Familienbetrieb: Mit Ehrgeiz aus der Insolven...
Familienbetrieb

Mit Ehrgeiz aus der Insolvenz

Claudia Tupeit
Haben wieder Zeit fürs Private: Erich-Alexander Hinz und Frau Claudia mit ihren Jagd-Hunden.
Haben wieder Zeit fürs Private: Erich-Alexander Hinz und Frau Claudia mit ihren Jagd-Hunden.

Güstrow. Eigentlich hätte Erich-Alexander Hinz als Banker in einer Hamburger Bank arbeiten sollen. Der zerplatzte Traum seiner Eltern trieb ihn jedoch Mitte der 1990-er Jahre nach der Ausbildung

Güstrow. Eigentlich hätte Erich-Alexander Hinz als Banker in einer Hamburger Bank arbeiten sollen. Der zerplatzte Traum seiner Eltern trieb ihn jedoch Mitte der 1990-er Jahre nach der Ausbildung zurück ins beschauliche Güstrow. Es galt, das Familienerbe zu retten – und ein Hotel und Restaurant mit großer Tradition: das Kurhaus am Inselsee.

Erich-Alexander Hinz verhandelte mit Banken und überzeugte Konkursanwälte von seinem Konzept für das geschichtsträchtige Haus. „Ich war damals Anfang 20, meine Eltern hatten einige Jahre zuvor das Haus gekauft, während der Sanierungs- und Umbauphase gerieten sie jedoch in die Insolvenz“, berichtet der 44-Jährige. Umfangreichere Arbeiten als gedacht, schlechterer Zustand als vermutet – es habe einige Faktoren gegeben. Die schwierige Situation kitzelte den Ehrgeiz aus dem jungen Mann. Nachdem er eine Bank in der Region überzeugt hatte, ging es für ihn los. Bilanz zum Start: 24 fertige Zimmern, drei Mitarbeiter für Küche, Rezeption und Housekeeping sowie ein weiterer baufälliger Teil des Hauses. „Wir hatten einen uralten Wasserboiler und Wasserschäden an den Wänden“, erinnert sich Hinz. Statt die Schandflecken vor den Gästen zu verstecken, lud er sie zu Bauführungen ein.

Die schwierige Anfangsphase ist heute an keiner Ecke mehr zu sehen. Neben guten Bauleuten und Bankkrediten, hat Hinz das auch seiner Frau Claudia zu verdanken, die aus der Gegend stammt. „Ich suche nie Möbel, Deko oder Materialien aus, ohne dass meine Frau zustimmt“, sagt Hinz. In Lobby, Festsaal, Zimmern und im Restaurant erwartet Besucher daher viel Liebe zum Detail. Für Geschäftsreisende gibt es etwa ein spezielles Arbeitslicht am Schreibtisch und ein schnelles, gut funktionierendes W-Lan. Hochzeitspaare finden in dem Haus eine Außenstelle des Standesamtes vor und Erholungssuchende schlafen ruhig nahe dem Waldstück. Außerdem gibt es einen öffentlichen Strandabschnitt direkt vor dem Kurhaus. Die Pflege des Toilettenhäuschen und der Duschkabinen übernimmt dann auch das Hotel. Vor vier Jahren hat Hinz außerdem das 100 Meter vom Haupthaus entfernte Strandhaus mit 25 Zimmern als Neubau eröffnet. Im Sommer gibt es seitdem für die Strandgäste Snacks aus einem Kiosk.

Lange Zeit hat Hinz außerdem über ein zweites Hotelgebäude nachgedacht. Mit dem Betrieb wollte er jedoch langsam wachsen. Sein Credo: Nur investieren, was er auch verdient hat. Die ersten Jahre nach der Übernahme von seinen Eltern hat er mit seiner Frau und den beiden Töchtern in einem der Hotelzimmer gewohnt. „Als wir anfangs nur drei Mitarbeiter hatten, schliefen wir in Etappen, um im Hotel anpacken zu können und gleichzeitig für die Kinder da zu sein.“ Mittlerweile könne er nach Zwölf-Stunden-Tagen ins Private übergehen – im eigenen Heim im Güstrower Stadtzentrum.

Die 25 Zimmer im Kurhaus am Inselsee haben neben Tagungsgästen und Familien auch einige Prominente gebucht. Die Scorpions waren schon da, Angela Merkel legte einen Stopp auf einer Reise ein und Bonnie Tyler war so überzeugt, dass sie zum Urlaub wiederkehrte. „Ich spezialisiere mich auf keine Gästeklientel, sondern halte mir das gern offen“, sagt Hinz. Die Bewohner der Region danken es ihm. Für die Güstrower ist das Kurhaus ein beliebtes Ausflugsziel. „Wir haben viele Gäste, die seit Jahrzehnten ihre Familienfeiern hier abhalten und nun feiern deren Enkel ihr Abitur bei uns “, sagt Erich-Alexander Hinz stolz. Dann gibt es etwa Wild, das der Direktor selbst erlegt hat. Als Ausgleich zum Hotelbetrieb haben seine Frau Claudia und er nämlich die Jagd für sich entdeckt.Claudia Tupeit

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