Betriebspraxis: Mit 8 einfachen Tipps zu geni...
Betriebspraxis

Mit 8 einfachen Tipps zu genialen Texten

Hoteliers und Gastronomen, die gute Werbe-Mailings oder Webseiten-Texte schreiben wollen, sollten ihre Gäste und ihren Betrieb gut kennen und bei Beschreibungen nicht übertreiben.

STUTTGART. Noch längst nicht allen Hoteliers und Gastronomen ist klar, wie viel sich über gut geschriebene Texte erreichen lässt. Texte entscheiden über die Beziehung zum Gast. Und in den nächsten Jahren wird die mündliche und schriftliche Kommunikation mit dem Gast noch wichtiger. Warum? Weil sich da an vielen Schrauben drehen lässt und sich das in barer Münze auszahlt. Darum: Lesen Sie die Tipps und setzen Sie sie um.

1. Lernen Sie Ihre Gäste kennen

Können Sie auf Anhieb sagen, wer Ihre typischen Gäste sind? Wenn ja, sind Sie klar im Vorteil. Wenn nein, ist vielleicht ein grobes Raster hilfreich, und das stellen wir Ihnen gleich anhand von vier Gäste-Typen vor.

Der Genießer will es sich gut gehen lassen und ist bereit, dafür Geld auszugeben. Ihn oder sie erreicht man am besten über eine emotionale Ansprache. Ihm oder ihr muss man den Aufenthalt so richtig schmackhaft machen. Dieser Gäste-Typus lässt sich gern auf eine emotionale Bindung zum Betrieb ein.

Der Gestresste ist nicht freiwillig unterwegs, sondern hetzt von einem Business-Termin zum nächsten. Er ist auf Daten und Fakten angewiesen und will kein Drumherum-Gelaber. Texte müssen für diesen Typus klar und übersichtlich sein.

Der Schnäppchenjäger schaut nach dem Preis. Er benötigt übersichtlich aufbereitete Informationen und möchte Ihr Angebot ruckzuck mit anderen vergleichen können. Diesen Typus überzeugen Sie mit einem Mix aus sachlicher Ansprache und werblichem Ton.

Der Alltagspraktiker ist oft mit der Familie unterwegs, und da muss das Drumherum einfach praktikabel sein. Infos müssen gut strukturiert und schnell zu erfassen sein.

Na? Welcher ist Ihr typischer Gast? Ganz klar, es gibt nie nur Gäste aus einer dieser Schubladen, sondern Ihre Klientel wird sich aus mehreren Typen zusammensetzen. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, ob es vielleicht eine besonders große Schublade gibt, aus der besonders viele Ihrer Gäste kommen. Darauf schneiden Sie dann Ihre Kommunikation zu.

2. Schätzen Sie Ihren Betrieb richtig ein

Wenn Sie in etwa wissen, aus welcher Schublade Ihre Gäste kommen, haben Sie auch eine ungefähre Vorstellung davon, wie Sie mit ihnen kommunizieren sollten. Schauen Sie sich nochmals Ihren eigenen Betrieb an: Was ist typisch für Sie? Was ist das Besondere an Ihrem Betrieb? – Das ist die Frage nach der USP (Unique Selling Proposition). Wenn Ihr Betrieb ein Defizit hat, reden Sie nicht drum herum. Benennen Sie es. Sie betreiben eine kleine Pension auf dem Land und die Internetverbindung ist zum Heulen? Verschweigen Sie es nicht. Sagen Sie, wie es ist, und machen Sie etwas draus. Vielleicht so: „Hier gibt es kein Internet, und das ist gut für Sie. Unsere Gäste sind einfach mal offline und entspannen sich hier so fantastisch wie seit Langem nicht. Das liegt wohl auch an der frischen Luft …“

