Erweiterung: Mit 24 den zweiten Betrieb
Erweiterung

Mit 24 den zweiten Betrieb

Herbert Schwittay
Jung und tatkräftig: Eileen Müller am alten Kachelherd im Dörpkrog an Diek.
Jung und tatkräftig: Eileen Müller am alten Kachelherd im Dörpkrog an Diek.

Abbendorf. An zwei Orten gleichzeitig eine Gastronomie zu führen, ist nicht ganz einfach. Auch Eileen Müller wusste das, als sie im vergangenen Jahr mit dem Dörpkrog an Diek eine zweite

Abbendorf. An zwei Orten gleichzeitig eine Gastronomie zu führen, ist nicht ganz einfach. Auch Eileen Müller wusste das, als sie im vergangenen Jahr mit dem Dörpkrog an Diek eine zweite Gaststätte übernahm. „Ich habe mir das zugetraut, weil ich bereits seit einigen Jahren im Sportboothafen Lenzen gute Erfolge verbuchen kann“, sagt sie.

In Abbendorf musste sie aber noch einmal kräftig die Ärmel hochkrempeln. „Die Vorbesitzerin hat mir ein nicht gerade sofort vorzeigbare Haus hinterlassen“, so Müller. Mit dem Landgasthof war jahrelang der Name Jürgen Srajer verbunden. Nach der Übernahme durch die Tochter gab es aber wirtschaftliche Probleme, die für den Dörpkrog das Aus bedeuteten.

Die beiden Unternehmen in einigen Bereichen wirtschaftlich miteinander zu verbinden, sieht Eileen Müller als eine relativ leichte Aufgabe. „Wenn auch mit viel Zeitaufwand“, wie sie sagt. Wareneinkauf, die Besetzung durch die Mitarbeiter – drei bis vier Mitarbeiter in der Küche, die gleiche Anzahl im Service – und das Angebot auf den Speisekarten sind Merkmale, die sich problemlos vom einen auf das andere Haus übertragen lassen.

Zudem liegen beide Gaststätten am Fluss. In Lenzen ist es die Elbe, in Abbendorf die Havel. Der Elberadweg verbindet beide. „Geradezu ideale Standorte, um verschiedene Tourismusbereiche miteinander zu verknüpfen“, so Müller. Fahrradfahrer, Bootsführer, Wanderer und Camper machen daher das Gros ihrer Tagesgäste aus. „Ihnen muss man sich bei der Auswahl gastronomischer Angebote gezielt anpassen“, weiß die Wirtin. Darüber hinaus fühlen sich Camper im Dörpkrog wohl, befinden sich hinter dem Haus doch Stellplätze und sanitäre Anlagen. Der Landgasthof stelle den Frühstücksservice.

Beide Häuser sind in erster Linie Saisonbetriebe. Während im Sportboothafen von Ostern bis Oktober Hochbetrieb herrscht, die restliche Zeit allerdings geschlossen ist, ist die Anlage ein Selbstläufer. Im Dörpkrog liegt der Schwerpunkt außerhalb dieser Zeiträume mehr auf Feierlichkeiten. Möglichkeiten dafür bietet der 300 Personen fassende Saal. Beide Gastronomien verfügen zudem über große Außenbereiche. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es nicht.

Auch wenn sie selbst die Kochkunst nicht erlernt hat, so hat Eileen Müller sich doch über die Jahre alle Fertigkeiten einer soliden Landhausküche angeeignet und ist deshalb auch oft selbst am Herd zu finden. Darüber hinaus kümmert sie sich um den gesamten Einkauf. Obwohl sie die Möglichkeit hätte, direkt vom Fischer Ware zu beziehen, entschied sie sich dagegen. „Kurzfristige Verfügbarkeit und ein umfangreiches Sortiment konnten nicht garantiert werden“, sagt sie.

Und wie ist es, mit 24 Jahren bereits Chefin zu sein. „Eine Selbstständigkeit war immer mein Traum“, sagt Müller. „Und wer in dieser Branche engagiert arbeitet, bei dem spielt das Alter nicht unbedingt eine Rolle.“ Deshalb könnte sie sich auch vorstellen, noch eine weitere Gaststätte zu betreiben. Und warum nur pachten, nicht kaufen? „Das finde ich immer besser“, so Müller. „Denn wenn es wirklich einmal nicht klappt, kommt man nach Ablauf aus dem Vertrag heraus und begrenzt damit den finanziellen Schaden.“ Und dass sie bei allen Aufgaben ohne Familie Alleinunterhalterin ist, berührt sie auch nicht. „Familie ja, aber doch jetzt noch nicht.“ Herbert Schwittay

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