Interview: Philipp Westermeyer (38), Gründer ...
Interview: Philipp Westermeyer (38), Gründer Online Marketing Rockstars (OMR)

Mit starken Marken im Netz bestehen

Olaf Ballnus
Phiilipp Westermeyer: „Es ist wichtig, sich zu differenzieren.“
Phiilipp Westermeyer: „Es ist wichtig, sich zu differenzieren.“

Der Digital-Experte spricht über technische Innovationen und Start-ups, über das Verhältnis von Hotels zu Buchungsportalen und die zunehmende Vermischung von Arbeit und Freizeit.

Sie sind als Unternehmer viel unterwegs. Welchen Typ von Hotel bevorzugen Sie?



Westermeyer: Wenn ich nur für eine oder zwei Nächte irgendwo hinfahre, bin ich nicht sehr anspruchsvoll. Da reicht mir ein Zimmer mit ordentlichem Bett. Tendenziell bin ich eher preis-leistungs-bewusst.

Und wo finden und buchen Sie Ihre Hotels?



Westermeyer: In der Regel im Internet, meistens über Booking.com. Dies bietet viel Auswahl, ist übersichtlich und unkompliziert.

Im Januar werden Sie beim Deutschen Hotelkongress vor vielen führenden Köpfen der deutschen Hotelbranche sprechen. Was erwarten Sie sich von der Veranstaltung?



Westermeyer: Ich würde dort vor allem gerne einen positiven Eindruck unserer Marke Online Marketing Rockstars (OMR) hinterlassen. Zudem bin ich neugierig, wie das digitale Marketing in der Hotellerie derzeit läuft. Denn dort gibt es ja auf der einen Seite große Veränderungen aufgrund von Portalen wie Booking.com, aber auf der anderen Seite haben in den vergangenen Jahren auch viele Hotelunternehmen eine starke Marke aufgebaut, wie etwa 25hours.

Sie haben 2011 die Plattform OMR gegründet, verbunden mit einem jährlichen Event für die Digital-Marketing-Branche. Zu der letzten Ausgabe kamen 25.000 Gäste nach Hamburg. Hätten Sie bei der Gründung mit solchem Erfolg gerechnet?



Westermeyer: Überhaupt nicht. Wir hatten am Anfang nur das gemacht, worauf wir selbst Lust hatten. Aber wir hatten das Glück, dass das Thema digitales Marketing in den letzten Jahren enormen Aufwind hatte. Und wir profitieren davon, dass viele Menschen aktuell sehr gerne zu Events gehen, um sich zu informieren und weiterzubilden, auch im digitalen Zeitalter. Dennoch bleiben wir mit OMR eine Medienmarke, keine Eventmarke. Ich glaube, dass das einen wesentlichen Teil des Erfolgs ausmacht.

OMR unterscheidet sich grundlegend von anderen Branchentreffen, allein schon durch den hohen Unterhaltungscharakter. Neben internationalen Speakern lassen Sie musikalische Top Acts wie Fanta4 oder Udo Lindenberg auftreten. Sehen Sie ein derartiges Infotainment auch als sinnvolles Konzept für andere Branchen?



Westermeyer: Absolut. Ich gehe davon aus, dass Freizeit und Arbeit in Zukunft immer enger zusammenwachsen. Die Leute haben nichts dagegen, tagsüber Verhandlungen zu führen und abends zusammen zu feiern. Dieser Trend betrifft meines Erachtens den gesamten deutschen Arbeitsmarkt.

Wo bleibt bei all den Musik-Acts der fachliche Input bei den OMR?



Westermeyer: Die Bands treten meist abends auf. Aber manchmal macht es auch tagsüber Sinn, das Programm durch Künstler aufzulockern. Wir sind vor allem aber das größte Weiterbildungsevent für digitales Marketing in der Welt mit über 100 Masterclasses und einer der größten globalen Business-Treffpunkte zu dem Thema.

Sie selbst sind seit vielen Jahren in der digitalen Start-up-Szene unterwegs und haben dort auch selbst erfolgreich zwei Unternehmen gegründet. Warum schaffen es etablierte Unternehmen nicht oder nur selten, im digitalen Bereich Innovationen auf den Markt zu bringen?



Westermeyer: Die großen Unternehmen sind oft nicht ausreichend agil und hatten bislang nicht die passenden Prozesse. Das ändert sich aber gerade ein bisschen, es gibt in einigen Firmen ein Umdenken. Dennoch ist es enorm schwer, eine digitale Innovation auf den Markt zu bringen, sowohl für Start-ups als auch für etablierte Unternehmen.

Im Gastgewerbe sind es ebenfalls meist Start-ups, die technische Innovationen auf den Markt werfen. Einige dieser Start-ups werden dann von Ketten wie Accorhotels aufgekauft. Hat die Hotellerie hier etwas versäumt?



Westermeyer: Ich glaube, es macht vor allem Sinn, sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren und sinnvolle Tools und digitale Produkte clever einzusetzen. Ich kann mir nicht so richtig vorstellen, dass große Hotelketten digitale Innovationen sein können.

Die Hotelbranche ist im Internet zudem auf mächtige Partner angewiesen, die Buchungsportale. Die sind aber umstritten, wegen hoher Provisionen und anderer Vertragsbedingungen. Kennen Sie solche Abhängigkeiten aus anderen Branchen?



Westermeyer: Klar, das ist auch zum Beispiel bei Amazon in vielen Bereichen so. Dort passiert es meistens bei Produkten mit sogenanntem Low-Involvement, mit denen man sich also wenig beschäftigt, etwa Batterien oder Socken.

Aber ist das Reisen nicht ein Thema, das die Menschen in seinen Bann zieht.



Westermeyer: Da muss man unterscheiden. Bei kurzen Geschäftsreisen ist das Involvement nicht so hoch. Die Leute wollen vor Ort oft nur eine Unterkunft, in der sie gut schlafen können. Oder sie sind preissensibel. Darauf zielt ja zum Beispiel auch Booking.com ab.

Wie können Hotels sich wehren?



Westermeyer: Es ist wichtig, sich zu differenzieren. Nur wenn mein Produkt etwas Besonderes ist, und sei es eine besondere Marke, habe ich in der Plattform-Ökonomie der Zukunft eine Chance, kann man vereinfacht sagen.

Was raten Sie jungen Gründern?



Westermeyer: Arbeiten, sehr viel Arbeiten. Sonst geht es nicht.

Philipp Westermeyer ist Referent beim Hotel Technology Forum (HTF) auf dem Deutschen Hotelkongress am 29. und 30. Januar 2018 in Berlin. Anmeldung und weitere Infos unter www.hotelkongress.de

stats