3. Finden Sie Ihr Thema

Jeder Betrieb hat ein Thema, lassen Sie sich nichts anderes erzählen. Wenn Sie ein Bio-Hotel führen, ist Ihr Thema vielleicht die Rückkehr zur Ursprünglichkeit. Nun definieren Sie für Ihren Betrieb passend zum Thema mindestens drei Kernbegriffe, die sich an jedem Kontaktpunkt bewahrheiten sollten. Das können sein:

- Thema: Rückkehr zur Ursprünglichkeit

- Kernbegriffe: Authentizität, freundliches Personal, Bio-Küche

Diese Begriffe sind nur für Ihre Leute und Sie gedacht! Sie werden für den Gast nirgendwo sichtbar aufgeschrieben, schwingen aber als Grundton durch den ganzen Betrieb mit.

4. Seien Sie ehrlich

Schreiben Sie nur das, was Ihren Betrieb tatsächlich ausmacht. Etwas anderes haben Sie nicht nötig. Ehrlichkeit wird von allen Gästen extrem geschätzt. Die Verunsicherung in Zeiten des Informationsüberflusses ist so groß, dass ein klares Wort, eine ehrliche Aussage noch viel stärker wirken als je zuvor. Wenn Sie auf Ihrem Bio-Bauernhof ein Zimmer mit Blick auf einen Misthaufen vermieten, nennen Sie das Zimmer nicht Sternenhimmel, sondern Landluft. Wenn Ihr Café an einer stark befahrenen Straße liegt, schreiben Sie nicht „idyllisch gelegen“, sondern nennen das Kind beim Namen: „Unser Café liegt an der B 509 – das ist wohl einer der Gründe, warum viele Pendler bei uns so gerne eine Pause machen und den besten selbstgemachten Apfelkuchen im ganzen Tal genießen.“

5. Bitte nicht übertreiben

Wenn Sie die Lust an der Textkreation gepackt hat: super! Aber bitte nicht zu viel des Guten. Nicht jeden Markenkontaktpunkt mit Text zupflastern, wie es zum Teil bei der Vermarktung von manchen Produkten geschieht. Da sprechen plötzlich Smoothies und Kekse zum Kunden und werden schrecklich distanzlos. Der Kunde erhält keine Information über das Produkt, sondern wird direkt angesprochen, als seien die Schokolade, der Veggie-Snack, das Erfrischungsgetränk und er seit Jahren beste Kumpel. „Probier‘ mich mal, ich mach dir den Tag schön.“ Vorsicht mit der direkten Ansprache durch Objekte, so niedlich das auch anfangs wirken mag. Überlegen Sie genau, ob Sie siezen oder duzen wollen. Bringen Sie Texte dort an, wo es Sinn ergibt – andernfalls kommt es ganz schnell geschwätzig rüber.

6. Schreiben Sie verständlich

Immer wieder finde ich Sätze wie „Unter Berücksichtigung der Verzehrgewohnheiten unserer Gäste sind vegane Speisen auf unserer Menükarte nicht vorgesehen.“ oder „Unser zentral gelegener Betrieb ist mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln gut erreichbar. Wir bitten um Verständnis, dass wir leider keine Parkmöglichkeiten zur Verfügung stellen können.“. Bitte glauben Sie mir, so etwas will niemand lesen. Besser klingt es so: „Auf unserer Karte werden Sie keine veganen Gerichte finden. Sprechen Sie uns an, wenn Sie eine bestimmte Zubereitung wünschen. Wir finden etwas für Sie.“ und „Direkt vor unserer Tür liegt der U-Bahnhof Meraner Straße. Lassen Sie das Auto lieber stehen und genießen Sie unsere gute Weinkarte.“

Auch wenn es Ihnen nicht bewusst ist, wir denken, sprechen und handeln in Verben. Deshalb ist es ganz wichtig, beim Texten Verben zu benutzen. Das schafft Vertrautheit, Nähe und wirkt natürlich. Es versteht sich eigentlich von selbst, dass kurze Sätze besser verstanden werden als lange, komplizierte Satzkonstruktionen. Die Faustregel: Wenn Sie einen Hauptsatz gebildet haben, lassen Sie es damit gut sein. Okay, ab und an ein Nebensatz ist auch gut, aber dann ist Schluss.

