt aber erweitern und die bisher nicht genutzten Vertriebswege aufbauen. Da steckt noch viel Potenzial drin, um schneller die früheren Umsätze zu erreichen. Und unsere Strategie war immer, ein flächendeckendes Netzwerk aufzubauen und auch in kleineren Städten Präsenz zu zeigen. In diesen sogenannten C- oder D-Lagen kommt das Geschäft am schnellsten wieder zurück, weil dort der Anteil der internationalen Gäste nicht so hoch ist.

Wann werden Sie die Hotels wieder öffnen? Luscher: Mehr als 50 Hotels waren durchgehend geöffnet, und seit dem 3. Juni sind bis auf drei Häuser alle wieder offen. Viele andere Hoteliers werden dagegen noch monatelang geschlossen haben, weil es sich aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht lohnt, 400 Zimmer in einer Großstadt zu öffnen.

Welche Maßnahmen müssen in den B&B-Hotels vorgenommen werden, um "virensicher" öffnen zu können? Luscher: Einschränkungen werden wir wohl gar keine haben, weil wir den Frühstücksraum nicht öffnen müssen. Die Gäste bekommen eine Tüte mit Snacks und können sich einen Kaffee aus dem Automaten holen – das funktioniert sehr gut. Und wir sind gerade dabei, ein Hygienekonzept aufzusetzen.

Das machen aber im Moment alle Hotels. Luscher: Ja, das stimmt, aber wir führen außerdem eine Zertifizierung durch Synlab, einen unabhängigen Spezialisten für Labortechnik und Hygiene, ein, der auch Auditierungen vornehmen wird. Ich glaube, dass eine zertifizierte Sicherheit einen großen Mehrwert für den Gast darstellt. Was braucht der Kunde denn heute wirklich? Sicher nicht das Hotel, das Socializing mit vielen Menschen oder große Tagungen bietet. Davor hat der Kunde ja gerade Angst. Bei uns kann er hingegen digital einchecken und findet ein Zimmer vor, das leicht sauber zu halten ist.

Wann werden alle Hotels zertifiziert sein? Luscher: Das Konzept liegt jetzt vor und wird in allen Hotels eingeführt. Das ist eine Frage von wenigen Wochen. Die Zertifizierung der einzelnen Hotels werden wir im Anschluss schrittweise vornehmen. Ich glaube, dass Hygiene in Zukunft ein elementarer Bestandteil der Markenbotschaft sein wird.

Sie gehen von einer Marktbereinigung in der Hotellerie aus. Wen wird es denn Ihrer Meinung nach erwischen? Luscher: Große Full-Service-Hotels, die in der Boom-Zeit ihr Produkt nicht gepflegt und einen Investitionsstau haben. Auch das Konferenzgeschäft und die reinen am Yield orientierten Konzepte, die bei knappem Angebot die Preise hochgesetzt haben, werden ganz schlechte Karten haben. Und natürlich auch die, die keinen starken Gesellschafter haben.

Aber gerade die inhabergeführten Privathotels haben doch jetzt, wo der Deutschland-Urlaub boomt, große Chancen. Ist das eine Konkurrenz für B&B Hotels? Luscher: Ich glaube, dass die Städtereise einen Zuwachs erfahren wird, und da sind wir sehr gut aufgestellt. Ich denke, dass viele Menschen auch in kleinere Städte reisen werden, wo das Gedränge nicht so groß ist. Und noch mal zu den viel zitierten Ferienregionen wie die Ostsee: Die werden sicherlich auch in Corona-Zeiten eine gute Saison haben – aber das war doch sowieso schon geplant. Übers Jahr gesehen stehen Ferienhotels nicht besser da als wir, weil sie vor den gleichen Herausforderungen stehen.

Halten Sie Ihre Expansionspläne aufrecht? Luscher: Auf jeden Fall. In Kürze wird das Haus in Köln-Ehrenfeld öffnen, in der Pipeline haben wir noch Hotels in Eisenach, Chemnitz und Wilhelmshaven. Außerdem konnten wir in der Krise vier neue Mietverträge unterschreiben. Interessant ist auch: Wir bekommen jeden Tag Projekte und Bestandshotels angeboten, denen die Mieter abspringen. Da gehen wir gern in die Gespräche. Ich bin sicher: Wir werden am schnellsten aus der Krise herauskommen und danach am besten dastehen. (Christiane von Pilar)

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserer Schwesterzeitung fvw.

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