Hotelkosmetik: Mehr als nur ein nettes Give-a...
Hotelkosmetik

Mehr als nur ein nettes Give-away

Brit Glocke
Hip: Im 25hours Bikini Berlin warten auf die Gäste Produkte von "Stop the water while using me"
Hip: Im 25hours Bikini Berlin warten auf die Gäste Produkte von "Stop the water while using me"

Bademäntel und Guest Supplies wie Duschgel & Co. sind die Visitenkarte eines Hotels. Doch was brauchen Gäste wirklich? Wir haben uns bei Hoteliers und Reisenden umgehört.

STUTTGART. Must have oder nice to have? Service oder Geldverschwendung? Während Hotelkosmetik und Guest Supplies für einen Großteil der Hoteliers zum guten Ton gehören, gehen einige Häuser vermehrt dazu über, solche Leistungen nur noch „on demand“ anzubieten. Heißt konkret: Bademäntel oder Schlappen werden nur noch auf Nachfrage des Gastes an der Rezeption herausgegeben. Der Grund: Gäste würden sie einfach zu häufig stibitzen.

Doch das muss nicht immer schlecht sein: Schließlich kann ein Haus mit Guest Supplies auch noch im Nachgang punkten. Werden Schlappen, Shampoos oder Nähsets als Souvenir mitgenommen, erinnern sie Gäste noch Wochen später an den Aufenthalt. Zudem eignen sich Shampoo-Fläschchen oder Badelatschen ideal zur Verbreitung von individuellen (Werbe-)Botschaften. „Stop the water while using me“ steht etwa auf den Seifenspendern in den 25hours-Hotels geschrieben. Diese animierten manche Gäste – neben einem bewussteren Umgang mit der Ressource Wasser – sogar zu künstlerischen Ergüssen. „Exklusivität und Nachhaltigkeit sind die Top-Themen in der Hotellerie und damit auch in der Hotelkosmetik“, weiß André Roeske, Verkaufsdirektor Deutschland von Ada International.

Im Budget einkalkuliert



Für Peter Berhörster, Direktor des Maritim Hotels in Frankfurt, sind Guest Amenities ganz klar eine Visitenkarte des Hauses: „Supplies müssen sehr hochwertig sein, da sie ein Spiegelbild des Hotels sind. Die Gäste verlassen sich darauf, dass wir diese zur Verfügung stellen.“ Besonders nachgefragt seien dabei Rasier- und Zahnputzsets. Wichtig sei aber, dass Guest Supplies täglich aufgefüllt würden, manchmal sogar mehrmals am Tag, berichtet Peter Berhörster.

Je nach Bedarf packt auch Marina Schwarz Shampoo oder Duschgel beim Aufenthalt im Hotel ein. Sie arbeitet bei einem großen Reisekonzern und ist beruflich und privat viel in europäischen Hotels unterwegs. „Duschgels und Shampoo nehme ich gern für künftige Kurztripps mit. Meistens habe ich aber meine eigene Kosmetik dabei“, sagt Schwarz und ergänzt: „Wenn sich die Fläschchen gut schließen lassen, fülle ich sie manchmal auch mit meinen eigenen Produkten.“ Eine Duschhaube, einen Kamm oder gar Schuhputzzeug hält sie hingegen für unnötig. Ein Nähset an der Rezeption reiche vollkommen. Wichtiger seien für sie ein Fön, ein Vergrößerungsspiegel, eine Leselampe, Papiertücher sowie Schlappen auf dem Zimmer.

Zu den Standards gehören für Thomas Bach, Redakteur einer Tageszeitung und in vielen deutschen Hotels unterwegs, Shampoo und Duschgel. Wünschenswert seien jedoch auch ein Rasier-Set oder Schuhputzzeug, denn „in einem Hotel muss man auch spontan einchecken können“, meint der 46-Jährige. Auf einen Bademantel könne er verzichten, wenn es dafür Pyjama und Einweghausschuhe gäbe.

„Die Badelatschen sollten dann aber für mehr als nur den großen Zeh reichen“, beklagt sich Rolf Nieländer, Geschäftsführer einer PR-Agentur. Für ihn gehörten diese ebenso in ein Hotelzimmer wie ein Fön, „der seinen Namen verdient hat“ sowie ein Vergrößerungsspiegel, der in einer angemessenen Höhe angebracht sein sollte. „Optimal wäre ein Handspiegel. Dieser dürfte allerdings aufgrund der ausgeprägten Mitnahme-Mentalität von Hotelgästen ein frommer Wunsch bleiben“, so Nieländer.

Normale Fluktuation



Das ist wohl auch der Grund, weshalb sich Anke Wenzel-Preljevic vom Grimm‘s Hotel in Berlin gegen Guest Supplies entschieden hat. „Wir halten das ganz bewusst so gering wie möglich. Bei Bedarf, gibt es eine Auswahl an der Rezeption“, erläutert sie. Die Gäste würden im „A-Z Leitfaden“ des Hauses darauf hingewiesen. „Dabei geht es natürlich darum, die Kosten im Rahmen zu behalten“, so Wenzel-Preljevic. So seien auch die Bademäntel nicht mehr bestickt, da diese einfach zu oft mitgenommen würden. Nur in den Suiten gehörten sie zur Standardausstattung. Bei den übrigen Zimmerkategorien könnten sie bei Bedarf an der Rezeption abgeholt werden.

