Messegeschäft: Zäher Start ins Messejahr 2022
Messegeschäft

Zäher Start ins Messejahr 2022

IMAGO / Lichtgut
Messe Stuttgart: In der Landeshauptstadt Baden-Württembergs fallen zu Jahresbeginn mit CMT, Intergastra und R+T gleich drei wichtige Messen aus
Messe Stuttgart: In der Landeshauptstadt Baden-Württembergs fallen zu Jahresbeginn mit CMT, Intergastra und R+T gleich drei wichtige Messen aus

Den Start ins neue Messejahr hatten sich die Veranstalter und auch die Hoteliers in den Messestädten noch im Herbst 2021 ganz anders vorgestellt. Damals, vor wenigen Monaten, lief das Messegeschäft gerade wieder an. Doch dann kam Omikron und stellte erneut alles infrage.

 Derweil sind in drei Bundesländern Messen untersagt und in anderen mit Obergrenzen bei den Besucherzahlen belegt, für die Wirtschaftlichkeit kaum möglich ist. Und natürlich sind Aussteller sowie Besucher auch von Fachmessen wegen der Corona-Lage höchst alarmiert und schrecken vor Veranstaltungen derzeit eher zurück.

So wurden von den insgesamt 390 Messen des Jahres 2022 bereits 100 als Präsenzveranstaltung entweder abgesagt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, wie der Verband der deutschen Messewirtschaft (Auma) Ende Januar mitteilte. In der Hauptstadt trifft es etwa im Januar die Grüne Woche oder im März die Internationale Tourismus-Börse ITB, in Frankfurt unter anderem die Heimtextil und die Ambiente, in Nürnberg die Spielwarenmesse, in Stuttgart die Publikums-Reisemesse CMT sowie die Intergastra. In Hamburg rutscht die Internorga um einige Wochen nach hinten, vom März auf den 30. April.

Hotels profitieren von Messegästen und Ausstellern

Der durch eine besonders internationale Zielgruppe geprägten Hannover Messe ist just dieser Termin Ende April zu zeitig, sie hat sich gerade auf Ende Mai vertagt. In Nordrhein-Westfalen sind zwar Publikumsmessen gestrichen, Fachmessen wie die Internationale Süßwarenmesse (ISM) in Köln können jedoch stattfinden.

Welche Bedeutung die Messen zum Jahresauftakt für die Hotellerie haben, zeigt eine Auswahl von Veranstaltungen mit dem dabei im Jahr 2018 von den Hotels erzielten durchschnittlichen RevPar (Erlös pro verfügbarem Zimmer). Absoluter Spitzenreiter war die Hannover Messe mit 289,60 Euro, aber auch Intergastra und Internorga sorgten jeweils für einen RevPar über 100 Euro.

Ein harter Jahresauftakt für die Ausrichter der Events, aber auch für die Hotellerie vor Ort. Damit beläuft sich der wirtschaftliche Schaden für die Messebranche in diesem Jahr laut Auma bereits auf rund 5 Mrd. Euro. „Corona-Verordnungen der Länder, die vier Wochen oder weniger Gültigkeit haben, sind keine Geschäftsgrundlage“, so Auma-Geschäftsführer Jörn Holtmeier. Demnach beliefen sich die wirtschaftlichen Schäden aufgrund der Pandemie in den vergangenen beiden Jahren auf zusammen rund 46 Mrd. Euro.

Ein Vielfaches des Veranstalterumsatzes

Allein die Messegesellschaft Stuttgart setzte im Jahr 2019 rund 178 Mio. Euro um, im veranstaltungsschwächeren Jahr 2019 waren es immer noch 125 Mio. „Eine Messegesellschaft zieht das Fünf- bis Siebenfache ihres eigenen Jahresumsatzes in die Region“, sagt Sprecherin Stefanie Kromer. Etwa ein Viertel davon komme dem Gastgewerbe zugute.

Deutschlandweit lassen sich die Messe-Einnahmen der Hotellerie in einem durchschnittlichen Messejahr annähernd beziffern auf mehr als 2,5 Mrd. Euro. Würde ein Viertel der Messen ersatzlos verschoben, wäre der Ausfall entsprechend mehr als 600 Mio. Euro. Bleibt die spannende Frage, inwieweit die verschobenen Messen, die sich später im Jahr ballen, die Einbußen aus dem ersten Quartal ausgleichen können. In Stuttgart plant die Messe noch mit mehr als 60 Veranstaltungen, am 21. April geht es los. „Die gesamte Messebranche wird im Verlauf der nächsten Wochen flexibel auf pandemiebedingte Faktoren reagieren müssen. Aber wir können das“, so Kromer.

Immerhin zeichnet sich ab, dass Arbeitsminister Hubertus Heil die Kurzarbeitsregelungen verlängern will und dann Betriebe noch bis Ende Juni unter erleichterten Bedingungen Kurzarbeitergeld beantragen können. Ein entsprechender Entwurf lag der Nachrichtenagentur dpa vor. Der Dehoga zeigte sich erleichtert, dass demnach das erhöhte Kurzarbeitergeld bis zum 30. Juni 2022 fortgeführt und die maximale Bezugsdauer von 24 auf 28 Monate heraufgesetzt werden soll. Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges hatte zuvor auf dessen Bedeutung für den gastgewerblichen Arbeitsmarkt verwiesen, „zumal die Mitarbeiter in zweiten und dritten Quartal, wenn das Geschäft wieder anzieht, dringend benötigt werden“.

stats