Konzepte: Digital Eatery, Berlin: Microsoft l...
Konzepte: Digital Eatery, Berlin

Microsoft lockt zum Lunch

Wolfgang Siesing
Langer Aufenthalt erwünscht: Im Restaurant Digital Eatery stehen für die Gäste Tablets, Smartphones und Spielekonsolen zum Ausprobieren bereit
Langer Aufenthalt erwünscht: Im Restaurant Digital Eatery stehen für die Gäste Tablets, Smartphones und Spielekonsolen zum Ausprobieren bereit

Im neuen Café-Restaurant des Software-Riesen Microsoft sollen die Gäste Tablets, Smartphones und Spielekonsolen kennenlernen.

Konzepte: Digital Eatery, Berlin: Microsoft lockt zum Lunch



BERLIN. Wenn Microsoft-Chef Steve Ballmer das nächste Mal nach Deutschland kommt, wird der Empfang in einem Restaurant stattfinden. Im neuen Microsoft-eigenen Restaurant, der Digital Eatery, die vergangene Woche am Boulevard unter den Linden eröffnet hat. Die Location im Gebäude des einstigen Carlton-Hotels soll eine Art Lounge werden, in der die Gäste sich aufhalten, Speisen, Kaffee trinken und die Produkte des IT-Konzerns testen können.

Für den gastronomischen Part hat sich der Konzern zwei Branchenprofis ins Boot geholt: Die Brüder Elmar und Gernot Karger, die in Berlin auch den Catering-Service Karger & Karger betreiben. Mit der Digital Eatery will Microsoft einen Wandel in der Unternehmensführungs demonstrieren, „eine neue Offenheit“, wie es Astrid Aupperle, Communications Manager bei Microsoft Deutschland, nennt. Denn der Mitbewerber mit dem Logo des angebissenen Apfel macht inzwischen mächtig Konkurrenz. Microsoft will in sein Café daher auch eine junge Zielgruppe locken. Zum Beispiel die Studenten der Humboldt-Universität auf der anderen Straßenseite und überhaupt alle, die Hardware, Software und Services des Anbieters kennenlernen wollen. Die Angebote sind daher verlockend, die Umgebung zwanglos. Der Espresso kostet 1,30 Euro, der Cappuccino 1,50 Euro – ungewöhnlich günstige Preise im teuren Umfeld von Berlin-Mitte. Mehr noch: „Gastronomen sehen nicht gern, dass Leute zwei Stunden in ihrem Haus sitzen und nur einen Kaffee trinken“, sagt Restaurantleiter Gernot Karger. „Bei uns ist das aber der Zweck. Die Leute sollen sich wohlfühlen, der kommerzielle Aspekt ist zweitrangig.“ Microsoft subventioniert.

Es geht im Kern um Windows Phone 8, Tablet Surface, Xbox und Kinect als Hardware und Dienste wie Smart Glass oder Sky Drive, um Microsoft zum Anfassen auf 250 Quadratmetern. Der Konzern präsentiert ohne Verkaufsdruck seine Themenwelten zum Kennenlernen und führt die Vorteile der geräteübergreifenden Vernetzung vor. Die Bereiche im Restaurant tragen die Namen „Zuhause“, „unterwegs“, „im Büro“ und „Music Lounge“. Mitarbeiter können zu den Produkten befragt werden. Jeder Besucher kann sein eigenes Gerät mitbringen und das kostenlose W-Lan nutzen.

Und Microsoft will das Besondere bieten, auch im F&B-Bereich. Hier wird Fairtrade-Kaffee ausgeschenkt, bezogen von der Berliner Firma Tres Cabezas, deren zwei Eigentümer in Costa Rica eine eigene Plantage unterhalten. Für das Lokal wurde ein eigener Kaffee kreiert, der „Flatwhite“, ein Cappuccino mit doppeltem Espresso.

Cool soll die Digital Eatery nicht sein. „Wärme zählt“, so Karger. Das dezente Grau der Wände ist durchbrochen von Eichenholzpaneelen, eigens entwickelt für den Raum. Der Tresen ist hell, gekachelt mit weißen Fliesen. Ansonsten ist das Mobiliar bunt, neben Holzstühlen gibt es auch Sofas und Sessel, neben viereckige sind runde Tische platziert. Hochwertig soll das gastronomische Angebot sein. „Regional-saisonale Küche, nicht verspielt und ohne Tiefkühlware“, sagt Karger. Cookies gibt es, Frucht-Tartes, Sandwiches, Couscous, jeden Tag eine andere Suppe und einen günstigen Business-Lunch. Ohne Karte, die Tagesangebote stehen auf Tafeln. Meist Vor- und Hauptspeise. „Basis ist eine Zwei-Komponenten-Küche“, sagt Karger. „Das mögen Touristen und Angestellte der Umgebung.“

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