7. Der Aufbau des Textes muss klar sein

Es kommt nicht nur auf guten Inhalt und guten Ausdruck an, sondern immer auch auf die Form. Ein gut strukturierter Text macht es den Leserinnen und Lesern leicht. Dass Sie für Ihren Text eine Headline brauchen, ist sonnenklar: Sie ist nämlich die starke Ankündigung des Inhalts. Gleichzeitig geben Sie dem Leser das Signal: Hier fängt etwas an. Sie können auch mit einer zweiten Überschrift arbeiten, einer sogenannten Sub-Headline. Die ist meistens in kleinerer Schriftgröße gesetzt und als Ergänzung zur Hauptüberschrift gedacht. Diese Form der gedoppelten Überschrift ist optisch eine gute Einleitung zu dem Teaser (Anreißer, aus dem Englischen von to tease = reizen, necken) und/oder Fließtext, die danach kommen. Weitere Elemente, die Ordnung in längere Texte bringen, sind zum Beispiel Zwischenüberschriften, Aufzählungen, Info-Kästen und Bildmaterial.

Soll ein Text schnell zu erfassen sein, dürfen die Zeilen nicht zu lang sein – unter 60 Zeichen (inklusive Leerzeichen) pro Zeile sind empfehlenswert. Wichtig ist auch der Abstand der Zeilen zueinander; die Layout-Profis sprechen vom Zeilendurchschuss.

Eine Seite Text wird erst dann so richtig prickelnd, wenn auch Bilder dabei sind. Wir sind auf dem visuellen Kanal gut ansprechbar, und wir machen mit einer ausgewogenen Kombination aus Text und Bild unserem Gehirn die hellste Freude. Außerdem strukturiert das jede Seite.

8. Alle Sinne ansprechen

Je mehr Sinne Sie bei den Lesern mit Ihren Texten ansprechen, desto interessanter wird es für diese, und umso mehr heben Sie sich von anderen Betrieben ab. Was bedeutet es, alle Sinne anzusprechen? Es meint: Sehen (visuell), Hören (auditiv), Riechen (olfaktorisch), Schmecken (gustatorisch) und Tasten (haptisch).

Wir sind es gewohnt, den Sehsinn in unseren Beschreibungen zu bedienen: „Der blaue Himmel über der grünen Wiese zeigte kein Wölkchen.“ Das ist erst einmal so in Ordnung, aber auch ein kleines bisschen langweilig. Besser wäre: „Die saftig grüne Wiese duftete nach Heu und Honig, die Luft schmeckte nach Spätsommer, die Bienen summten träge.“(Sehen, Riechen, Schmecken, Hören). Keine Bange: Sie müssen nicht zum Poeten werden. Die Sinne ansprechen, das geht auch, ohne Goethe und Schiller nachzueifern.

Was macht gute Texte aus? Warum sollte ich Storytelling in meinem Unternehmen verankern? Was will der digitale Gast? - Das sind nur einige der Fragen, die sich Hoteliers und Gastronomen stellen müssen, um mit ihren Texten die richtigen Gäste anzusprechen und so auf ihr Unternehmen aufmerksam zu machen. Nach dem Motto „Wie du mit knackigen Texten besser verkaufst“, hat Petra van Laak einen „Tat-Geber“ aus der Praxis für die Praxis für Gastronomen und Hoteliers geschrieben. Unzählige echte, positive Beispiele machen Mut, sich mit der Thematik zu beschäftigen und dabei Schritt für Schritt zum Textprofi zu werden.  Petra van Laak



Petra van Laak

Geniale Texte für Hotellerie und Gastronomie

ISBN 978-3-87515-316-3

29,90 €

Zu bestellen unter:

www.matthaes.de/geniale-texte

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