Corona-Hilfe: Mit sicherer Hand die Krise mei...
Corona-Hilfe

Mit sicherer Hand die Krise meistern

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Roland Schwecke: "Der gesamten Branche droht ein beispielloser Brain Drain und damit ein Verlust an Vielfalt."
Roland Schwecke: "Der gesamten Branche droht ein beispielloser Brain Drain und damit ein Verlust an Vielfalt."

Wie privat geführte Hotels aus der Coronakrise kommen, hängt nach Meinung des Hotel- und Gastronomieberaters Roland Schwecke auch von den Management- und Kommunikationsfähigkeiten des Betreibers ab.

Die Privathotellerie und auch das privat geführte Gastgewerbe stehen vor einem dramatischen Umbruch. Dabei beschleunigt und verstärkt die Coronakrise einen Konsolidierungsprozess, der seit Längerem schon im Gange ist: Finanzstarke Ketten haben sich im vergangenen Jahrzehnt vorrangig in den profitablen Segmenten der Stadthotellerie immer weiter ausgebreitet, während gerade die kleinen Beherbergungsbetriebe einen erheblichen Rückgang des Angebotes verzeichnen.

Die Zahl der Betriebe mit weniger als 20 Zimmern reduzierte sich um bis zu 24 Prozent, was auch im Zusammenhang mit dem Shutdown zeigt, welche Betriebe am meisten gefährdet sind. Kleinere Beherbergungsbetriebe sind in einem margenschwachen Geschäft nun besonders von der Coronakrise betroffen, da sie häufig nicht auf komfortable Rücklagen zurückgreifen können. Unternehmen, die vor Corona über mehr als 20 Prozent Eigenkapital verfügten, haben sicherlich bessere Karten, sich nach Ende des Shutdowns wieder zu erholen.

Mitarbeiter als erfolgskritischen Faktor erkennen

Jedoch steht zu befürchten, dass  den sowieso schon gefährdeten Betrieben auch ehemals profitable Betriebe die kommenden Monate nicht überstehen werden, weil sie den komplexen Anforderungen an das derzeit nötige Krisenmanagement nicht gewachsen sind. Der gesamten Branche droht ein beispielloser Brain Drain und damit ein Verlust an Vielfalt. Die besten Fachkräfte werden ihren Betrieben schnell den Rücken kehren, wenn sie nicht erkennen können, welche Perspektiven ihnen ihr Arbeitgeber bietet.

Deshalb wird die Kommunikation mit den eigenen Beschäftigten zum erfolgskritischen Faktor. Es gilt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in das Krisenmanagement einzubinden. Unternehmer sollten vermitteln: Ich habe die Krise im Griff und gehe durch sie mit meinen Mitarbeitern hindurch. Bestenfalls machen sich Hotelmanager jetzt Gedanken, um ihren Unique Selling Point für die Zeit nach der Krise zu schärfen. Stellen Sie Ihre Ideen den Mitarbeitern vor und schaffen Sie Vertrauen in die eigene unternehmerische Zukunft. Dank moderner Videokonferenz-Tools wie etwa zoom kann das auch standortunabhängig organisiert werden. Wer jetzt seine Chancen richtig erkennt und ein kluges Krisenmanagement betreibt, kann so auch Wettbewerbsvorteile generieren.

Vertrauen bei Banken und Verpächtern herstellen

Kommunikationsfähigkeit und Offenheit sind auch gefragt, um Verpächter und Banken als Partner in dieser einzigartigen Situation zu gewinnen. Unternehmen können ihre Chancen diesbezüglich deutlich erhöhen, wenn sie ihre Situation etwa mit Bilanzen, Benchmarkvergleichen und fundierten Analysen aus den vergangenen Jahren plausibilisieren können. Stellen sie übersichtlich dar, dass ihre Liquiditätssituation vor der Krise gesund war und welche Folgen sich aus der Corona-Krise direkt ergeben haben. Mit dieser Grundlage verbessern Sie die Chancen auf einen gemeinsamen, partnerschaftlichen Weg mit den Kapitalgebern und/oder Verpächtern durch diese Krise. Die klare Argumentation des betriebswirtschaftlichen Status Quo vor der Coronakrise und Szenarien für die Entwicklung danach sind ein erster Schritt, mit geplanten kommunikativen Schritten Vertrauen zu bilden.

Eigene Vorschläge auf den Tisch legen

Unternehmer sollten nicht mit zu starken Forderungen auftreten, auch wenn der eigene Handlungsdruck hoch ist. Bleiben Sie sensibel und fragen Sie Verpächter und Banker, wie diese Ihnen entgegenkommen können. Natürlich sind Vorschläge nicht falsch, die Sie sich vorher überlegt haben: Ist die Pacht als hybride, umsatzabhängige Pacht gestaltbar, um das Risiko in der Krise zwischen Verpächter und Hotelier aufzuteilen? Kann die Pachtzahlung für die Zeit der Betriebsschließung vielleicht auch ausgesetzt werden?

