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Interview: Guido Zöllick, DEHOGA-Präsident

"Mich beeindruckt die gesellschaftliche Relevanz unserer Branche"

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Guido Zöllick: "Mich hat überrascht, dass die Hotellerie in Deutschland Vorreiter bei der Digitalisierung ist"
Guido Zöllick: "Mich hat überrascht, dass die Hotellerie in Deutschland Vorreiter bei der Digitalisierung ist"

Der DEHOGA hat eine Studie zur Lage des Gastgewerbes vorgelegt. Diese soll dazu genutzt werden, um aufzukären und das Image der Branche in der Öffentlichkeit zu verbessern.

Was hat den DEHOGA zu dieser Studie veranlasst?

Zöllick: Wir haben festgestellt, dass generell nicht genügend Wissen über die Relevanz unserer Branche vorhanden ist. Stattdessen beherrschen häufig Vorurteile und Falschwissen die Diskussionen. Dies sorgt auch für Unmut bei unseren Mitgliedern. Dagegen wollten wir etwas tun und eine gesicherte Wissensbasis schaffen.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse?

Zöllick: Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist sicherlich die große wirtschaftliche Bedeutung der Branche, die die Studie herausstellt. Gastronomie und Hotellerie wachsen in diesem Jahrzehnt dynamischer als die Gesamtwirtschaft. Die Bruttowertschöpfung hat von 2010 bis 2016 real um 14,4 Prozent, in der Gesamtwirtschaft lediglich um 9,9 Prozent zugelegt. Bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten legen wir im gleichen Zeitraum um 23 Prozent, die Gesamtwirtschaft um 12 Prozent zu.

Und für Sie persönlich?

Zöllick: Mich hat eigentlich noch mehr als die wirtschaftliche die gesellschaftliche Relevanz beeindruckt, die uns die Untersuchung attestiert. Wie wichtig unsere Branche beispielsweise für die Lebensqualität und die Wohnortentscheidung gerade jüngerer Menschen ist.

Und was hat Sie überrascht?

Zöllick: Mich hat überrascht, dass die Hotellerie in Deutschland Vorreiter bei der Digitalisierung ist und unsere Gastronomie europaweit was Neugründungen betrifft, führend ist.

Wo sieht die Studie Herausforderungen oder Probleme?

Zöllick: Die Studie stellt heraus, dass wir eine überdurchschnittlich arbeitsintensive Branche sind mit einem im gesamtwirtschaftlichen Vergleich hohen Anteil der Arbeitnehmerentgelte am Produktionswert. Die Produktivität könnte also besser sein. Gleichzeitig warten auf dem Arbeitsmarkt große Herausforderungen auf uns. Wir konnten beispielsweise 11.760 Lehrstellen nicht besetzen und auch viele Facharbeiterstellen sind unbesetzt. Wir müssen also in jedem Fall die Qualität der Ausbildung weiter steigern. Und wir müssen diese Studie für die Aufklärungsarbeit nutzen, um das Image unserer Branche in der Öffentlichkeit zu verbessern.

Hier gibt es die Studie zum Download.
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