Meinung: Mario Reincke: "Die Coronakrise offe...
Meinung

Mario Reincke: "Die Coronakrise offenbart ein gefährliches Staatsversagen"

privat
Mario Reincke: "Völlig schuldlos stehen Familien vor dem finanziellen Ruin"
Mario Reincke: "Völlig schuldlos stehen Familien vor dem finanziellen Ruin"

Der Hotelier aus Mecklenburg-Vorpommern ist unter anderem in der Tourismuskommission des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft aktiv. Hier nennt er entscheidende Kritikpunkte an Politik und Verwaltung hinsichtlich der Pandemie und ihrer Bewältigung.

Jahrelang konnte unsere Branche großartige Wachstumszahlen vermelden und das trotz immer neuer Herausforderungen. Wer hätte im Sommer 2019 gedacht, dass uns ein Virus so lahmlegen kann? Und wie geht es „nach Corona“ mit unseren Mitarbeitern weiter?


Seit November 2020 sind wir nun im zweiten Lockdown und unsere Mitarbeiter werden in Kurzarbeit gezwungen und damit in finanzielle Nöte gebracht. Völlig schuldlos stehen Familien vor dem finanziellen Ruin, und das ist für viele der Grund, warum sie sich eine Beschäftigung im Einzelhandel suchen – mit einem Mal ist man systemrelevant, darf die Kinder in die Kita bringen und muss nicht mit dem geringen Kurzarbeitergeld auskommen. Ich finde: Das Kurzarbeitergeld sollte dringend auf 100 Prozent erhöht werden!

Sinnlose Regelung außer Kraft setzen

Trotz der schwierigen Situation konnten Unternehmen neue Bewerber für viele Bereiche gewinnen, aber leider macht eine leicht zu ändernde Regelung eine Einstellung zurzeit unmöglich, denn ohne feste Öffnungsperspektive dürfen keine Mitarbeiter eingestellt werden und Kurzarbeitergeld in Anspruch nehmen. Diese sinnlose Regelung muss umgehend außer Kraft gesetzt werden, wenn wir bei einer Öffnung nicht ohne Mitarbeiter dastehen sollen!

Seit Januar 2021 bekommt man leider immer mehr den Eindruck, dass sich unsere führenden Politiker auf Landes- und Bundesebene gern in den Mittelpunkt drängen – mit sinnlosen Forderungen und Entscheidungen, sich bereits im Wahlkampfmodus befinden oder ihre Geltungslust befriedigen. Wen interessiert es aktuell überhaupt, wer Kanzlerkandidat der CDU/CSU wird? Die wirklichen Probleme der Menschen und deren Existenznöte werden anscheinend ignoriert - das ist Politik auf Kosten anderer und schafft nicht gerade Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Sieht so schnelle Hilfe aus?

Es werden dauernd neue Förderprogramme und „Hilfen“ ins Leben gerufen, aber um die zugesicherte schnelle Hilfe und deren Abwicklung kümmert sich anscheinend niemand. Viele warten noch heute auf die Auszahlung der November- und Dezemberhilfe, da bei Unternehmen, die einer Gruppe angehören und die bundesländerübergreifend agieren, alle Betriebsstätten zusammengefasst werden. Rückfragen laufen hier ausschließlich über ein Förderportal – und notwendige Änderungen und Ergänzungen sind nachträglich nicht vernehmbar. Einen Ansprechpartner für schnelle Reaktionen und Nachfragen gibt es nicht. Sieht so schnelle und unkomplizierte Hilfe aus?

Während bei uns in Ministerpräsidentenkonferenzen selbstherrlich Machtdemonstration betrieben wird, arbeiten unsere Nachbarländer Österreich und Dänemark an festen Öffnungsszenarien und werden ab Mitte Mai wieder öffnen. Selbst auf Mallorca ist der Urlaub sichergestellt. Diese Entwicklung ist schon jetzt in den Vorbuchungsständen spürbar, und die Vorbuchungen für den Sommerurlaub liegen bereits unter dem Vorjahr.

Die langen Einschränkungen haben bei vielen dazu geführt, dass Pläne und Entscheidungen verschoben oder vertagt werden. Bereits rund 40 Prozent der Deutschen haben die Urlaubsbuchung verschoben - und lediglich um die 20 Prozent haben Urlaub für dieses Jahr gebucht. Um nicht die Chance auf einen guten Sommer zu verlieren, brauchen wir jetzt dringend ein planbares Öffnungsszenario und Öffnungsdatum!

Anschub für den Deutschlandtourismus

Schon jetzt müssen Planungen und Überlegungen zu einem umfangreichen Anschubprogramm für den Deutschlandtourismus getroffen werden, um unsere Branche bei den entstandenen Schäden zu unterstützen! Und diese Maßnahmen müssen endlich auch zügig und zuverlässig bearbeitet werden, ohne dass selbst erfahrene Steuerberater und Wirtschaftsprüfer genervt verzweifeln.

Rückblickend auf die letzten Monate lässt sich ein Versagen bescheinigen, das eine ganze Wirtschaft lahmlegt.

Grundsätzlich versagt unsere Politik in der Kommunikation in Krisenzeiten. Wir können anscheinend nur Wahlkampf-Parolen auf Werbeplakaten. Wenn etwas schief läuft, dann helfen eben keine Drohungen, dann muss man Zuversicht schaffen und seinen Aussagen auch Taten folgen lassen.

Es fehlt der Mut zu neuen Lösungen

Das zweite Versagen zeigt sich in einer völligen Überforderung der Verwaltung auf sämtlichen Ebenen. Es fehlt der Mut zu neuen Lösungsansätzen für die Bewältigung von Problemen jeglicher Art. Diese Überforderung macht uns planlos und lähmt uns in allen Bereichen.

Das dritte Versagen ist es, vorhandenes Wissen in unserer Branche nicht zu nutzen. Es gab und gibt unterschiedlichste Meinungen und Lösungsansätze zur Bekämpfung der Pandemie. Wenn man sich immer nur auf einen Experten verlässt, statt unterschiedliche Modelle zu testen und Studien zu etablieren, verliert man schnell an Akzeptanz und Glaubwürdigkeit.

Sicher wird sich auch unsere Branche wieder erholen – aber zu welchem Preis?

stats