Ihre Partner wollen vor allem genau wissen, ob Sie alle Spar- und Fördermöglichkeiten ausgeschöpft haben: die Nutzung von Kurzarbeit, die Senkung der Betriebskosten und des eigenen Gehaltes inklusive der Aussetzung von Boni werden Themen sein. Genauso werden Sie nach den Themen Steuerstundungen, KfW-Krediten und staatlichen Förderungen befragt werden.

Haben Sie alle Möglichkeiten für den Betrieb ausgeschöpft? Prüfen Sie, ob Ihnen Entschädigungen durch den Staat infolge des Infektionsschutzgesetzes zustehen. Greifen Mietausfallpolicen? Mit der Vorbereitung auf all diese Fragen und der eventuellen Klärung schaffen Sie Vertrauen und zeigen den Beteiligten: Sie haben wichtige Hausaufgaben erledigt und sind gerüstet, um durch diese Krise zu gehen.

Dabei können Sie sogar ganz ohne Kostenaufwand externe Unterstützung in Anspruch nehmen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert betriebswirtschaftliche und Wettbewerbs-Analysen externer Berater bis zum 31. Dezember 2020 zu 100 Prozent.

Chancen der Digitalisierung nutzen

Die staatliche Förderung hilft vielleicht auch, neue Wege im Online-Marketing zu gehen. Denn die Coronakrise wird die Digitalisierung enorm beschleunigen. Machen Sie den Check: Was haben Sie vor der Krise für ein professionelles Online-Marketing mit einer kundenfreundlichen Buchungsinfrastruktur getan? Wie waren die Internetbewertungen vor der Krise? Das können gute Grundlagen sein, um etwa konzeptionelle Defizite zu identifizieren und neue Ansätze zu entwickeln.

Nutzen Sie vor allem die digitalen Kanäle, um mit Ihren Gästen zu kommunizieren. Lassen Sie es menscheln. Jetzt ist Ihre redaktionelle Kreativität für Postings auf Facebook & Co. gefragt. Stellen Sie zum Beispiel in kurzen Videos oder auch mit kleinen Fotostorys dar, wie Sie Ihren Krisenalltag bewältigen. Die Krise bietet eine einmalige Chance, zu Ihren Gästen und Kunden sehr persönlich in Kontakt zu treten. Denn die Kunden haben mit den gleichen Widrigkeiten der Coronakrise zu tun. Das schweißt zusammen und sie vermarkten ihr Hotel oder Restaurant schon vor Wiedereröffnung. Auch innovative Rabattaktionen können ein lohnendes Engagement darstellen. „Schon heute buchen, später reisen“ oder ähnliche Offerten lassen sich beispielsweise effektvoll und günstig bewerben. Manche Gastgeber generieren so schon heute Umsatz für die Zeit nach dem Shutdown.

Wiedereröffnung planen – auf das Timing kommt es an

Ein weiterer wichtiger Managementaspekt wird die Phase der Wiedereröffnung sein. Wie finde ich das passende Szenario für meine Situation. Das Geschäft springt nicht so schnell wieder an, wie es geschlossen wurde. Hier lohnt ein Blick nach China, die uns einige Monate in der Corona-Krise vorauseilen. Zwar brach der Tourismus nur innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntwerden des ersten Corona-Todesfalls um 90 Prozent ein. Aber sechs Wochen nach Wiedereröffnung der Hotels konnte die Auslastung erst wieder um rund 20 Prozent von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau gesteigert werden.

Je nach saisonalem Zeitpunkt gilt es anhand von Szenarien und Kostenstrukturen genau zu analysieren, welche Betriebsteile mit welchen Personalkosten wann wieder auf 100 Prozent zu stellen sind. Schlimmstenfalls manövrieren sich Hotelier nach Wiedereröffnung in die Kostenfalle, weil die Gäste nicht so schnell kommen wie erhofft. Auch dies kann mit externer Expertise verhindert werden.

Fazit: Mit konzertiertem Maßnahmenplan durch die Krise

Die Branche des mittelständischen Gastgewerbes ist Corona-bedingt in die größte Existenzkrise nach dem Zweiten Weltkrieg geraten. Über die Zukunft der privat geführten Hotels entscheidet nicht nur, wie stark die Betriebe vor dem Shutdown waren. Ob und wie sie aus der Krise herauskommen, hängt auch davon ab, wie gut ihr Krisenmanagement die komplexen Handlungsfelder zu einem stimmigen Maßnahmenplan bündelt.

Außer betriebswirtschaftlichen Parametern und Steuerungsmechanismen sowie rechtlichen Aspekten kommt eine entscheidende Rolle während des Lockdowns der aktiven Kommunikation mit den eigenen Mitarbeitern und Gästen zu. Nur Unternehmen, denen es gelingt, vor allem die gut qualifizierte Belegschaft zu halten, werden nach der Krise auch wieder durchstarten können.

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