Traurig, aber wahr: Auch in den besten Hotels kommt es immer wieder vor, dass Gäste Accessoires aus den Zimmer mitgehen lassen. Laut einer Umfrage vom Hotelguide „Wellness Heaven“, bei der mehr als 900 Hoteliers befragt wurden, klaut die Mehrheit der Gäste bevorzugt Handtücher (79,1 Prozent) und Bademäntel (65,3 Prozent). Auf Platz drei stehen Kleiderbügel, gefolgt von Stiften, Besteck und Kosmetik. Dabei kam auch heraus, dass jede Nation andere Vorlieben hat. Während deutsche Hotelgäste neben Handtüchern und Bademänteln in erster Linie Kosmetik mitgehen ließen, bevorzugten Österreicher eher Geschirr und Kaffeemaschinen. Auf der Diebstahlskala der Italiener stehen Weingläser ganz weit oben, bei den Schweizern der Haarföhn und bei niederländischen Hotelgästen Glühbirnen und Toilettenpapier. Am spektakulärsten klauen den Umfrageergebnissen zufolge die Franzosen: Sie ließen mit Abstand am häufigsten Fernsehgeräte und Fernbedienungen mitgehen.

Vladimir Saal, Geschäftsführer der IBB Hotel Collection, hat zudem die Erfahrung gemacht, dass Gäste in unterschiedlichen Hotelkategorien verschiedene Sachen klauen. Während im 3- bis 4-Sterne-Segment Handtücher und Kleiderbügel besonders beliebt seien, lägen im 5-Sterne-Bereich die Waschlappen vorn. Auch seien ganz unterschiedliche Supplies gefragt. Duschgel und Shampoo seien im 3-Sterne-Haus der Renner, in der Luxuskategorie hingegen Kamm, Kugelschreiber und Blöcke.

„Wenn Gäste diese Supplies mitnehmen, gehört das für mich zur normalen Fluktuation und ist im jährlichen Ersatzbeschaffungsbudget mit einkalkuliert“, erläutert Saal. Sie würden im Luxusbereich täglich, gegebenenfalls auch abends im Rahmen des Turndown-Service ausgetauscht. Im 3-bis 4-Sterne-Bereich würden die Shampoos beim mehrtägigem Aufenthalt ersetzt, sobald weniger als ein Drittel Inhalt übrig ist, jedoch spätestens nach zwei Tagen. „Guest Supplies gehören zur Marken-DNA jedes Hotels und sollen Gäste durch die Qualität des verwendeten Produktes positiv überraschen“, so der Geschäftsführer.

Das findet auch Gabriele Maessen, Regional Director der Azure Property Group: „Speziell die Körperpflegeprodukte sind für unsere Gäste im Indigo Hotel Berlin sehr wichtig und werden oft bei der Abreise und in Bewertungen positiv erwähnt.“ In jedem Zimmer stünden hochwertige Körperpflegeprodukte – Shampoo, Duschgel, Conditioner, Body Lotion – der Kosmetiklinie Aveda zur Verfügung.

Oft würden die Gäste auch Bademäntel und Slipper anfragen, ab und an auch Rasierer, Zahnputzsets, Nähsets, Schuhputzsets, Duschhaube, Fingernägel-Pflegeprodukte und Kämme. Die Körperpflegeprodukte von Aveda würden die Gäste gerne mitnehmen, was auch so gewollt sei, schließlich gehöre dies zum Service des Hauses.

Die Mitnahme von Frottee- und Dekoartikeln sei für Maessen klarer Diebstahl. Dennoch: „Wir kalkulieren es nicht extra ein, da es zum Glück sehr selten vorkommt. Aber der Preis für einen Bademantel liegt schließlich zwischen 30 und 40 Euro pro Stück.“

Ein Set für Erwachsene



Bademantel, Schlappen & Co. gibt es in vielen Hotels. Überraschen können Gastgeber ihre Gäste aber auch mit Give-aways, die nicht jeder hat. So hat Ada beispielsweise spezielle „Love Kits“ entwickelt, die Paaren sinnliche Stunden im Hotelzimmer versprechen. „Das Secret Passion Set“ besteht etwa aus Kondomen, je einem Gleitgel für die Frau und den Mann, einem Vibrator und einem Vibrationsring. Das „Love Kit“ enthält lediglich Gleitgel und Kondome, wobei das Unternehmen verspricht, dass alle Produkte in Deutschland qualitätssicher hergestellt und medizinisch geprüft wurden.

Doch wird so etwas tatsächlich genutzt? „Liebe und Erotik sind im Hotel etwas ganz Normales“, berichtet ein deutscher Hotelier, der in diesem Zusammenhang nicht namentlich genannt werden möchte. Das spezielle Liebes-Set lege er in den Zimmern seines Hauses aus, morgens sei es dann „fast immer weg“. Diskret verpackt in edlem Schwarz mit Goldaufdruck würden sich die intimen Accessoires auch ideal als Beigabe für das Romantik-Wellness-Paket für Paare oder als zusätzliche Einnahmequelle – beispielsweise für den Verkauf in der Minibar – eignen.

Fakt ist: Guest Supplies auf den Zimmern oder an der Rezeption gehören eindeutig zum Service eines Hotels und spiegeln die Philosophie des Hauses wider. Dass Gäste solche Accessoires gelegentlich auch mal mitnehmen, lässt sich im Alltag leider nicht vermeiden. Hoteliers sollten diese Fluktuation daher unbedingt in ihre Budgets mit einkalkulieren.

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